Verein für Höhlenkunde in München e.V.

CHIEMSEE-IMPAKT

Text von: Toni Müller / Fotos: Toni + Elisabeth

 

Wir hatten vor kurzem eine Einladung zur Ausstellungseröffnung des Chiemsee Impakt e.V. am Fr. 27.03.15 in Traunstein von Dr. M. Rappenglück erhalten. Von jenem Impaktforscher, welcher vor zwei Jahren einen spannenden Vortrag über das obige Thema im VHM gehalten hatte. Das war am Mi. 27.03.2013 gewesen.

Vom VHM waren vier Personen zu diesem Termin angereist. Gisela und Christian, Elisabeth und Toni. Die Ausstellungseröffnung fand in der alten GalerieKIRCHE, Ludwigstr. 10 statt. Den Festvortrag hielt Rappenglück.

Die Chiemgauer Impaktforscher haben sich seit ca. 7 Jahren in einem regulären Verein, dem Chiemsee Impakt e.V. zusammen geschlossen. Gefördert von einer rasch wachsenden Mitgliederzahl sowie einigen Förderern und Sponsoren. Nach vielen Jahren der intensiven Vorarbeit. Aus ihrer anfänglichen Theorie eines Streu-METEORITEN oder gar dem Einschlag eines riesigen, lose verbackenen KOMETEN, ist längst der glaubhafte 'Nachweis' eines gewaltigen Einschlages in vergleichbarer Größenordnung geworden. Es fanden sich im aktiven Forschungsnachweis längst auch alle entsprechenden "IndizienBEWEISE" des katastrophalen Einschlages eines gestreuten Himmelskörpers in einem elliptischen Gebiet von ca. 60 x 30 Kilometer. Mit mindestens 80 verschieden großen Einschlagtrichtern - bislang!! Also, von der Größe des 400 Meter breiten Tüttensee bis zu flachen Löchern im Einzelmeterbereich. Selbst am Grund des Chiemsee, wo die Kompassnavigation der Segler in einem bestimmten Areal durch Magnetanomalien von der sogenannten 'Mißweisung' abgelenkt wird, fand sich in 30 m Wassertiefe der doppelte Ringwall-Krater eines zweifachen Einschlages. Dieser überschritt sogar noch die Ausmaße des Tüttensees.

Nun waren die Impaktforscher über die Jahre äußerst rege aktiv gewesen. Unzählige, physikalische Nachweise des gestreuten Einschlages wurden erbracht und von internationalen Wissenschaftlern untersucht und analysiert. Natürlich im direkten 'Vergleich' der gefundenen Phänomene zusammen mit der Matrix der Materialproben - von anderen Einschlagkratern - weltweit!! So wurde schließlich ein kleines MUSEUM über den Chiemsee-Impakt in Grabenstädt am Rathaus aufgebaut. Mit 17 hochgradig informativen Vitrinen, welche Gegenstände zur Geologie, Petrographie und Mineralogie aus dem Kraterstreufeld zeigen. (Auskunft über Öffnungszeiten: Tel. 08662 - 419680) Seit September 2010 gibt es rund um den Tüttensee herum einen mit 8 Tafeln (deutsch / englisch) erläuterten Lehrpfad. Schließlich wurde auch die obige, sehr umfassende Ausstellung zusammengestellt.

Längst hatten sich internationale Kontakte zur 'vergleichenden' Zusammenarbeit und Ergänzung von Erfahrungswerten zusammen gefunden. Bis hin zu hoch-komplizierten, physikalischen Materialforschungen und der möglichen Datierungsmethoden. Die ZEIT des Impaktes wurde von etwa 4500 bis 1000 vor Chr. eingemessen. Mit einem verheerenden Salpeter-Säureregen unmittelbar nach dem Abklingen des bis zu 4000 Grad heißen, alles vernichtenden Glutballes. Die gesamte Landschaft mitsamt allen Quellwässern verderbend.... Ein wüstenartig-verbranntes und völlig kahles Tabu-Land war für die hiesigen, 'überlebenden' Ureinwohner entstanden. Man fand alte Kulturschichten tief unter dem Auswurfmaterial (...sogar Haare, Knochen, Zähne!) und erst nach einer breiten, steril-unbewohnten Schicht, wieder den Nachweis menschlicher Anwesenheit....

