Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Gerhard Meidinger

Das klassische Hängezeug mit frei beweglich aufgehängtem Kompass und Neigungsmesser mit automatischer Arretierung wird mehr und mehr abgelöst von elektronischen Vermessungsgeräten wie dem DistoX oder dem CaveMeter.

haengezeug900

Da sie ohne Massband auskommen bieten sie deutliche Vorteile bei der Handhabung, besonders bei der Vermessung von Schächten wo sich das Massband gerne immer wieder ums Seil wickelt.

kompass400Das klassische Hängezeug hat aber auch einige Vorteile :

  • Es kommt ganz ohne Stromversorgung aus, so daß die Vermessungstour nie wegen leerer Batterien abgebrochen werden muß. 
  • Man sieht was man macht und muß sich nicht darauf verlassen, daß irgendein Mikroprozessor schon wissen wird was er tut.
  • Und es ist ausgeschlossen, daß man am Ende einer Forschungswoche feststellt, daß "irgendwie" alle Daten weg sind ;-)

Werner Zagler hat in den letzten Jahren einige der Klassiker hergestellt und am 12. Januar 2014 haben wir uns gemeinsam auf den Weg gemacht um die Kompasse zu eichen. Dazu suchten wir erst einmal einen Hügel mit guter Fernsicht und ohne Hochspannungsmasten, Leitplanken, Hopfengärten und all den anderen magnetischen Störfaktoren. Ein Unterfangen das garnicht so einfach ist.

Dann brauchten wir ein möglichst weit entferntes Objekt zum Anpeilen und entschieden uns für ein Silo in zweieinhalb Kilometer Entfernung. Um möglichst exakt die geografische Richtung ermitteln zu können in der es von unserem Punkt aus lag, setzten wir uns wieder ins Auto und landeten mitten auf dem Hof von einem leicht überraschten aber sehr freundlichen Bauer. Mit den GPS-Koordinaten wieder zurück auf unserem Hügel konnten wir jetzt die geografische Richtung zum Silo mit exakt 99,1 Grad bestimmen. (Pointing-Funktion im CaveMeter)

eichung1eichung2Das ist aber nicht der Wert auf den man den Kompass eichen darf. Sonst könnte man ihn nur in dieser einen Region verwenden. Die magnetische Deklination liegt dort wo wir die Eichung vorgenommen haben bei +2,4 Grad.

Die muß man von der geografischen Richtung subtrahieren (siehe hier) und damit mußten wir die Kompasse so einstellen, daß sie
99,1 - 2,4 = 96,7 Grad anzeigten. Der Kompass im Bild oberhalb lag also noch einen Hauch daneben als ich das Foto machte.

Und dann zeigte Werner noch seine Kochkünste, so daß wir einen gemütlichen und produktiven Tag mit leckerer Kürbissuppe und Weißbier ausklingen lassen konnten.