Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Wolfgang Schulz

Die kleine Forschungswoche an der Haidwand im Wendelsteingebiet fand vom 16. bis 21.Juli 2014 statt. Nach Auskunft der Teilnehmer war es ein schönes, harmonisches, Luxus-Forschungslager, gelegen auf einer mit Wald eingesäumten Wiese, oberhalb eines Baches, unter der Haidwand. Dank der Fahrerlaubnis und einer grundsätzlichen Biwakgenehmigung für die betreffenden Tage, die Georg Ronge von den zuständigen Behörden organisiert hatte, lies sich der Materialtransport kräfte- und zeitsparend per Auto abwickeln. Nach kurzer Suche eines Biwakplatzes entschieden wir (Georg Ronge, Verena Grüneis, Jürgen Holz und ich) uns für eine eingezäunte Weide bei der Schlossalm auf ca. 1125 m Höhe nach Absprache mit dem Senner.

Nach dem Aufbau des Lagers (Zelte aufstellen, Küchenplane spannen, Material einlagern) und einer kurzen Brotzeit, erkundeten wir die Gegend. Zunächst inspizierten wir im Wald einige nahegelegene Löcher, die ich aus früheren Jahren kannte. Eines davon wies einen starken Luftzug auf. Dieses wurde ausgegraben – aber es war kein Weiterkommen, da unschliefbar. Wir stiegen alsdann den Hang über Schrofen und sehr steile
Lawinenwiesen aufwärts, bis zum Sattel zwischen Haidwand und Hochsalwand.Unsere Wanderung führte uns über den Hochsalwand-Gipfel Richtung Rampoldplatte und schließlich steil hangabwärts weglos zurück zu unserem Lager. Nun wurde gekocht – von unseren beiden Spitzenköchen Verena und Jürgen: Reis mit Hackfleisch und Gemüse, dazu ein Bier und später einen warmen Tee – ab ins Bett.

Am nächsten Tag aufstehen um 8°° Uhr, Frühstück. Da in unserem Lager der Handyempfang nur mäßig war, sich aber weitere Teilnehmer für unsere Forschungswoche angemeldet hatten und per SMS anfragten ob und wie sie uns finden können, fuhr Georg und Verena ins Tal, um die Leute mit gutem Handyempfang anzurufen und um frisches, sauberes Trinkwasser mit zubringen, da das Wasser von der Schlossalm sehr trübe war. Sie suchten auch gleich den Bertl (einen Einheimischen, der sich sehr gut im Gebiet auskennt) auf, denn wir wollten heute zum Schweinsberg, da es dort noch Höhlen geben soll.

Als die beiden wieder zum Lager kamen, brachen wir nach einer 3/4 Stunde mit meinem geländegängigen Fahrzeug auf. Bei einer Furt trafen wir den Bertl, querten den Jenbach und fuhren eine steile Forststraße hinauf, bis der Weg immer morastiger wurde und plötzlich trotzt Allrad nichts mehr ging – meine Passagiere mussten aussteigen und schieben. Zäh ging es voran. Weiter oben kamen große Steine, die langsam überfahren werden konnten, bis uns ein abgestellter Kettenbagger mitten auf der Forststraße den Weg versperrte. Jetzt hieß es mit dem Fahrzeug wenden – bei wenig Platz, aber auch dies ließ sich schaffen.

Wir stiegen anschließend über die Aiblinger Hütte (DAV-Selbstversorgerhütte) zum Schweinsberg auf bei schönsten und sehr warmen Wetter. Am Schweinsberg angekommen, stellte sich heraus, dass die betreffenden Höhlen mir seit 10 Jahren bekannt und diese auch von Peter Hofmann bereits beschrieben waren. Aber trotzdem konnten wir in der Schweinsbergkluft deutlich Neuland ausgraben. Sowohl die Schweinsbergkluft wie auch die obere Calcitkluft wurden von uns mit Georg's Disto X2 neu vermessen. Pünktlich zu einem herrlichen Sonnenuntergang gegen 21°° Uhr waren wir zurück in unserem Lager, es wurde wieder vorzüglich gekocht.

Am Freitag (18.07.2014) fuhren wir wieder mit unsren Fahrzeugen zur Furt durch den Jenbach und mit meinem Fahrzeug durch den Bach, steil bergauf biszur Wegabzweigung 'Wendelstein', dort wurde gewendet und geparkt. Nach einem kurzen Fußmarsch auf dem Weg zum Wendelstein, gelangten wir zu einer Höhle in der „Weißen Wand“, einem engen Druckstollen. Dieser wurde heute im hinteren Teil ausgeräumt, der Abraum wurde mittels Schleifsäcken nach draußen befördert. Georg, Verena und Jürgen gruben und „baggerten“, ich zog am Seil die Schleifsäcke nach draußen und entsorgte den Aushub (Steine und Lehm) unterhalb des Höhlenportals. Nach der Grabaktion konnte ich ihr Werk besichtigen – ja die Höhle ist nun ein Stück länger. Auf meinem Rückweg aus der Höhle kam mir Georg's Disto X2 Laserstrahl entgegen und da wir in dieser engen Druckröhre nicht aneinander vorbeikamen, musste ich wohl wieder zurück; ich markierte die Vermessungspunkte mit Lehmbatzen und notierte die Messdaten. Hinten angekommen war mir ein dort liegender Brocken unangenehm im Weg und meinte, ob man den nicht beseitigen könnte.  Georg war nicht so begeistert, jedoch nach kurzer Arbeit mit dem Nageleisen, konnte ich den Brocken lockern – weitere Aktionen am nächsten Tag. Wir haben heute noch eine Verabredung im Tal, also fuhren wir mit unseren Fahrzeugen runter, kurz vor Bad Feilnbach wurde noch im Jenbach gebadet und Material gewaschen, denn unsere Schleifsäcke waren nicht mehr wiederzuerkennen. Um 19°° trafen wir uns mit unseren Lagergästen Kerstin und Holger mit ihren drei Kindern (2,4 und 6 Jahre alt) und fuhren dann gemeinsam ins Forscherlager, betankten aber noch unsere Kanister mit frischem Trinkwasser.

Die Neuankömmlinge stellten ihr großes Familienzelt auf, zwischenzeitlich wurde gekocht und wir suchten bald unsere Zelte auf. Die einen müde von der Anreise, die anderen von den Grabungsarbeiten.

Heute (Samstag 19.07.2014) früh fuhr Georg alleine ins Tal, um die Anne mit ihrem Sohn Maximilian abzuholen. Da sie aber auf der Autobahn im Verkehr steckte dauerte es fast bis mittags bis sie bei uns im Lager ankam. Zwischenzeitlich kam der Rolf per Rad oben an.
Als die Anne endlich oben war und ihr Zelt aufgebaut hatte wurde ein Gefäß in kochendem Wasser für die Probennahme von Schlamm (zur Untersuchung von Bakterien) aus der Höhle 'Potters Paradise' desinfiziert. Mit zwei Autos zur Furt, mit meinem Auto und 10 Passagieren + Gepäck, die steile Forststraße hoch bis zum Wendelsteinweg. Holger mit seinen beiden Jüngsten ging Richtung Aiblinger Hütte, alle anderen teilten sich in 2 Gruppen: Einmal (Georg, Kerstin und ihr 6-jähriger Sohn Philipp und Anne mit ihrem Sohn) in 'Potters Paradise' und die anderen (Rolf, Jürgen, Verena und ich) zum weitergraben in den „Wendelwurm“. Georg hatte seine Hilti auf die zweieinhalbfache Akkukapazität frisiert. Mit ihr zerteilen wir den von mir gelockerten Block.
Die ersten 1,5 Std. war ich für die Entsorgung des Aushubs am Höhlenportal zuständig, da ich aber den Eindruck hatte, dass das zerteilen des Brockens nicht recht voran ging, schaute ich einmal hinter und gab einige Tipps – endlich der Brocken ließ sich verkleinern. Dadurch motiviert, bearbeiteten wir den Felsen von 2 Seiten und er ließ sich nochmals verkleinern. Nun konnte er seitlich deponiert und mit Lehm eingemauert werden. Rolf ganz hinten drin liegend und ich davor, gruben wir uns durch den lehmig-steinigen Grund der Höhle und schafften etwa 1 m Neuland.
Zwischendurch wurden wir an unserer Baustelle von unserer anderen Gruppe besucht. Nach einigen Stunden kamen wir wieder ans Tageslicht und wurden draußen von einer guten Brotzeit überrascht.
Die mittlerweile total verdreckten Schlaze wurden ausgezogen und in total verdreckte Schleifsäcke gesteckt. Am nahegelegenen Bach konnten einige Ausrüstungsgegenstände gewaschen werden, die Schlaze wurden im Forschungslager am nächsten Tag in der Sonne getrocknet.
Pünktlich zum Sonnenuntergang waren wir wieder im Lager. Dort erwartete uns ein sehr neugieriger Interessent von der Bergwacht, der uns jedoch „privat“ aufgesucht hatte. Nach kurzer Zeit war dieser so begeistert von unseren Forschungsarbeiten, dass wir uns für den nächsten Tag mit ihm verabredeten. Er erzählte uns auch, dass über unser Forschungslager dort in der örtlichen Zeitung bereits berichtet wurde. – Wir waren also schon lokale Berühmtheiten ohne es zu wissen. Er kannte eine neu gebaute Forststasse, die man sehr weit rauf fahren kann.

Heute (Sonntag 20.07.2014) baute die Anne ihr Zelt wieder ab und wurde von Georg ins Tal gefahren; um 12°° Uhr waren wir mit unserem neuen Interessenten verabredet. Auf zu jener Forststraße. Dort angekommen stellte sich heraus, dass es eine sehr grob angelegte „Straße“  war, die ich mit meinem Auto und der ganzen Mannschaft rauf fahren sollte. Nach kurzer Inspektion beschloss ich zwar rauf zu fahren, aber ohne Mannschaft. Diese  musste zu Fuß gehen; die junge Familie verabschiedete sich und ging zu Fuß ins Tal. Weiter oben wurde die Straße noch ruppiger und wir stellten unser Fahrzeug ab. Es ging zu Fuß Richtung Hochsalwand weiter. Am Fuß der Gipfelwand der Hochsalwand sah man von der Schlossalm aus einige verdächtige Stellen, die heute inspiziert wurden. Wir fanden einen möglicherweise bekannten kleinen Schacht ca. 8 m tief, in den Jürgen hinunter stieg und berichtete. Die von der Schlossalm zu sehenden Stellen stellten sich jedoch als unbedeutend heraus.
Jetzt zieht aber ein Gewitter auf, im Laufschritt verlassen wir die Hochsalwand, den Steig mit Drahtseil, es fängt an zu regnen, nein es schüttet, blitzt, donnert und hagelt – bei unseren Fahrzeugen angekommen waren wir nass, als wären wir ins Wasser gesprungen. Ich fahre mit meinem Auto die wilde Forststr. wieder runter und nehme alles Gepäck mit. Am Forschungslager angekommen verabschiedet sich unser Interessent von der Bergwacht. Ich lade das gesamte Gepäck der jungen Familie in mein Auto ein und fahre ins Tal. Dort werde ich sie in Bad Feilnbach in einem Kaffee (völlig durchnässt), wie verabredet treffen und bringe sie zu ihrem Auto – Abschied.
Nachdem ich wieder im Forscherlager war und meine nassen Kleider gegen trockene getauscht hatte, wurde bereits gekocht, Georg sammelte noch Schwammerl und ich bekam gleich einen heißen Tee gereicht – guter Service. Nach einem frugalem Mahl mit Ravioli und Maultaschen, sowie Puten- und Hühnerfleisch in Rahmsoße mit frischen Schwammerln, dazu gekühltes Bier, machte sich auch Rolf mit seinem Rad bereit zur Abfahrt ins Tal – noch ein Abschied. Nun waren wir 4 (Georg, Verena, Jürgen und ich) wieder unter uns und feierten bis nach Mitternacht mit Bier und Sekt unsere äußerst gelungene, kleine Forschungswoche.

Heute Nacht legte sich mein Kuppelzelt gänzlich flach auf den Boden. Da es darunter nicht sehr angenehm zu liegen war, zog ich unter die Küchenplane. Kaum eingeschlafen stolperte der Georg über mich. Abgesehen von kleinen Störungen der zeitweilig knatternden Küchenplane im böigen Wind schlief ich gut.
Am nächsten Morgen (21.07.2014) gratulierten wir Georg zu seinem 67. Geburtstag, machten Frühstück und packten langsam zusammen, leider bei leichten Regenschauern. Als die beiden Fahrzeuge bepackt waren und das Forschungslager aufgelöst, machte ich noch einige Abschiedsfotos. Wir brachen auf ins Tal nach Bad Feilnbach, kurz aufgehalten durch einen LKW-Unfall. Der LKW war offensichtlich bei einem Ausweichmanöver von der Forststraße abgekommen und steckte mit den rechten Rädern bis zu den Achsen fest. Der LKW war mit Felsbrocken für die Jenbach-Uferbaustelle schwer beladen. Er wurde gerade von einem Kettenbagger von seiner Last befreit. Mittels Unimog und Seilwinde und anheben durch den Bagger sollte der LKW wieder frei kommen. Da wir aber vorbeifahren durften, konnten wir die Bergung nicht weiter verfolgen und kamen wohlbehalten in Bad Feilnbach bei Jürgens Auto an, umladen – Abschied!
Ggf. wollen wir noch diesen Herbst im Endsiphon von „Potters Paradise“ einen Pumpversuch mit Tauchpumpe und Stromaggregat unternehmen.

Fazit:

Zwei neue Höhlen, beide mit weiterem Potential.
Weitere zu untersuchende Objekte.
Zwei neue Höhleninteressenten.
Ein sehr aufgeschlossener Förster, der uns bei unseren nächsten Aktionen einmal besuchen möchte.
Die Stimmung war durchgehend harmonisch. Wir haben es wohl alle zusammen ganz gut „hingekriegt“ Im nächsten Jahr werden wir sicher dort oben weitermachen.

Wolfgang Schulz


Dieses Kunstwerk haben wir ganz hinten in der Höhle „gefunden“.

Michelangelo meinte einmal in etwa:
Die Marmorstatue ist schon immer in dem Marmorblock drinnen, man muss sie nur sehen und herausarbeiten….

So kann man das mit unserem Kunstwerk auch sehen.

Georg