Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Die für mich traditionelle Ostertour in das geliebte gîte mitten im Franche-Comté...

Tag 0 - Anreisetag
Kaffeetrinken in Zürich lohnt sich, wenn auf dem Autobahnring die Vollidioten die Macht an sich reißen. Einen wirklich netten Sitzplatz auf dem Stüssihof habe ich mir ausgesucht. Auf dem Rest der Strecke herrscht so weitgehend Ruhe, man kommt natürlich erst mitten in der Nacht an. Wenn man dann noch einen Teil seiner Uhren noch auf ungelogener Zeit laufen hat (sprich Winterzeit), ergeben sich schonmal bis tief in die Nacht reichende Begrüßungsschwätzchen.

Tag 1

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Ziel Grotte und Gouffre de Vau, vorher kurz Sightseeing an der Source du Lison. Der Verneaupegel ist ordentlich, belegt die mittlere Hochwassersituation und kündigt an, daß der Abstecher zur Sarrazine lohnt. Paßt, aus dem sonst trockenen Fußes begehbaren Portal fließt ein fröhlicher Bach, die Höhe der Eingangsellipse ist gut zur Hälfte voll. Seltener schüttet sie wohl weit mehr, mit Rückstau und Wandlung des knapp mannshohen Portals in einen Siphon - die Überlebenschancen sind in den Kriechgängen, also bereits 50m hinter dem Portal, so oder so gering. Creux Billard zeigt auch mittleres Hochwasser, sprich, aus der in der Südwand gelegenen Grotte Nord ergießt sich ein kleiner Wasserfall, aber der große vom Plateau zeigte sich noch lange nicht. Besuche des Verneau-Collecteurs oder gar der Chaillet braucht man jedenfalls nicht zu versuchen, damit dämpft sich mein Tatendrang, den ich wieder auf das Fotografieren ausgerichtet hatte, doch ein wenig.

Grotte de Vau und Gouffre de Vau liegen nahe beinander an einem der Plateauränder, die auf Nans sous Sainte Anne herunterschauen. Kannte bisher nur die Lage. Gouffre heißt Schacht, die Grotte kriecht man. Wir erledigen das Paar in zwei Gruppen mit fliegendem Wechsel. Ich baue ersteren ein und lerne wieder etwas - wenn man knapp baut (keiner war sicher, daß ein 50er wirklich mit allem drum und dran reicht) können sich Probleme aus dem Spardrang auch mal 15m über einem ergeben. Jungs, selber schuld, wenn Ihr Euren Simple beim Einsteigen doppelt belegen wollt, statt dynamisch zu starten... Weil wir einen unausgebildeten Gast in Gruppe 2 haben, baut Renato auf dem Rückweg die Umsteigstelle nochmal um - muito obrigado.

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Auf dem Schachtgrund bin ich Letzter der ersten Gruppe und entdecke noch einen hüschen schwarzgelben Salamander - wer kennt noch diese Werbung einer Schuhfirma mit dem Lurchi? Ich überlege eine Weile und beschließe dann, daß es ihm draußen schon besser ergehen müßte. Ich biete ihm meine Hand an auf die er prompt draufkriecht, er bekommt das Blitzfach in der Pelibox als Fahrstuhlzelle angeboten. Weil die Peli ja luftdicht ist mache ich auf dem Weg nach oben Intervalltraining und mache die Box alle paar Meter kurz auf...

Tag 2

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Eine Gruppe geht in den Vauvougier. Ja, die Gipsblumen sind große Klasse, aber ich habe sie schon einmal gesehen, und davon gescheite Fotos zu machen würde sich zwar lohnen, aber mir ist das Verhältnis Sportliche Strecke + Gewicht der 5 Blitze + meine Kondition + Kondition der Anderen nicht angenehm. Also schnappen Dagmar und ich uns Gast Uli und zeigen ihm den Gouffre des Ordons. Vorher fahre ich mit Marvin kurz in zwei aktuelle Forschungsobjekte der Gegend ein, nur mal kurz im Jurasson gucken wie weit die Wummserei gediehen ist und in der Bécherie einen ersten Eindruck gewinnen. Ersterer könnte aufgegeben worden sein - kein Durchbruch, es sieht kompakter aus als letztes Jahr. Sicher, mit Aufwand der Größenordnung Hessenhau käme man sicher in interessante Teile, aber das haben die Kollegen vorerst nicht nötig, denke ich.