Diese Befunde belegen sehr eindeutig einen StreuIMPAKT in diesem Gebiet.

Und: Es gibt noch ein riesiges, offenes Feld von anstehenden Forschungsprojekten. Insbesonders zum Beispiel die zunächst unfassbaren Schockwirkungen der AufschlagsENERGIEN mit entsprechendem STAUDRUCK bis hin zu Verdampfungen (!) auf jegliche vorhandenen Materialien, welche in der Lage waren, Gesteine wie weichen Teig zu 'verformen', begleitet von ebenso schockartigen Hitzeeinwirkungen bis hin zu Material-Verdampfungen, bei denen massives Geröll ringsum mit einer Verglasungsschicht 'überglüht' wurden. Bei allem Respekt vor der selektiven Forschung - dazu ist nun wirklich kein noch so kühler GLETSCHER in der Lage!

Dies sind hier nur einige wenige, von mir willkürlich ausgewählte Beispiele von den sehr umfassenden Indiziennachweisen - schließlich auch bis hin zu höchst exotischen Materialien, welche nach einer zeitlosen Reise im Weltall bei uns im Chiemgau 'gelandet' waren. Dazu gehört sogar ein Erstnachweis der Entdeckung eines neuen Kohlenstoff-Impaktgesteins. Es wird in einem der beiden neuen Büchlein von Prof. Dr. Kord Ernstson wie folgt erwähnt : "In einer kleinen Zeremonie wird der >CHIEMIT< dem Landkreis im Chiemgau gewidmet"....

Als aktive Höhlenforscher wollen wir nun noch einen weiteren, spannenden Aspekt anführen, welcher uns wesentlich direkter berührt. Nämlich: Seltsame SCHOCK-Schäden im vorhandenen Sinterschmuck der Chiemgauer Anrainer-Höhlen. Mit bislang schwer erklärbaren Sinterbrüchen auf einer Linie....

Natürlich haben nach einer Kontaktaufnahme mit den Impaktforschern, Chiemgauer und andere Höhlenforscher sich nun mit einem 'geschärften' Blick aufgemacht, um diese Phänomene der abgescherten Tropfsteingebilde genauer zu dokumentieren.

Einen praktischen Niederschlag dieser Beobachtungen finden wir in der Ausstellung von Traunstein bei diversen Stellwänden wieder. (...auch im Büchlein von Ernstson, Teil 2!) Hier gibt es folglich direkte Berührungspunkte beider Forschungszweige! Michael Rappenglück war sogar zusammen mit Gisela und Christian Brack oben in der >Wendelsteinhöhle< gewesen, um sich dort persönlich umzusehen.

 

Siehe zum Thema unter anderem auch:

 

DER SCHLAZ Nr. 87 / Febr. 1999 / Seite 34 (v. Toni Müller)

DER SCHLAZ Nr. 104 / Dez. 2004 / Seite 39 (v. Toni Müller)

DER SCHLAZ Nr. 106/107 / Dez. 2005 / Seite 55 (v. Toni Müller)

DER SCHLAZ Nr. 109 / Sept. 2006 / Seite 38 (v. Toni Müller)

 

Ausstellung: "Der CHIEMGAU-KOMET" v. 28. März bis 30. April 2015

Kunstraum Klosterkirche, Ludwigstr. 10

Öffnungszeit: Di. - So. 11:ooh - 19:ooh (nach Vereinbarung Tel: o861 - 2040089

Eintritt: 2,5 EURO - Kinder und Schüler frei!

 

Siehe auch: www.chiemgau-impakt.de

 

Zwei Bücher:

Von Prof. Dr. Kord Ernstson
"Der CHIEMSEE-IMPAKT" (Preis: 10.- EURO)
ein bayerisches Meteoritenkraterfeld
ISBN 978-3-00-031128-4

Von Prof. Dr. Kord Ernstson
"Der CHIEMSEE-IMPAKT" / Teil 2 (Preis: 10.- EURO)
ein bayerisches Meteoritenkraterfeld
ISBN 978-3-00-049099-6

 

www.verein.chiemgau-impakt.de

Damit kann sich jeder neugierige Höhlenforscher umfassend weiter informieren!!!

TONI