Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Bericht über einen Familienurlaub im August 2009 in Südfrankreich (Gorges du Tarn – Lozere)

Zu Jahresbeginn diskutierten wir im Familienkreis, welches Urlaubsziel in den Sommerferien bereist werden sollte. Die Wahl fiel auf die Gorges du Tarn im Department Lozere in Südfrankreich. Freilich geschah dies nicht ganz ohne Hintergedanken, da doch die südfranzösischen Karstgebiete nur so von Höhlen wimmeln. Zunächst hieß es aber noch Informationen einholen, um eine Familien verträgliche Auswahl zu treffen. Nichts leichter als das, so dachte ich jedenfalls.

Im Internet waren einige Infos zu Höhlen zu finden die nahe unserem dortigen Campingplatz liegen. Am Info-Abend in unserem Vereinsheim warnten mich Greenhorn dann aber schon einige erfahrenere Höfos vor den vermeintlich guten Ortsangaben der Franzosen. Dummerweise hatte ich es auch versäumt, noch Literatur aus unserer Bibliothek zu beschaffen. Ein Freund meinte aber, dass man sich die Infos auch vor Ort besorgen könne, da die Befahrung von Höhlen in Frankreich Volkssport sei.

Guter Dinge sind wir also die knapp 1100 km vollbeladen mit allerlei Material in Frankreichs Süden gezuckelt. Vor Ort kam dann sogleich die Ernüchterung. Auf der Suche nach Informationen sind wir überall bei den vermeintlichen Experten abgeblitzt. Die wollten wahrscheinlich nicht, dass ein paar deutsche Greenhorns ihre Höhlen auf eigene Faust besuchen. Eine freundliche Dame bei einem Outdoor Laden gab uns dann den Tipp, dass in der örtlichen Bibliothek eventuell Speleo-Literatur zu finden sei. Nur Pech, dass diese Bücherei noch bis Ende August geschlossen war.

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Da blieb uns erst einmal nichts anders übrig, als mit unseren spärlichen Internet-Informationen zurecht zu kommen. Auf der Seite von Franz Lindenmayr hatten wir zumindest erfahren, dass die Grotte de la Clujade ein lohnendes Ziel wäre. Der Eingang der Höhle ist in der französischen Karte lagerichtig eingezeichnet und so hatten wir dann auch kein Problem diesen zu finden. Von unserem Campingplatz aus waren es 11 km mit dem Fahrrad, was für uns eine Premiere darstellte. So einen Luxus hätten wir zuhause auch gerne, einfach mit dem Radl zur Höhle zu fahren. Voller Tatendrang zogen wir also los und nahmen vorsichtshalber unser Schachtzeug und ein paar Seilstücke mit.

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Am Höhleneingang erwartete uns dann eine böse Überraschung. Ganze Horden machten sich gerade bereit, in die Höhle einzusteigen. Um nicht nur anderen hinterher zu kriechen warteten wir geduldig, bis alle in der Höhle verschwunden waren, und noch ein wenig, um genügend Abstand zu haben. Dann waren endlich wir dran. Der enge Einstieg erweiterte sich bald zu einem Wasser gefüllten Gang, dem tiefsten Punkt der Höhle. Weiter ging es sehr abwechslungsreich zunächst durch einen trockenen Gang, wo uns eine der vorherigen Gruppen schon wieder entgegen kam. Anscheinen dringen die geführten Touren doch nicht so tief ein. Der Gang wandelte sich bald in einen Wasser gefüllten Canyon, der spreizend und teils hangelnd verfolgt wurde. Durch einen engen Schluf kamen wir in ein Gangsystem, welches wir wegen der glatten Wände und dem runden Profil Metro tauften, da wir an einen U-Bahnschacht erinnert wurden. Wir wateten durch einen See, dessen Tiefe wir nur erahnen konnten, da die vorherige Gruppe Schlamm aufgewirbelt hatte. Durch ein teils verstürztes Gangsystem erreichten wir eine riesige Halle, die unsere Lampen gar nicht auszuleuchten vermochten. Leider war aber kaum Sinterschmuck vorhanden.

