Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Gemeinsame Übung mit der Bergwacht Bayern und dem HRVD 

Eingeladen und ausgerichtet von der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen e.V. fand heuer die nationale Rettungsübung des HRVD in Breitscheid-Erdbach statt. 

Weil es eine Übung war, wurde der Starttermin vorab angekündigt. Samstag sollte es um 9 Uhr losgehen. Werner, Johanna, ich, sowie Markus, Zsolt, Berti, Elisabeth, Matthias und Daniel fuhren schon am Vorabend von München mit zwei Fahrzeugen los und übernachteten in Erdbach. Es waren für die ankommenden Retter vier große Zelte aufgebaut, gemeinsam belegten wir eines. Bevor wir in die Schlafsäcke krochen, gab es noch reichlich zu Essen und Austausch über die verschiedensten Höhlenthemen.

Auch konnten wir einen Blick auf die ausgehängten Pläne der zur Übung ausgesuchten 


Das höhlenhaltige Kalksteingebiet bei Breitscheid-Erdbach ist mit 2 km² räumlich äußerst eng umrissen. Kaum 1 km breit und in etwa doppelt so lang, nimmt Breitscheid den westlichen Teil ein, während nördlich ein Steinbruch dominiert. Dennoch enthält dieses kleine Gebiet neben der Schwinde C, die zugehörige Erdbachhöhle, das bekannte Herbstlabyrinth-Adventshöhlesystem, sowie mehrere kleinere Höhlen. Bäche versickern nordöstlich am Begin der Kalksteinzone und treten südöstlich wieder zu Tage. Nachgelesen werden kann dies hier: http://www.argekh.net/index.php?id=1785. Es gibt dort auch eine Übersicht über den Breitscheider Karstkomplex.

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Der Eingang zur Schwinde C, einer der Versickerungsstellen des Erdbaches, befindet sich direkt im Ort Breitscheid, in unmittelbarer Nähe der Erdbachhöhle. Der Erdbach stürzt hier fast 100 Meter in die Tiefe und tritt mit nur etwa 10 Meter Höhendifferenz ca. 1,2 Km weiter an der Erdbachquelle wieder zu Tage. Die Höhle ist insgesamt 99m tief. 2 x 30m Schächte hintereinander führen in die Zentralhalle, von der aus mehrere Gänge in verschiedene Teile führen. Auch die Erdbachhöhle ist über einen Siphon angebunden. Fast die gesamte höhlenbildende Kalksteinzone ist durch den nahen Tagebau bedroht.

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Die Übung in Zusammenarbeit mit der über Tage eingesetzten Feuerwehr verlief erfolgreich. Ich war kaum in der Schwinde und kann daher auch nicht als Augenzeuge berichten. Nur soviel; es bewegten sich bis zu 39 Höhlenretter gleichzeitig und koordiniert in der Schwinde. Vier Patienten wurden geborgen. Mehr findet sich in nachstehenden Veröffentlichungen zur Übung:

http://www.mittelhessen.de/lokales/region_dillenburg/breitscheid/574798_Wenn_auch_die_Feuerwehr_nicht_mehr_weiter_weiss....html

Mit vielen Bildern der Bericht von Ingo: http://www.caverescue.de/17.html

Und der ofizielle Bericht hier: http://höhlenrettungsverbund.de/archiv/news-20110910-Breitscheid.html

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Verbesserungen und Erkenntnisse wurden in der Nachbesprechung angesprochen. Unser Punkt: Bei der langen Anfahrt von fünf Stunden wären wir gern zum Einsatz gekommen, konnte jedoch nur bedingt agieren. Bedingt durch den zuerst aufgefunden Patienten der sogleich abtransportiert wurde, gab es eingangsnah einen Stau, so dass die Höhlenrettung der Bergwacht München - in Gemeinschaft mit dem VHM - nicht an den zugedachten Einsatzort in der Schwinde vordringen konnte. Unsere Aufgabe wurde daher von einer anderen Gruppe übernommen, welche bereits tiefer in der Höhle unterwegs war. Eigentlich gutes Teamwork, das nächste Mal aber wollen wir uns mehr einbringen.

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Zum Abschluss besuchten wir am Sonntag das Neuland im Herbstlabyrinth, in dem vor einem Jahr eine große Rettungsaktion stattfand. Das Herbstlabyrinth gehört zu den schönsten Höhlen in Deutschland. Wir sind durch traumhaft schöne Sinter- und Tropfsteinpassagen auch mit Excentriques gewandelt. Die Tropfsteine sind rein weiß von der Farbe, oft ganz durchsichtig! Der Schauhöhlenteil wird wie die Wendelsteinhöhle mit LED Lampen beleuchtet und ist allein schon sehr sehenswert. Wer also in die Gegend kommt, sollte sich die Schauhöhle unbedingt anschauen.

Ein Vortrag im VHM ist für diesen Winter geplant. Wir freuen uns bereits jetzt auf schöne Bilder, wie sie bei uns im alpinen Raum in Deutschland leider nicht zu sehen sind.