Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Juergen Becker

im Departement Ardeche Frankreich

Das südwestliche Ardeche-Gebiet ist zu meiner 2. Heimat geworden. Im Laufe der Jahre habe ich dort eine Reihe Ausflüge gemacht und dabei auch einige Karstobjekte besucht. Höhlenmäßig bin ich immer mal wieder im „Reseau Cocaliere“ (tagnahe) unterwegs.

Für die, die das Gebiet nicht kennen, eine kleine Beschreibung:
Das Departement Ardeche liegt etwa 100-200 km südlich von Lyon und westlich der Rhone, zu Füßen der Cevennen (Teil des südöstlichen Zentralmassivs). Im südöstlichen Teil durchbricht die Ardeche in einer 35km langen und bis zu 150m tiefen Schlucht, einen breiten stark verkarsteten Kalkrücken. Im ersten Drittel der Schlucht hat die Ardeche in einer engen Flußschleife den Felsen durchstoßen und den berühmten Pont d’Arc geschaffen. Ganz in der Nähe wurde 1994 die Grotte Chauvez mit ihren über 30.000 Jahre alten hervorragend erhaltenen Höhlenmalereien entdeckt.


Das Gebiet um die Schlucht beherbergt eine ganze Reihe von hochinteressanten Höhlen. Nicht ganz so spektakulär schließt sich südwestlich ein flaches Karstgebiet an, mit wunderschönen verschlungenen Pfaden an in denen ich gerne mit dem MTB unterwegs bin. Bekannteste Höhle dort ist die Schauhöhle Cocaliere. Aber nicht nur diese Höhle ist sehenswert. Zusammen mit dem kleinen Flüßchen Claysse und anderen Karstobjekten ist das Gebiet eine äußerst interessante Region für Höhlenforscher. Bruno Klingenfuss hat in der „Höhlenpost“ der „Ostschweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung“ im April 1975  einen „Guide Speleo“ über das „Reseau Cocaliere“ mit vielen Details und Plänen veröffentlicht. Lesenswert! Wir müssten ein Exemplar in unserer Bibliothek haben.


 

Die Claysse verschwindet in einem stattlichen Höhlenportal, dem Goule de Sauvas direkt neben der Straße. Die Höhle ist auf einigen Metern recht gut begehbar und bietet Höhlenfremden einen nachhaltigen Eindruck aktiver Höhlen. Sie wird dann aber schnell für Touristen unbegehbar (tiefe glattgewaschen, wassergefüllte Kolke).

Die Schauhöhle Cocaliere steht in Verbindung mit der „Cocalhere“ und diese wiederum, nur getrennt durch einen tiefen Einsturztrichter (Schacht) mit der „Cotepartiere“. Diese kann man auf einer Länge von 325m durchqueren und kommt dem trockenen Bachlauf folgend nach 450 m auf einen von links kommenden ebenfalls trockenen Bachlauf. Folgt man diesem knapp 100 m  steht man vor dem Portal des Event de Peyrejal, einer manchmal heftig aktiven Quellhöhle, die man ca. 350 weit, bis zu einem Siphon begehen kann, vorausgesetzt man kann schwimmen.


Französische Höhlenforscher haben über einen künstlichen Eingang (Kanaldeckel) den Siphon umgangen und dahinter ein weitläufiges Höhlensystem erforscht. Der Goule de Sauvas entwässert über das Peyrejal-System. Die Befahrung ist aber Tauchern vorbehalten. Wenn wir zum trockenen Bachlauf zurückkehren und diesem weitere 300 m folgen, treffen wir in einer rechten Flußbiegung am linken Rande des Tales auf einen Trichter der sich tief aus dem Kiesschotter  auftut. Unten im Trichter steht immer etwas Wasser. Das ist die Resurgence de Peyrol, eine Höhle die man nur mit Tauchausrüstung über längere Strecken befahren kann und die nur Experten vorbehalten ist. Die Peyrol wird über ein altes Trockental das beim Goule de Sauvas nach Norden abschwenkt und in dem mehre Avens als Wasserschwinden fungieren, bei starken Regenfällen mit Wasser versorgt. Es hat schon tödliche Unfälle gegeben.

Das Gebiet eignet sich hervorragend um interessierten Mitmenschen einen spannenden Eindruck in das Höhlenthema zu vermitteln. Ich tue das hin und wieder, vorzugsweise mit Gruppen von Kindern und Jugendlichen. Bei trockenem Wetter ist das leicht sportlich, aber ungefährlich und ich freue mich immer wenn ich die Begeisterung in den Augen der Kinder sehe. In all den Jahren habe ich die Höhlen aber immer nur bei schönem (trockenem) Wetter erlebt.

