Verein für Höhlenkunde in München e.V.

In der Nähe von der Schäferhütte im Steinernen Meer

Text + Fotos: Toni Müller

Die 'Jungen Wilden' des Münchner Höhlenvereins waren seinerZEIT durchaus auch jung und wild - z.B. auf konkretes, selbst erarbeitetes NEULAND - etwa im Steinernen Meer. Ich war damals einer von ihnen und gerade mal ca. 23 Jahre alt, als ich zusammen mit Klaus Cr. erstmals im Sommer 1968 bei Sauwetter unterwegs zur Wasseralm war.

Um einiges jünger waren etwa Ulli Fr. / Robert S. / Georg K. / Klaus S. / die Brüder Werner und Herbert Le. / Joachim St. usw. Die Jüngsten waren gerade erst mal knapp über 17 Jahre alt, als wir eifrig mit Jümars (Steigklemmen) und Petzl (Abseiler) im Gleissental oder bei der Eisenbahnbrücke über der Isar zu 'üben' begannen. Etwa, freihängend das Umsteigen beim Endknoten vom Abseilen zum Aufstieg zu wechseln.... In den folgenden zwei Jahren wurden so einige Seile etwa in der Pfingst- / Adventshöhle (u.a.) so leidlich verschlissen - und das bis zum Kernmaterial!! Bei der damaligen Seildehnung von gut 6 bis 7% Dehnung auch kein Wunder. Entsprechend blutig 'geraspelt' sahen dann auch oft unsere Fingerknöchel aus. Das sich durchsetzende 'Spit-Bohrzeug' war dann buchstäblich für uns alle ein großer Fortschritt, den wir sehr begrüßten. Trotzdem: Einige von unseren älteren VHM-Mitgliedern waren durchaus noch mit den arg 'umständlichen' Strickleitern in den Schachstufen unterwegs. WIR auch!! (...noch!)

Dies vorweg!

Mit Georg Ke. war ich schließlich 1969 erstmals auch einmal ganz obenauf im Hochplateau gewesen. Und zwar im südlichen Bereich vor dem Rotwandl. Dieser Abschnitt war uns auf den Luftbildern im Landesamt für Wasserversorgung in München aufgefallen - wo seinerzeit Klaus Cr. arbeitete. Viele Stunden hatten wir vor einem Stereo-Gerät des Institutes verbracht um 'Auffälliges' direkt in die Karte zu übertragen. Unsere ungeduldigen Erwartungen wurden bei dieser Tour bei weitem übertroffen. Wir fanden einen sehr gut erhaltenen Braunbärenschädel - und gut 18 bislang unerforschte Höhlen mit dazu. Das allgemeine Interesse am Steinernen Meer im VHM war entschieden losgetreten....

Der Ulli Fr. mit Freundin 'Antonia' (Tonerl) war 1970 oben beim Schäferhütterl, dem Bloßen Hund, sowie im >Unsünnigen Winkl< viele Tage lang auf Erkundung unterwegs gewesen. So kam es, daß hier oben im Steinernen Meer sogar Namen wie "Tonerl-Höhle" und/oder "Tonihöhle" auftauchten - was 'real' tatsächlich nichts mit meiner Person zu tun hatte! Zu der ZEIT war ich nämlich während diesem Sommer, mit polnischen und Salzburger Höhlenforschern, gut 3 Wochen in den tiefen Schächten des >Gruberhorns< unterwegs gewesen. Übrigens sehr lehrreich! Dies bedeutete zugleich auch, daß sich damit die mißtrauisch beäugte Einseil-TECHNIK endgültig im VHM etabliert hatte.

Jedenfalls Ullis Vorerkundungen im Ostteil des Plateaus waren ebenfalls höchst erfolgreich und äußerst vielversprechend gewesen.

Noch in der gleichen Saison, allerdings etwas spät (!) im Jahr, wurde vom Mi. 23.9. bis 3.10.70 unsere erste Forschungswoche im Gebiet des Steinernen Meeres gestartet. Aufstieg und Treff mit den Senioren - zu deren Einweisung am Rotwandl. Anschließend: Marsch der Jungen bis zur Schäferhütte im Ostteil, wo wir eine Woche bleiben wollten.

Anmarsch bei unsäglicher Hitze mit ungeheuer schweren Rucksäcken.

Anschließend blieb uns das schöne Wetter nur noch einen einzigen Tag lang erhalten. Ihn nützten wir in den Kalkterrassen am 'Bloßen Hund'. Wir waren gut drauf! Jedoch: Sattes Schneetreiben ab dem kommenden Tag schloß nahtlos an. Dieses Wetter blieb uns in der Folge erhalten....

