Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Steinernes Meer 2014

Forschungswoche der Frankfurter Höhlenforscher am Hundsschädel

vom Fr. 27-06 bis zum 06-07-2014 (Bericht: Toni Müller)

beteiligt: Dieter Kraus (Frankfurt) Gerhard Binder und Martin Kuhmann (Bonn) sowie als Gast Toni Müller vom VHM (München)

Diese Forschungswoche der Frankfurter HöFos am Hundsschädel im Steinernen Meer war heuer etwas unterbesetzt. Das Wetter war so früh im Jahr höchst durchwachsen und teils arg unbeständig, teils mit Nebel, Regen und sogar mit gut 10 cm Schneefall durchsetzt. Bei höchst 'eisigen' Winden und entsprechend niedrigen Temperaturen. Dies in 2350 m SH, nahe an der Permafrostzone in den Eingangsbereichen von Höhlen....

Also: Nach unserem Aufstieg wurden gleich zu Beginn verschiedene Suchtouren zum Einlaufen im dicken Nebel unternommen. Mit eher mäßigen Ergebnissen. Am Gipfelgrat des Hundsschädel wurden die frischen Spuren eines satten Blitzeinschlages festgestellt, welcher buchstäblich einen großen Felsblock abgedeckelt und in viele kleinere Rautensplitter zerlegt hatte welche weit in der Umgebung verstreut lagen. Sehr beeindruckend. Da kommt Respekt auf.

Es folgten mehrere Tage mit Schneetreiben die weitgehend zum Aufenthalt unter die Planen des Biwaks zwangen. Es zieht uns kaum weiter raus ins Gelände.

Jedoch am Dienstag morgen kündigt ein irre schöner Sonnenaufgang die ersehnte Wetterbesserung an. Tatsächlich reicht es, um einige bekannte Objekte sogar bis zum nahen kleinen Nebenkar anzuschauen. Ein im letzten Jahr freigelegter Kluftcanyon endet rasch in (zu?) mühsamer Enge. Nahebei wird der hoffnungsvoll aussehende >Farnkrautschacht< angeschaut und vermessen. Kaum 20 m tief versackt alles im Frostschutt. Zwei Kammern und alles dicht.

Während die Jungen hier am Vermessen sind, suche ich das Gelände des Osthanges vom HU in Richtung Süden etwas genauer ab. Eine senkrecht angelegte, eiserfüllte und großräumige Schacht-Ruine >Taglichtröhre< wird erkundet. Mit Durchblick bis obenhin. Leider ohne technische Hilfe und alleine nicht zu machen. Ganz dicht daneben findet sich noch ein völlig 'unerforschter' Schacht in dem Steine schön rumpeln. Durchaus ebenfalls geräumig.... Muß unbedingt angeschaut werden!

Man trifft sich am Heimweg wieder. Weil noch Zeit ist, so wird an der Phantom-Terasse ein Tagschacht mit Klemmblock im Eingang erkundet. Auch dieses Objekt ist nach knapp 15 m gnadenlos zugestürzt. Im Gegensatz dazu, entsteht gegenüber im >Eisrohrschacht< eine schmale Bläseröffnung in der Randspalte zwischen Schnee und Fels. Erstmals wieder seit fast 20 Jahren! Damals wurde dieser schöne komplett mit Eis ausgekleidete gut 50 m tiefe Schacht bis zum Seilende vorerkundet. Seitdem hatte die Randspalte nie mehr aufgemacht. Damals mußten zwei Forscher auf einer vereisten Pfeilerbrücke wegen Seilmangel abdrehen...!

Am Folgetag ist wieder dichter Nebel mit unsicherem Wetter. Die Jungen erforschen in der Nähe den kleinen >Feierabendschacht< um hier mit dem DistoX das Vermessen zu 'üben'! Auch dieser Schacht ist nach 14 m Tiefe verstürzt.

Am Donnerstag sind drei Forscher in unserem Hauptobjekt, dem >Streikloch< mit gut 3 km Länge zugange. In einer langen Hallenfolge werden konsequent die Wandbereiche und Blockverstürze nach denkbaren Fortsetzungen abgesucht. Es klärt sich zwar einiges, aber es ist keine wirklich erwähnenswerte Entdeckung mit dabei. Außer am äußersten Ende des Ostganges, da findet sich überraschend ein mit gefährlichen Blockwerk verlegter Kluftschacht. Es gelingt, diesen von Felsgerümpel frei zu räumen. Leider reicht das vorhandene Seil nicht.... Zurück.

Dieser Seilabstieg wird am Freitag erforscht und gleich vermessen. Baldiges Ende mit Versturz. Name: "Abu Simbel"!

Zur selben Zeit bin ich wieder auf Erkundung im Gelände unterwegs. Und zwar in den steilen Flanken, südlich des Lagers, links und rechts des Hauptkammes. Abschnitt für Abschnitt, z.T. in schwieriger Kletterei. Im südwestlich liegenden Abschnitt werden viele spannende, dunkle Öffnungen registriert. Alle im Steilgelände. Nichts für den heutigen Alleingang! Einige Fotos werden gemacht.

Weiter, nach jenseits zur Ostflanke. Eine neue Höhle wird in einem schmalen Sichtbereich erkennbar. Ich klettere runter. Die schöne, kleine Höhle >Milch und Blut< wird entdeckt. Der Eingang mit doppeltem Klemmblock gestattet es, zu einer Schotterrampe zu gelangen welche in die schöne Höhle führt. Teilweise sehr eng!

Der Gang ist mit schöner, reinweißer und feuerroter Bergmilch ausgekleidet. Daher schließlich der Name! Das Ganze gut 40 m lang - muß unbedingt vermessen werden!

Am Samstag liegt wieder Feingraupel vor dem Biwak. Das Lager wird einvernehmlich einen Tag früher als geplant, abgebaut. Abstieg zum warmen Ofen bei der Wasseralm. Am Sonntag ganz runter zum Königssee. Heimfahrt.

....schön war's!

Toni Müller VHM