Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Plan B - Brückenhallenbiwak

Rückblick: Letztes Mal wurde der Gang der Intrigen entdeckt und vermessen. In einer weiteren Tour wurde dieser bis zu seinem Ende weiterverfolgt. Er endet in der Decke vor der Wasserstelle des Brückenhallenbiwaks. Eine kleine Enttäuschung, denn auch der geräumige Canyon endete nach der nächsten Kurve. Das durchfließende Wasser strömt zur Wasserstelle Brückenhallenbiwak. Ein kleines Fragezeichen bleibt: Offen ist der Bodenspalt im Gang der Intrigen. Der darunter liegende Raum steht jedoch auch sicher in Verbindung mit dem Abflusssystem zur Wasserstelle. Es fehlt daher an Motivation. Das Seil ist inzwischen rückgebaut.

Ziel der aktuellen Tour sollte eigentlich das Idealbiwak sein, eine Tagestour vom Eingang. Dort gibt es noch einen Siphon oder See, der noch nicht durchschwommen ist. Beni meldete sich jedoch am Abfahrtstag krank und Michi war sich in der Wegfindung nicht sicher, also Plan B.

Plan B im Detail: Michi entschied, das Zsolt und ich ihn zum Brückenhallenbiwak begleiten um die letzten offenen unvermessenen, jedoch schon bekannte Gänge, zu vermessen: 1. Ein Schluf vom Riesenschlot zum Dornröschen - endet dort irgendwo in der Decke 20 Meter oben - und 2. der Bachlauf von der Wasserstelle abwärts, soweit befahrbar.

Zur Abfahrt aus München regnete es in Strömen - wunderbar endlich wurde auch das Fahrzeug mal sauber. Vom letzten Offroad war der Kühler noch verlehmt. Ja, auch Autos und nicht nur Höfos können verlehmen. Der Regen würde nun hilfreich sein. Weniger toll war es dann, dass es immer noch wechselhaft war, als wir uns zur Tour in Hallstatt umzogen. Prompt, in der Phase höchster Verletzbarkeit - alles lag um den Wagen herum - öffnete der Himmel erneut alle Schleusen. Zsolt durfte mit verlehmten Schlaz ins Auto, so furchtbar war der Wolkenbruch. In meinen Gummistiefeln, die ich in wenigen Sekunden nicht bergen konnte, bildeten sich tiefe Seen. Alles, wirklich alles war nass. Also wurde es in einer kurzen schwächeren Regenphase feucht eingepackt. Toll, dass es immer weiter regnete. Von der Helmkante floss das Wasser in den Kragen. Beim Aufstieg durchnässten wir völlig. 

Die Eingänge zur Hirlatz verrieten sich schon von weitem durch Nebelfahnen. Mir fiel der Aufstieg schwer. Letztes Mal musste ich nur einmal Pause machen. Diesmal zählte ich gar nicht mehr. Gut, dass der Plan geändert wurde. Mit dieser schlechten Form hätte ich es nicht in einer akzeptablen Zeit zum Idealbiwak geschafft. Grundlagentraining ist nun angesagt - auch muss trainiert werden, den schweren Scheifsack 8 Stunden am Rücken zu haben. Heute fällt es mir nicht leicht. Kalt empfängt uns der Wind aus dem Eingang. Die Hirlatzhöhle hat eine Temperatur von 3,5 Grad Celsius. Im Eingangsschluf bläst es stark, ja fast orkanartig, ins Gesicht - na ja, der Robert hatte in Frankreich im Februar seinen völlig durchnässten Unterschlaz bei 9 Grad unter Null ohne Murren angezogen, also jetzt nur nicht jammern, es sind immerhin über Null Grad.

Nach dem Zubringer und dem überraschend trockenen Unteren Labyrinth gingen wir im Blocktunnel zunächst Richtung Pendler. Der Graue Gang, ein temporärer Siphon, war strohtrocken. Das ist für die Jahreszeit unerwartet. Danach ging es die 60 Meter Leiter senkrecht hoch, natürlich, genau jetzt krampfen die Waden. Es bleib nichts anders übrig als den Schmerz zu ignorieren. Auch das Adrenalin hilft - schließlich sind wir ungesichert. Zsolt war von der Szenerie am Pendler begeistert und nur schwer zur Umkehr zu bewegen. Unser Tagesziel lag jedoch in Gegenrichtung. Also wieder die Leitern runter.

Eigenartig, dass das Brückenhallenbiwak bei unserer Ankunft ein heimatliches Gefühl vermittelte. Wir dampften vor Nässe wie Schornsteine. Nun konnten wir im Schlafsack regenerieren. Trockene Wäsche drunter, nasses Zeugs drüber und in den Schlafsack. Eine andere Möglichkeit als am Körper die Kleidung zu trockenen gibt es nicht. Die Höhle hat fast 100 Prozent Luftfeuchte.

An der Wasserstelle strömte das Wasser. Ein Geräusch wie ein Schauer gegen Zeltwände begleitete uns in den Schlaf.

Nach dem Frühstück hatte das Wasser noch nicht nachgelassen, damit erübrigte sich die Vermessung des Bachlaufs - zu feucht. Im Schluf zum Dornröschen konnten ca. 20 Meter der Länge der Hirlatzhöhle hinzugefügt werden. Der Gang endet an einem Balkon in 18 Meter Höhe. Den Namen trägt das Dornröschen zu Recht. Überall in den Schlufen Knöllchensinter, ein echter Schlazkiller. Am Biwak vermaßen wir noch den Schacht direkt hinter dem Schlafplatz, auch noch mal 15 Meter. Das war es dann auch mit dem Längenzuwachs. Weil noch Zeit war, gingen wir zur Bachschwinde. Lehmwände mit Schichten wie Jahresringe. Wann wird sich hierfür jemand interessieren?

Am nächsten Tag träumten wir von schönem Wetter draußen. Merklich hatte über Nacht die Wasserfluss an der Wasserstelle nachgelassen. In knapp 1:35 Stunden rannten wir nach draußen, nur um wieder im wechselhaften Wetter zu stehen. Wenigstens kamen wir trocken zum Auto.

Daheim dauerte es über 3 Stunden Ausrüstung und Mensch zu reinigen.