Verein für Höhlenkunde in München e.V.

von Verena Grüneis und Georg Ronge

60-Jahr-Feier des VHM, Teil II auf der Ackernalm
vom 19. bis 21.09.14, organisiert und eingeladen von Georg Ronge

Die Feier war trotz der anfänglich “etwas fragwürdigen“ Ankündigung auf unserer Website ein voller Erfolg. Die Teilnehmer waren VHM-Mitglieder, interessierte Nichtmitglieder und „Noch- nichtmitglieder“.

Am Freitag vormittag fuhren Georg Ronge, Harald Reiner und ich, Verena Grüneis, in Richtung Ackernalm am Hinteren Sonnwendjoch. Georg holte noch ein bestelltes „Geheimnis“ im Winklstüberl bei Fischbachau ab. Bei schönstem Wetter erreichten wir über eine Mautstraße die Ackernalm, eine bewirtschaftete Hütte mit spektakulärer Käserei.
Nachmittags rüsteten wir uns zu einer Oberflächenbegehung mit Suchtour. Wir wandern Richtung Hinteres Sonnwendjoch bis kurz vor die Frommalm, wo wir den uns bereits angekündigten kleinen Schacht finden, vermessen, zeichnen und benennen (Frommalmschacht).
Wir finden auch den von Georg gesuchten Frommalmtrichter, einer Schwinde, hinter deren Wasserfallvorhang ein Hohlraum zu erahnen ist. Der Steinwurftest lässt jedenfalls auf einen Schacht schließen. Dort müssten, um weiter zu kommen, größere Steine aus dem Weg geräumt werden, was wir dann lieber auf trockenere Zeiten verschieben.

Spät nachmittags besuchen wir die Rosenhöhle, eine von Georg und Wolfgang Schulz freigelegte Quellhöhle mit temporär mächtiger Schüttung. Das klare Wasser steht in einem befahrbaren Felsspalt, jedoch auch diesmal, wie erwartet, zu hoch, um den ins Auge gefassten Pumpversuch durchzuführen. Eine imposante Stelle!!!

Wieder auf der Hütte zurück, konnten wir weiteren Gäste begrüßen: Jens Arm, und Lukas Brodschelm, Wolfgang Schulz, Michael Kreuz, Roland Harnisch, Erika Bachmann mit Sohn Florian. Wir versammelten uns zu einer kräftigen Brotzeit in der Wirtsstube. Die angeregte Unterhaltung über alle möglichen Aspekte der Höhlenforscherei in Theorie und Praxis sowie der persönliche Austausch zogen sich bis in den späten Abend hinein.
Übernachtet wurde in Zimmern und Lagern der Hütte, die uns Georg reserviert hatte. Einige übernachteten aus Tradition in ihren Fahrzeugen.
Am Samstagmorgen fanden sich Andi Wolf und Christine, Wolfgang Scharl und Andrea Mändl, Vorsitzende der Chiemgauer Höhlenbären, Peter Hoffmann mit Tochter Julia, Rolf Schmiedl mit Frau Nasan und den zwei Kindern und Jens, Lukas sowie Berti und Kathrin ein.
Die drei jungen Männer - Florian, Jens und Lukas machten sich mit einigen Seilen zur Lehnbodenhöhle auf, um diese auf eigene Faust zu erkunden.

Andere nützen die Gelegenheit zum Wandern.

Georg hatte im Vorfeld von den Österreichischen Bundesforsten eine Fahrerlaubnis für eine Forststraße beantragt und erhalten, die in die Nähe des Hexenlochs führt. Den Schlüssel für eine Schranke vor dieser Straße hatten wir schon am Freitag bei einem mit Georg befreundeten Almbauern der Gegend verabredungsgemäß abgeholt.
Eine 6-köpfige Gruppe, bestehend aus Andi, Wolfgang Schulz, Roland, Michael, Georg und mir zwängte sich zuerst in die Neoprenanzüge und dann in Georgs Auto.
Wir erreichten das Hexenloch, einem Quellaustritt, den Georg vor ca. 10 Jahren entdeckte. Wolfgang Schulz und Georg verwandelten im Sommer 2011 den Quellaustritt in eine befahrbare kleine aktive Wasserhöhle. Mit Greifzug und von Hand wurden beachtliche Steine und Blöcke aus dem Eingang gefördert. Sie haben sogar eine kleine „Murver-bauung“ aus Edelstahl installiert, damit der Hang nicht mehr in den Eingang nach rutschen kann.
Durch einen Schluf ging es abwärts in einen kleinen Druckstollen. Nach kurzem Luftanhalten in einem kleinen Siphon befanden wir uns im wasserdurchfluteten Hauptgang der Höhle. Kleine Hallen mit Seen, Wasserrutschen und kleine Wasser-fälle wechseln sich ab. Nach etwas Kletterei im trockenen Teil der Höhle erkennen wir, dass dort eine weitere relativ leicht zu erweiternde Engstelle auf unser Engagement wartet.
Andi Wolf führte die lang schon geplante Vermessung mit tatkräftiger Unterstützung vom Rest der Truppe durch. Draußen, ca. 50m vom Eingang entfernt, zeigen uns Georg und Wolfgang eine kleine Quellhöhle. Sie vermuten, dass hier das Wasser, welches offensichtlich nahe des oben beschriebenen Siphons verschwindet, zu Tage tritt. Andi führt Leitfähigkeits- und Temperaturmessungen der Gewässer durch, um ggf. auf Zusammenhänge zu schließen.
Durch die begonnene Außenvermessung solle die beiden Objekte im Zusammenhang sichtbar gemacht werden.