Mühsam klapperten wir Ullis vorerkundete Objekte der Reihe nach ab (Robert Sp. hatte das beste Los gezogen!). Die Schneelast auf unserer Küchenplane und zugleich Schlafplatz von 3 Personen (3 hatten in der gesäuberten Hütte Platz gefunden!) - erforderte es schließlich, daß immer eine 'Schneewache' im Lager bleiben mußte, um von Innen gelegentlich den Schnee abzuklopfen. Wir zogen das Los per Zündhölzer. Kurz - hieß Lagerdienst plus Teeküche. Und: Wir wollten keinesfalls dem Schnee und dickem Nebel weichen! In zwei Kleingruppen wurde das nähere Umfeld untersucht. Solange, bis es 'stockfinster' geworden war. Da ich gerade das kurze Hölzchen gezogen hatte, war ich am 01.10.70 im Lagerdienst eingeteilt. Das Licht meiner voll aufgedrehten Karbidlampe wurde vom Sauwetter vollständig aufgeschluckt. Also gingen wir zum akustischen Leitsystem mittels Rufe über. Na ja: Die erste Gruppe durchquerte die Tiefe des "Grübl" - und stemmte sich am Ende in der Scheißrinne des Donnerbalken nach oben. Und die zweite Gruppe war dem Lärm und den 'Spuren' im tiefen Schnee gefolgt und kletterte ebenfalls in dieser Steilkluft hoch.... An diesem Abend war uns der Rum ausgegangen! Der bis in unergründliche Tiefen 'angeforschte' >Schäferschacht< im Abschnitt vor der Mauerscharte wurde seitdem nie mehr wiedergefunden....!!

So blieb es dann auch, trotz mehrmaliger, intensiver Suche! Solange, bis ich mich endlich am Mo. 27.06.2016 von der Mauerscharte kommend, aufmachte, um zur Schäferhütte zu gehen. Im Alleingang, nach meinem Abschied von Udo an der Scharte. Wieder Sauwetter und dicker Nebel auf dem Weg zum "Grübl". Und: Ich hatte noch ein wenig ZEITreserve! Die düstere Wolkenuntergrenze war leicht angestiegen und ich kam bald auch unter die Nebelgrenze. Die Sicht passabel. Vor mir exakt jener Felsriegel, wo damals 1970 der inzwischen ominöse >Schäferschacht< angeforscht worden war.

Nun ja: Ein wenig suchen konnte ich ja mal. Also suchte ich im zick-zack absteigend, das Gelände ab. Alles nix! Plötzlich stand ich vor einem kleinen Loch. Und: Steine rumpelten ungeheuer lang nach, ehe sie weit unten mit einem dumpfen Nachhall, offenbar in einer weiträumigen Klufthalle aufschlugen ! ! K e i n ZWEIFEL ! Ich hatte mit viel Glück durch Zufall den so viele Jahre 'verschollenen' Schacht (wieder!) gefunden.

Nun steht im Tagebuch an diesem Tag: "Das hebt die Stimmung"! Aufgekratzt knipse ich ringsum einige Fotos, um das spannende Objekt jederzeit wieder zu finden. Unweit befindet sich ein großer Block, der wie ein drohendes Urtier aussieht - mit der überhängenden Schnauze zur Mauerscharte gewendet.

Jetzt fällt mir wieder ein, daß Joachim St.* öfters von einem seltsam geformten Block gesprochen hatte. (*...er lebt inzwischen längst nicht mehr!!)

Als ich zu meinen Rucksack zurückgehe, um was zum Knabbern rauszuholen, da stelle ich fest, daß dieser tatsächlich dicht neben einem Felsen steht, mit der leicht verblichenen, rot angemalten Aufschrift > S 7 < , der damaligen Hilfsnummer für >Schäferschacht< ! Na bitte! Nun ist es gewiß, daß es sich um genau diesen Schacht handelte. Zumal damals kein auch nur annähernd so tiefer Schacht gefunden worden ist. (....siehe auch: DER SCHLAZ Nr.3 / Dez. 70)

In diesem alten Heft fand ich inzwischen sogar tatsächlich eine kleine Gedächtnis-Skizze von damals. Und auch, daß dieser Schacht niemals bis zum ENDE erforscht worden ist.... Bis heute nicht!!!

Besonders spannend aus der heutigen Sicht: Das Objekt befindet sich ca. auf der Höhe von knapp unter 2000 Metern. Die tiefste Senke des "Grübl" befindet sich bei 1873m SH. Wenn wir beim >Schäferschacht< von einer angenommenen TIEFE von tatsächlich 100 Metern ausgehen - dann ist es leicht denkbar, daß speziell dieser Schacht den tiefsten Punkt der Senke 'unterschreiten' könnte. Und, er befindet sich zwischen der Mauerscharte 2182m SH und dieser abflußlosen Senke.... Noch was: Unweit, direkt in Osten, entspringt bei einer Höhe von 1130m SH im angrenzenden "Blühnbachtal" eine sehr mächtige, tosende Karstquelle in der Ostflanke des Steinernen Meeres. Es dürfte sich hierbei sicher um die Hauptentwässerung des östlichen Plateaus handeln!!! Vielleicht bildet der >Schäferschacht< sogar eine wichtige 'Schlüsselstelle' als ZUSTIEG zur Erforschung der unterirdischen Wasserwege in diesem Abschnitt des Plateaus?

Also: Spannende "A-B-M" für unsere aktiven HöFos..... ( = ArbeitsBeschäftigungsMaßnahme!)