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Am obersten Ende der Halle führte ein enger Schluf wieder in die Tiefe zurück zum aktiven Teil der Höhle. An einem nicht ausspreizbaren See mit gut 10m Länge zögerten wir erst einmal, da hier scheinbar Schwimmen angesagt war. Diesem See folgte gleich ein weiterer noch längerer See, den wir Anfänger uns dann nicht mehr zutrauten, da es so aussah, wie wenn man hier ein längeres Stück schwimmen müsste. Ganz nah hörten wir das Donnern eines Wasserfalls, den wir natürlich noch gerne gesehen hätten. Patsch nass und schon ein wenig frierend zogen wir den Rückzug an. Später als wir in der Ortsbücherei dann einen Höhlenplan zu Gesicht bekamen, mussten wir erkennen, dass wir erst ca. die Hälfte der 4,5 km langen Höhle befahren hatten und es nach den beiden Seen trocken weiter gegangen wäre. Na ja, vielleicht dann das nächste Mal.

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Unsere zweite größere Tour machte uns dann bei der Eingangssuche zu schaffen. Die von einem ortsansässigen Speleo-Club veröffentlichten Eingangskoordinaten waren nicht nur ungenau, sondern regelrecht falsch, da die Höhenangabe unter der Talsohle lag. Nach einer Stunde Suchen gelang es uns dann aber doch den Eingang der Grotte de Piboulede zu entdecken. Hier waren wir Gott sei Dank ganz allein und wir stellten auch gleich fest warum. Für die ersten 10m brauchten wir gut eine halbe Stunde, da man nur durch ausdauerndes Probieren Körperteil für Körperteil durch einen engen Spalt durchzwängen konnte. Der Spalt, der alsbald in die Tiefe führte, mündete auf einem sandigen Grund, den wir robbend weiter verfolgten.

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Nach gut 20m wurden wir dann durch eine märchenhafte Halle belohnt, welche durch Tropfsteine und Sinter reich geschmückt war. Die noch unversehrten Makkaroni-Galerien zeugten davon, dass die Höhle eher selten besucht wird. Weitere Hallen folgten mit teils sehenswerten Sinterbecken. Nach 3 Stunden war für uns dann an einem Siphon mit Tauchleine Schluss. Wie Taucher ihr Equipment bis hier her schaffen bleibt für uns ein Rätsel. Zurück geht es auf demselben Weg, wobei mir Mitten in dem engen Eingangsspalt das Licht ausging. Wie ein Schlangenmensch verbiege ich mich, um die Lampe wieder anzuschmeißen.

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Die dritte Tour, von der es zu berichten lohnt, wünschte sich mein Sohn zu dessen 15. Geburtstag. Solche Geburtstagswünsche erfüllt man als Vater natürlich gern. Es sollte eine schöne Schachthöhle sein, bei der wir all unser bescheidenes Material zum Einsatz bringen wollten. In der Bücherei, die mittlerweile geöffnet hatte, fotografierten wir ein paar Höhlenpläne ab. Unsere Wahl fiel schließlich auf die Aven Barelle, einer schönen Schachthöhle, welche vom Hochplateau zugänglich war. Den Einstieg bildete eine Bilderbuch-Doline mit dem ersten Schacht P11. Reicher Sinterschmuck erwartete uns bereits hier in der obersten Ebene. Nach einem Horizontalteil mündete ein Canyon in einen P15, der aufgrund seiner symetrischen Form wie ein künstlicher Silo anmutete. Vom Schachtboden ging es in reichlich geschmückten Hallen weiter bis zum tiefsten Schacht einem P33. Vom Schachtboden verfolgten wir dann noch ein Stück den weiterführenden Gang, der aber bald in einem unlohnenden Schluf endete. Sohn Max konnte gleich sein Geburttagsgeschenk testen, eine Jümar-Steigklemme. Bei diesen Schächten ist es dann immer das Gleiche. Runter macht es richtig Spaß, aber rauf ist es dann eine Plackerei.

Die restliche Urlaubszeit verbrachten wir dann noch mit Kanufahren und Klettern, wobei wir keine Gelegenheit ausließen, in jedes entdeckte Loch hineinzukriechen.