Vom Neoprens entledigt, fahren wir zurück zur Ackernalm.

Nach dem Mittagessen auf der Hütte begann der Hauptteil der Geburtstagsfeier. Die gesamte Versammlung setzte sich Richtung Lehmbodenhöhle in Bewegung.

Wir führte eine achtsam zu behandelnde Reisetasche mit uns. Diese durfte auf dem halbstündigen Weg zum Eingang und auch an der mit Handseil versicherten Steilstufe im Höhleninneren nicht gekippt werden.
Wir ließen uns in der zweiten Halle nieder und bald schon tauchten 60 Teelichter, welche wir teilweise mit Lehm an den Wänden befestigten, den Raum in ein feierliches Licht.
Georg kochte mit seinem leistungsstarken Benzinkocher auf zwei Mokkamaschinen wechselweise für ca. 20 Leute Kaffe und anschließend in einem großen Topf meinen Chai. Nun wurde auch die Reisetasche geöffnet und zwei komplette Sachertorten kamen zum Vorschein. Das war ja eine leckere Überraschung!!!! Auf Einmalgeschirr wurden serviert.

Darauf folgten einige improvisierte Festreden, was zur allgemeinen Heiterkeit beitrug.
Bei Sachertorte und Kaffee und unter sechzigfachem Kerzenschimmer sang schließlich ein zwanzigstimmiger Chor das „Happy Birthday“ für unseren Verein.

Der Abend in der Hütte gestaltete sich gesellig, in bester Stimmung und sehr interessant. Es waren ja wahrhaftig Höhlenkoryphäen unter uns, die auf alle Fragen kompetente Antworten gaben.

Am Sonntagvormittag – das Wetter war wider Erwarten immer noch sonnig - verabschiedete sich ein Teil der Gäste.
Die Anderen marschierten Richtung Bärenbadalm, um einem Hinweis auf einen eigentlich bekannten Schacht nachzugehen, welcher vor einiger Zeit von der Bergwacht vom Müll befreit wurde.
Roland und ich seilten uns das erste Teilstück hinunter, fanden ihn aber noch zu verschmutzt und verzichteten auf die Befahrung des weiterführenden Schachts. (Roland und Georg wollen hier zu anderer Zeit weitermachen)
Stattdessen führten wir Jens und Lukas an einer naheliegenden Felswand in die SRT-Technik ein.

Michael, Wolfgang und Georg bekletterten höhlensuchend die südlich vorgelagerten Schrofen dieses Gebietes. Michael entdeckte dabei eine schachtartige Kluft. Nach abräumen von ca. 250 kg Blöcken konnte er die Kluft erstbefahren. Eingangsfotos und Koordinaten wurden aufgenommen. Immerhin gab’s wieder einige Meter Neuland…..

Auf der Ackernalm beginnt Georg mit dem einheimischen Leiter einer Jagdgesellschaft über die Höhlenforscherei zu „ratschen“. Dabei erfährt er von einem befahrbaren Gang, in den offensichtlich mal ein Murmeltier geflüchtet war. Der Jäger, hinter dem Murmeltier her, kommt an eine Stelle, ohne Licht, an der geworfene Steine angeblich ziemlich weit fallen. Der Jäger wird uns die Stelle bei Gelegenheit zeigen. Kontaktdaten wurden ausgetauscht. Das hintere Sonnwendjoch bleibt weiterhin spannend.
Über Forschungsergebnisse aus dieser Gegend wird Georg den Landesverein für Höhlenkunde in Tirol, bei dem er auch Mitglied ist, zeitnah berichten und Unterlagen zur Verfügung stellen.

Rückblickend ist festzustellen, dass dieses Wochenende sowohl aus Höhlenforschersicht als auch kameradschaftlich viele intensive und ausnahmslos angenehme Erfahrungen bot.
Neue Ideen sind entstanden, weitere Projekte sind angedacht. So soll ein Jubiläumsgeburtstag sein!

Georg und ich haben uns ganz besonders über das sehr positive Feedback per Mail der Teilnehmer in den darauf folgenden Tagen gefreut.

Vielen Dank an alle Gäste und Mitwirkenden!!

Verena Grüneis und Georg Ronge

 

 

 

 

 

 

Der Nachwuchs sitzt schon in den Startlöchern der Lehmbodenhöhle…..