Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Besuch der Museumsbaustelle der Grotte Chauvet

Frankreich,
Departement Ardeche,
Vallon Pont d’Arc.


Bericht von Jürgen Becker, Juni 2014



Im vergangenen Urlaub an der Ardeche, bekamen wir, meine Frau Irene und ich, durch Vermittlung von Freunden, das Angebot in kleiner Gruppe die Museumsbaustelle der Grotte Chauvet zu besichtigen. Wir sagten sofort zu, weil mich abgesehen von Höhlen auch steinzeitliche Historie sehr interessiert und ganz besonders die Chauvet, weil die Höhlenmalereien von ganz außerordentlicher Bedeutung sind.

Am 17.Mai 2014 gab es für Interessierte einen Tag der offenen Türe, damit sich die Bevölkerung über den Fortgang des teuren Projektes informieren konnte. Im Rahmen dieser Veranstaltung bekamen wir zu 4 Personen einen deutschsprachigen Führer und konnten (exklusiv) über eine halbe Stunde, zwischen 2 großen Führungen die Halle besichtigen.

Die Bautafel:

Die Entdeckung:
In Dezember 1994 fanden drei Höhlenforscher aus einer lokalen Speleogruppe an der Ardeche, ganz in der Nähe des berühmten Pont d'Arc unter einer Steilwand der trockenen ehemaligen Flußschleife im Hangschutt einen verschütteten Höhleneingang mit deutlichem Luftzug.

Die drei, J_M. Chauvet, E. Eliette-Deschamps und C. Hillaire  konnten den Zugang frei räumen und erreichten in der Folge über einen ca. 8m tiefen Abstieg eine größere Höhle. Bei der folgenden Erkundung entdeckten sie ungewöhnlich gut erhaltene Höhlenmalereien. Chauvet meldete den Fund sofort an den zuständigen Conservateur der Region. Der erkannte die Bedeutung und informierte wiederum umgehend das Kultusministerium. Der Zugang zur Höhle wurde vom Kultusministerium konsequent verschlossen. Der Fund wurde zunächst nicht weiter bekannt gemacht. Man wollte die Fehler von Altamira und Lascaux nicht wiederholen. Erst nach und nach wurden Details bekannt. Um die Umwelt in der Höhle soweit wie möglich nicht zu verändern wurden bei der Erforschung durch Experten vorsichtig Wegeanlagen eingebaut.

Die Erforschung hat inzwischen überraschende Erkenntnisse hervorgebracht und dauert an. Man hatte bis Dato angenommen, dass Steinzeitmenschen erst seit der Erstellung der Malereien von Lascaux und Altamira vor ca. 16.000 Jahren in der Lage waren plastische und realistische Bilder zu malen.

Die ersten Gemälde in der Chauvet wurden aber bereits vor 35.500 und die jüngsten von 21.500 Jahren gemalt, mit einer Genauigkeit von plus/minus 500 Jahren datiert. Danach wurde der steinzeitliche Eingang durch einen Felssturz versperrt Die Malereien sind ungewöhnlich präzise und plastisch! Sie übertreffen sogar die von Altamira und Lascaux. Die Wissenschaftler waren verblüfft, man hatte das nicht erwartet. Die Höhlenmalereien der Grotte Chauvet sind damit die Ältesten der Welt (wenn man die Handabdrücke aus der „Cueva de El Castillo“ außer Betracht läßt. Diese sollen 40.000 Jahre alt sein).

So weit man heute weiß wurde die Höhle als Kultstätte von wandernden Steinzeitjägern benutzt. Die Lage war bei mündlicher Überlieferung einfach zu beschreiben. Aus dem Rhonetal kommend, Ardeche aufwärts bis zum Pont d’Arc. Die Höhle liegt genau in der nördlichen Verlängerung der Naturbrücke am Fuße einer Steilwand in der Cirque d’Estre. Das Plateau nördlich der Ardecheschlucht war eine eiszeitliche Steppenlandschaft mit viel jagdbarem Wild. Über die senkrechten Wandfluchten konnte man größeres Wild in den Abgrund treiben. Perfekt zur Großwildjagd mit reichlicher Nahrungssicherung. Homo Sapiens Sapiens traf sich dort zur Jagd.

Die französische Administration hat den Wert des Fundes erkannt und baut momentan 3 km östlich von Vallon Pont d’Arc am Rande des Plateaus an der Straße nach St. Remeze ein großes Museum. Es ist eine große, hässliche Baustelle (Betonbunker). Wir haben sie immer missachtet. Da wird auf 3500 qm in einem riesigen Betonbunker, künstlich eine identische Höhle im Maßstab 1:1 gebaut, voll klimatisiert, Originaltemperatur!

Modell des Museums mit dem Eingang den wir benutzt haben:

Mit großem Aufwand wurde die Höhle penibel genau vermessen. Im Bunker wird die Decke entsprechend mit Stahlkonstruktionen abgehängt und die Konturen der Höhle dann an einem Gitternetz nachgeformt. Daran wird dann mit Beton die Oberfläche des Höhlenraums abgebildet und die Malereien originalgetreu übertragen. Ein gigantischer Aufwand, der aber dem historischen Werte der Höhle angemessen ist.

Das Museum soll nach 30 monatiger Bauzeit, im kommenden Frühjahr (2015) eröffnet werden. Die Kosten wurden auf 40 Mill. € veranschlagt. Natürlich kommen noch Restaurant, Hotel, Spielpark und die obligatorischen Parkplätze dazu. Das wird ein Touristenmagnet mit dem zu erwartenden Rummel werden.

Trotz allem, wir waren von dem Bauvorhaben und der Konsequenz der Durchführung beeindruckt. Nicht zuletzt war es natürlich auch hoch interessant mal hinter die Kulissen schauen zu können. Eine einmalige Gelegenheit.

Hier noch ein paar Bilder aus der Baustelle:
 

 



Es gibt viele Veröffentlichungen im Internet. Hier eine offiziell des französischen Kultusministerium in französisch , englisch und spanisch erstellt wurde.
http://www.culture.gouv.fr/fr/arcnat/chauvet/fr/index.html
Die Navigation ist ein wenig verspielt, inhaltlich aber sehr gut gemacht. Mit Höhlenplan, Bildern und Texten. Es lohnt sich da zu spielen.

In Wikipedia findet sich eine sehr gute deutschsprachige Beschreibung:
http://de.wikipedia.org/wiki/Chauvet-H%C3%B6hle

Dort wird auf die El Castillo-Höhle verwiesen deren Handabdrücke noch älter sind:
http://de.wikipedia.org/wiki/El-Castillo-H%C3%B6hle

Hier noch ein Link auf einen Bericht des SWR aus diesem Jahr.  Ein paar Passagen sind nicht ganz korrekt wiedergegeben,
trotzdem ist er lesenswert: http://www.swr.de/swr2/wissen/chauvet-kopie/-/id=661224/did=12446790/nid=661224/126fse0/index.html

Meine Informationen stammen hauptsächlich aus dem Heft „La Grotte Chauvet-Pont d’Arc“ aus der Edition „le dauphine“. Author ist Jean Clottes, der die Forschung lange Zeit begleitet hat. Gelegentliche Unterschiede in der Beschreibung sind wohl auf zeitlich unterschiedliche Informationsstände zurückzuführen, die Forschungen laufen immer noch und wie immer sind sich die Forscher nie ganz einig.

Außerdem ist dies ein Besuchsbericht und keine wissenschaftliche Abhandlung. Mag sein, daß ich mich irre oder auch unklare Aussagen weiter verwendet habe. Ich wünsche Euch auf jeden Fall eine angenehme Lektüre.

Juergen