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Ordons war lange Zeit nur unter der Hand als Gouffre X zu hören, ist aber inzwischen zum Ziel bezahlter Führungen degeneriert. Immerhin stinkt's diesmal unten nicht gleich nach Pisse. Dafür nimmt die Trassierbandmenge ab, und an Stellen, wo vorher noch ein klarer schmaler Pfad markiert war, tummeln wir uns nun über die volle Gangbreite, und man sieht's auch sofort. Bei meinem ersten Besuch hätte ich noch stundenlang allein den Fußboden angucken können - vorbei. Da ich mit dem Fotografieren ernst machen will, verschwinden Dagmar und Uli lange vor mir, das war so abgemacht, trotzdem helfen sie noch bei einer Reihe Bilder mit - Danke! (Blitzsklaven aus Fleisch, auch wenn ihnen die Aufgabe des Auslösens von den Fireflies abgenommen wurde, erlauben ja doch schonmal mehr Möglichkeiten als meine Alleingangmethoden).

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Irgendwann geht mir auf, daß ich, je länger ich hierbleibe, doch wieder Neues und damit eine Schönheit entdecke, die ich vorher unter meiner Enttäuschung über die Zerstörungen vergraben hatte. Irgendwie war mir auch nie klar, wie groß dieser Gang doch ist - das sieht man mit einer Scurion doch plötzlich, wo mit meiner alten 30x5mm-Nichia-Lampe doch Schwärze war. Der Deckenbereich ist hochinteressant. Bis auf den Einstiegsspalt ist nicht ein Schlot zu sehen, aber dafür riesige völlig gerade Platten in Reinweiß mit satt oranger Musterung... Jedenfalls bestimmte diesmal nicht die Technik das Ende der Fotosession.

 

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Beim Ausstieg merkte ich dann, daß der Eingangsspalt, obwohl es draußen überhaupt nicht danach aussieht, ein kleines Einzugsgebiet besitzt. Das war natürlich nichts gegen die Wasserfälle, gegen die die Freunde im Vauvougier anzukämpfen hatten, aber das ist eine andere Geschichte.

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Tag 3
Ich bin faul und bleibe im gîte, lese den neuen Fforde fast durch. Gruppe 1 wandert im Loue-Tal. Ja, die VM in der Faux Monnayeurs macht bei dem Wetter zu, und nein, es reicht noch lange nicht für einen Bach vorne raus, und die Vertouristisierung der Source de la Loue ist auch wieder weiter fortgeschritten. Gruppe 2 geht in die Bief Bousset bis zur Salle de Decantation - Hauptinhalt der Erzählungen waren die Kilometer an Seil, die acht Franzosen dort gesponnen hatten. Die BB, die es im Januar 2008 groß in die Zeitungen gebracht hatte, interessiert mich zwar sehr, aber erst ab dem Ex-S1, so fand ich das auch im Nachhinein ganz OK, den Faulen gemacht zu haben.

Tag 4 - Abreisetag
Plan: Vieille Folle. Kurz vor Abfahrt springen die Freunde alle um und wollen plötzlich stattdessen in die Petit Siblot. Letztere ist zwar Klasse, wäre für mich aber zwangsweise mit X Stunden Fotografie verbunden. Und es liegt gen Norden aber meine Heimstrecke fängt gen Süden an. Und VF bei Hochwasser kann echt umwerfend sein. Ich beschließe, in der VF kurz ein paar Fotos allein zu machen, und bekomme bereits auf der Straße Bedenken - für Motiv 3 fehlen die Blitzsklaven weil es keine Blitzablagen gibt, für Motiv 2 fehlen sie weil sie mit ins Bild müssen, und bei Motiv 1 kommen mit Zweifel, ob das Stativ in der Strömung nicht sofort umkippt. Also schlechtes Preis/Leistungsverhältnis - la prochaine fois.

Fazit
Mei war ich faul - das waren ja keine 500m Höhle!