Man muß aber wissen, daß es dort öfter heftige Unwetter gibt die sehr plötzlich auftreten. Dann sollte man keinesfalls in irgendeiner Höhle sein. Zum Vergleich: die Ardeche hat meist gerade genug Wasser um sie mit Kajaks zu befahren. Am Schluchteingang 20-30cm tief. Bei heftigen Gewittern kann binnen Stunden der Pegel auf deutlich über 7m steigen. Man sieht das am Treibgut in entsprechender Höhe in den Bäumen. Normalerweise braucht man zur Befahrung der Schlucht mit einem Kajakt ca. 6-8 Stunden. Wenn es im unteren Teil Gegenwind hat, sogar noch länger. Da bekommt man lange Arme. Ich habe es mit Frau und Tochter bei ablaufendem leichtem Hochwasser ohne Mühe in ca. 3 Stunden geschafft. Ich schwärme heute noch von der traumhaften stimmungsvollen Befahrung.

Vor 6 Jahren habe ich das erste schwere Hochwasser nach heftigem Gewitter erlebt. Der Campingplatz auf dem ich zu Hause bin, liegt an einen kleinen Nebenfluß der „Baume“, am Ende der mittleren Ardeche. Auch diese durchbricht direkt hinter dem Campingplatz eine kleine Karstschlucht, weniger tief und weniger lang als die Ardecheschlucht. Die Baume ist Ende des Hochsommers nur noch ein Rinnsal mit nicht meßbarem Wasserstand, außer in den tiefgrünen Gumpen. Man kann sie trocken überqueren. Ende Oktober 2008 hat es mehrere schwere Gewitter gegeben. Die Baume schwoll binnen Stunden auf eine Höhe von gut 5m an, das Rinnsal wurde zum reißenden Fluß, wir mußten mit Evakuierung rechnen, es war atemberaubend. aus allen Löchern, die man zuvor noch nie gesehen hatte quoll Wasser.

Die gleiche Stelle an der Baume bei Hochwasser und bei Niedrigwasser

Das schlimmste Hochwasser lief binnen 24 Stunden wieder ab, aber die Baume behielt noch länger einen Pegel von gut 1,5m, das Wetter blieb instabil und naß. Mir kam die Idee, das Cocalhere/Peyrejal-Gebiet mal bei schlechtem Wetter mit Kindern und Enkelkindern zu besuchen.


In den Goule de Sauvas ergoß sich ein kräftiger Bach, unpassierbar ca. 1,5m Wasserstand. Am Hochufer des Grabens lag das Schwemmgut etwa 6m über dem Bachbett. Normalerweise ist der Zulauf nur ein feuchtes Gerinne. Man beachte das Schwemmgut rechts am Hochufer. Der Graben war komplett geflutet.

Der Schachtabstieg in den Aven-Cocalhere  war naß und rutschig, ohne Seil nicht machbar. Der Schachtboden war aber trocken.

Wir sind dann durch das Gestrüpp in Richtung Cotepartiere gelaufen. Das Bachbett war bis auf den blanken Felsen ausgewaschen, voller Pfützen (weiß-grün-feucht, Traumstimmung).

Vor dem Ausgang der Cotepartiere stand ein tiefer Gumpen, voll Wasser, für uns kaum passierbar.

Am Aven de Peyrejal war’s noch schlimmer, der war gänzlich geflutet, es entsprang ein kräftiger Bach.

Normalerweise ist der Eingang gut 8 m tiefer und der Gang 350m weit begehbar.

Bachabwärts bei der Resurgence de Peyrol sprudelte eine Quelle kräftig mitten im Bachbett. Der Pilz des aufquellenden Wasser war gut 40cm hoch. Rundherum war das Gestrüpp meterhoch durch die Strömung verbogen.

Dort wo wir standen muß das Wasser gut 3-4m hoch gewesen sein.

Zum Vergleich, die Resurgence bei Trockenheit.

Ich weiß nicht ob ich das wirklich Life bei extrem-Hochwasser erleben möchte, es muß mehr als beeindruckend gewesen sein. Nein ein harmloses Höhlengebiet ist das nicht, man muß das mal erlebt haben.

Zum Schluss noch ein Bild von einer Höhlenquelle in der Nähe des Gebietes (Blautopf ähnlich) Font Vive: