Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Frankreich Jura - Tag 3 - Ostersonntag: Die kleinen Biester

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Wir stellten uns auf den Parkplatz gegenüber der Käserei von Nans-sous-Sainte-Anne. Vor der Befahrung der Grotte Baudin stiegen Dagmar, Michael, die Kinder Philipp, Tobias, Robin und ich in den Quellaustritt des Collecteur des Verneausystems. Vor kurzem schienen noch gewaltige Wassermassen herausgeströmt zu sein. Es fanden sich keine älteren Begehungsspuren.

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Nach kurzem Herumstöbern gingen wir weiter Richtung Grotte Baudin bergauf. Ein kurzes Stück Klettersteig wurde in Gegenrichtung aufgestiegen. Nach 20 Metern zum Teil senkrechten Drahtseils - künstliche Tritte überall - standen wir vor dem unscheinbaren Höhleneingang. Philipp und Tobias waren am schnellsten mit dem Einschlazen fertig. Sie krochen bis zur ersten Kammer voraus. Robin, der hinterher wollte, kam zweimal zurück, weil sich der Schluf kurz gabelte. Vernünftig, vermutlich war jedoch das Gefühl allein zu sein, der wahre Grund der Umkehr. Immerhin hat er sich zweimal ein Stück allein hinein getraut.

Verlaufen ist fast nicht möglich, nach kurzer Zeit enden potenzielle Abzweige oder führen zurück in den Hauptgang. Dieser ist mit wenigen Unterbrechungen nur in Bauchlage zu befahren. Die Kinder konnten teilweise krabbeln. Zur Sicherheit erging die Anweisung an die Kinder, nirgends hineinzukriechen, wo ein Erwachsener nicht hineinpaßt. Wer weiß, was alles möglich ist.

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Bald besichtigten wir die Galerie des Gours. Diese befindet sich eine Etage tiefer, ein Seil und eine Alu-Strickleiter führen hinunter. Alternativ ist der Abstieg - von der Abseilstelle in Richtung Ausgang links halten - zu umgehen. Dafür muß ein erwachsener Mensch jedoch in die Hocke - nicht gerade angenehm nach der ganzen Kriecherei. Vermutlich hängt deshalb die Leiter. Die früher vorhandenen zahlreichen Sinterbecken sind leider inzwischen alle zertrampelt. Die einstige Pracht ist nur noch zu erahnen. Der hängende Schmuck jedoch ist noch überaus sehenswert.

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Unser Ziel war der Abstieg zum Collecteur des Verneau. Ein enger Schluf führt dorthin. Für die Kinder baute ich nach der Salle Hope wieder eine Alu-Strickleiter ein. Die Salle Hope ist reich geschmückt. Schöner Sinter findet sich an vielen Stellen. Leider war zu bemerken, dass Besucher über den unberührten Sinter steigen. Auch wenn das Wasser an einigen Stellen den Lehm fortspült, die im Lehm enthaltenen Steinchen bleiben liegen. Schade!

Im Schluf hört man ein zunehmend lauter werdendes grollendes Donnern, welches die befahrene Röhre vibrieren läßt. Wie in der Disko vorm Bass. Die Wasserfälle des Collecteur ergießen sich in ein Becken direkt unterhalb des Schufendes. Vorsicht Absturzgefahr! Die Kinder durften abwechselnd nach vorne und einen Blick hinunter auf das tosende Wasser werfen. Von hier könnte über ein eingebautes Fixseil zu einer Traverse abgeseilt werden. Ein anderes Mal!

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Raus ging es wieder über die langen Schlufstrecken der Grotte Baudin. Die Nase meist im Dreck drückten sich die Erwachsenen zentimeterweise heraus. Die Kinder mit Ihren leichten Schleifsäcken wieder auf und davon. Dagmar meinte, die "kleinen Biester" sollten wiederkommen und die restlichen Schleifsäcke abholen. Der Gedanke blieb ein Wunsch.

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Die nun nötige Reinigung der Ausrüstung erfolgte im Flußlauf des Lison. Die Planscherei war ein Riesenspaß für die Kinder. Die Ausrüstung nun vollig durchnäßt, blieb für Ostermontag, dem Tag 4 unseres Kurzurlaubes, nur der Karstweg in Mérey-sous-Montrond. Der Lehrpfad ist vor allem bei schönem Wetter interessant. Auf einer kurzen Wanderung durch den lichten Wald, werden - nur auf Französisch - die Erscheinung des Karstes erklärt. Im Sommer gibt es Führungen auf einem größeren Rundkurs, in denen die Besichtigung von kleinen Höhlen enthalten ist.

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Fast hätte ich es vergessen. Am Sonntagabend gab es zum Abendessen Rotwein und zur Abendunterhaltung ein olfaktorisches Kriminalstück. Zunächst standen die Bratkartoffeln im Verdacht, erst nach langen Ermittlungen konnten diese für unschuldig erklärt werden. Oliver sorgte mit Maultaschen für adäquaten Ersatz, auch die Kartoffeln wollte kaum einer mehr.

Roberts ergänzender Senf:

Der "Schluf" zum Collecteur hin, den Roland den Jungs gezeigt hat, heißt nicht nur bei mir "Shunt". Nachzulesen in "Nos Cavernes N°18 (2005)" haben u.a. die Freunde vom GSD diese Abkürzung erst August 1999 geöffnet. Vorher mußte man auf dem Weg in den Collecteur an dieser Stelle vorbei etwa 25 weitere Meter absteigen in ein großes Wasserbecken hinein und an der großen Kaskade wieder aufsteigen. Das untere Becken macht bei höherem Wasser zu, man hat daher immer einen draußen an der Quelle gesetzten Spit kontrollieren müssen - war dieser naß, war das Becken zu. Die "Biester" hatten das Pech (oder Glück?), daß der Shunt diesmal ungewöhnlich ruhig war - ich habe hier schon mal erlebt, daß der Fels am Einstieg bereits spürbar unter den Sohlen vibriert und die Bewetterung einem, sobald man mit dem Körper den Querschnitt reduziert, schier die Haut vom Gesicht zieht. Ein Spaß, unter diesen Bedinungen nach einer 15-Stunden-Tour ein 30m-Seil, das man für den Abstieg eingebaut hatte, weil man dem Fixseil aus dem Jahr 2000 nicht traut, noch im Röhrenende liegend aufzunehmen und im Schleifsack zu verstauen!

Während D,M,R,P,T,R diese Abenteuer erlebten, war der Rest der Truppe bereits weiter hinten im Verneau. Oli und Marc wollten in den Affluent sans Nom und disponierten zugungsten der Galerie des Aiguilles um, während Stefan und ich uns in dem komplexen Höhlenteil gleich zwischen Salle Blanche und Salle Christian Devaux vergnügten, indem wir konsequent jeden Abzweig des Hauptweges falsch gingen (doch, doch, absichtlich). Wir fanden eine Kröte, die uns von einem Absatz in der Wand groß anglubschte, 1km Luftlinie vom Ausgang. Wir entdeckten einen fast jungfräulich aussehenden Teil, in dem man Fahrrad fahren könnte. Ich hatte dort grad mal 5 Minuten Zeit mich umzugucken, und das ohne Kamera, also wiederkommen. In Reichweite wären dort noch die Galerie de la Neige, die Galerie des Squelettes und der Affluent Oublié (inzwischen weit länger als auf dem üblichen Plan) - genug zu sehen für eine 16-Stunden-Tour!