Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Befahrungsbericht der "Gruppe WINDLÖCHER" vom 23.01.2011

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Im Bett wär`s noch sooo schön warm. Und wo bin ich? An der Nordseite des Untersbergs, im Schatten. Und ich friere, aber ordentlich! Selber schuld....

Um halb neun hatten wir uns in Piding an der Autobahn getroffen, nach der Anfahrt vorbei am Latschenwirt parken wir jetzt an der Straße Richtung Fürstenbrunn/Grödig. Die "Gruppe Windlöcher" besteht aus Stefan, Michael, Zsolt und mir, und während die "Gruppe Taugl" in Windeseile den schattigen Ort verläßt, machen wir uns fertig zum Aufstieg. Die Rucksäcke sind schwer und auf uns warten etwa 700 Höhenmeter Aufstieg.

Berti war zwei Tage zuvor mit einem Mitglied des Salzburger Höhlenvereins hier oben auf Erkundungstour, er hat sicherheitshalber mit GPS den Weg markiert, doch bei dem schönen Wetter brauchen wir nur ihren Spuren im Pulverschnee folgen, haben also leichtes Spiel.

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Über die Nordflanke des Untersbergs geht es über die riesige, kahle Fläche, die der Sturm "Cyril" vor Jahren hier hinterlassen hat, hinauf in Richtung Klinger Alm. Nach gut zwei Stunden erreichen wir in etwa 1300m Höhe den markanten Höhleneingang. Sobald man sich nicht mehr bewegt, den Rucksack abgesetzt hat, wird es rasch kalt, auch die hervorragende Aussicht hinaus ins Flachland ändert daran nichts. Ausziehen, rein in den Schlaz, Gurt und Schlosserei anlegen.... bevor ich meine Bergschuhe wieder zubinden kann, brauchen meine klammen Hände eine kurze Pause in den doppelten Faserpelzhandschuhen.

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Nachdem die beiden alten Felshaken am Rand des Einstiegstrichters nicht sehr vertrauenserweckend aussehen, bohren wir mit einer Akku-Bohrmaschine einen neuen Anker ein. Durch tiefen Schnee geht es steil in den Einstiegstrichter hinab, dann wird es eisig, an zwei verkeilten Baumstämmen vorbei. Es wird eng, ab 20 Meter Tiefe ist alles von einem dicken Panzer aus Blankeis überzogen, etwa 70 Grad steil und leicht gewunden geht es weiter hinab. Mein 30m-Seil ist fast aus, das Eis wird flacher, es geht in eine Halle hinein. Etwa 10 Meter Eis trennen mich noch vom flachen Felsgelände. Im Sommer könnte man bis hierher alles gut abklettern, jetzt ist das unmöglich und kurz entschlossen bohre ich links in einer Felsnische ein Loch für einen zweiten Anker. Während die anderen nachkommen, hänge mein zweites 30m-Seil ein und rusche in die Halle hinab.

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Im oberen Flachteil ist es recht geräumig. Ein zerfetzter, schwarzer Schlaz liegt am Boden, einige aufgenähte Reflektorbänder leuchten uns schon bein Abstieg entgegen. Sieht so aus, als hätte ihn nach der Höhlentour jemand in den Einstiegstrichter hinabgeworfen. Auch eine Art, kaputte Ausrüstung zu entsorgen.... Wir beschließen, ihn später mitzunehmen.

Faszinierend sind hier die verschiedenen Eisgebilde, die im Eingangsbereich zu sehen sind. Lange herrliche Eiszapfen, gerade, aber auch exzentrisch gewachsen, schillernde Eisflächen am Boden, aus denen absonderliche Gebilde hochwachsen.... auf 5 Metern Breite kippt der glatte Eisboden in einer eleganten Rundung schräg in einen tiefer gelegenen Teil der Halle ab. Am Seil gleite ich hinunter, großräumig ist es hier, und es sind Fortsetzungen zu sehen. Der enge Einstieg zum Weiterweg in die Tiefe dieser kilometerlangen Höhle ist mit einem kleinen Steinmann markiert, auch er komplett mit Eis überpanzert.

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Nachdem auch die anderen nicht darauf drängen, sofort möglichst schnell und weit in die Höhle hineinzukommen, konzentriere ich mich aufs Fotografieren. Wir orientieren uns kurz auf einer Kopie des Höhlenplanes, erkunden etliche blinde Abzweigungen, auch hier wieder sehenswerte Eisgebilde. Wir machen Brotzeit, dann wird weiter fotografiert, für Stefan und Michael ist das offenbar die erste Höhle in dieser Art, voller Begeisterung bestaunen sie die Eisgebilde, helfen beim Beleuchten der kalten Pracht. Ja, es macht Spaß, aufgeschlossenen jungen Leuten etwas Neues zeigen zu können, sie werden sicher wieder mitgehen.

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Zsolt und ich planen kurz den weiteren Ablauf der Höhlentour. Um 19:00 Uhr wollen wir uns mit der "Gruppe Taugl" wieder am Parkplatz treffen, bei 700 Höhenmetern Zustieg ist, je nach Tempo, das Zeitfenster, das uns für die Höhle an sich bleibt, ohnehin nicht sehr groß, es bleiben vier, maximal fünf Stunden. Schön, wenn man sich einig ist, man sich selbst keinerlei Zwang auferlegt und die Sache locker angeht. Ein beruhigendes Gefühl auch, jemanden dabei zu haben, bei dem man genau spürt, daß er Erfahrung und Reserven umsetzen wird, wenns richtig zur Sache geht.

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Die Höhle ist riesig, über den Eingangsbereich kommen wir ohnehin nicht hinaus, und so klettern wir in enge Spalten, freuen uns über die für uns neuen Entdeckungen, dann kriechen wir noch ein kurzes Stück in den Hauptgang hinein. Einer Engstelle, die verwindungstechnisch fordernd ist, folgt eine niedrige kleine Halle, auch hier ein Vorhang aus Eiszapfen von der Decke bis zum Boden. In einem Seitengang vermodert das pelzige Skelett einer Fledermaus.

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Ein Seilende liegt am Boden, von Steinen beschwert. Das Seil verschwindet in einem Loch am Ende der Halle, etwas darüber ein Fenster in der Felswand, man sieht darin wieder das Seil, das in einem aufwärts führenden Schacht weitergeht. Streckt man den Kopf in dieses Fenster, spürt man einen überraschend starken Luftzug...... hier geht es weiter, kilometerweit.

Um 16:00 Uhr beginnen wir mit dem Aufstieg, Zsolt voraus, dann Stefan und Michael, als Schlußmann baue ich die Seile aus, die Laschen lasse ich am Fels, denn ich freue mich auch immer, wenn ich nur Karabiner und Seil einhängen muß. So teuer ist das Zeug nun wirklich nicht. Der Aufstieg, einer nach dem anderen, geht recht flott. Ich teste meine Grödel, die ich als Teil meiner Zusatzausüstung immer tief in meinem Schleifsack mitschleppe, aber bei diesem steilen Blankeis bringen sie nicht viel, Steigeisen wären schon besser. In der Einseiltechnik geht es aber auch ohne.

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Am Höhlenausgang dann ein schönes Panorama, die tiefstehende Nachmittagssonne beleuchtet die nächsten Gipfel, bei guter Stimmung wird die restliche Brotzeit umverteilt. Per Handy klappt auch die Verbindungsaufnahme mit Roland und Berti von der Tauglgruppe, zügig steigen wir ab um den Parkplatz zu erreichen, noch bevor es völlig dunkel wird, und pünktlich um 19:00 Uhr treffen wir gleichzeitig mit den anderen dort ein.

Das gemeinsame Abendessen beim Steinerwirt in Hinterreit rundet diesen schönen Tag ab.

An dieser Stelle noch ein Dank an Berti, der die Organisation dieses Großunternehmens auf sich genommen hat. Mit der Teilnehmerzahl wächst der dafür nötige Aufwand im Quadrat, und wer das nicht glaubt, sollte es mal selbst versuchen. Ganz sicher hatten alle, die mit dabei waren, einen erlebnisreichen Tag mit vielen positiven Eindrücken, und wir waren uns einig:

Das war bestimmt nicht unsere letzte gemeinsame Tour!