Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Erste Erfahrungen im Siphon

Natürlich freute ich mich auf diesen Tag. Endlich bestand die Gelegenheit meine beiden 300bar 7l Stahlflaschen zu testen. Birgit und Heike halfen mir beim Einschlazen. Benni und Andi, sowie Micha, Stefan und Olli bereiteten sich ebenfalls vor. Meine Ausrüstung war völlig "oversized" - ich wollte diese dennoch verwenden und gleich nach dem Siphon ablegen.

Als Erster hatte ich die beste Sicht. Das Wasser, kalt und klar, war eine Erleichterung. Die Ausrüstung wog selbst auf die kurze Tragestecke schwer. Im Wasser schwebte ich nun federleicht. Die Flaschen schlugen dumpf gegen die Steine. Langsam und völlig entspannt schob ich mich vorwärts. Alles war an seinem Platz. Die Ventile unter meinen Achseln - geschützt vor dem Verdrehen und immer im Blick, genauso wie die Finimeter. 250bar, die Flaschen waren nicht voll, ich war damit schon im Schwimmbad. Die beiden zweiten Stufen hatte ich am Hals befestigt, eine nun im Mund.

Was ich erlebte birgt Suchtfaktor, fast kräftesparendes Fliegen durch einen Hohlraum mit durchsichtigstem Wasser. Der Tauchgang viel zu kurz. Mit Benni hatte ich vereinbart in der zweiten Luftglocke aufzutauchen und zu warten. Schon in der Engstelle liegend, merkte ich, dass ich beide Luftglocken übersehen hatte. Das Ende des Siphons konnte ich schon erahnen. Es überkam mich ein Gefühl von ein wenig Enttäuschung, denn so schwerelos könnte es nun immer weiter gehen. Die Luft hätte für weitere geschätzte 30 Minuten gereicht, selbst nach der 1/3 Regel. Benni würde schon feststellen, dass ich durch bin.

Nach der Auftauchstelle legte ich die Flachen und das Gurtzeug ab. Vorwärts, nun ohne jede Last. Ohne Träger konnte ich die Ausrüstung sowieso nicht weiterschleppen. Kurz schaute ich mich in den anschliessenden Hallen um. Benni und Andi wollten in den Südgang, am Endsiphon tauchen. Stefan und Micha in den Rattengang. Richtig Betrieb im Loch.

Ich verabschiedete mich - als alle eingetroffen waren - und ging allein zurück Richtung Ausgang. In aller Ruhe die Ausrüstung anlegen, halb im Liegen, weil die Ganghöhe Sitzen nicht zuläßt. Zudem sind die Flaschen außerhalb des Wassers sauschwer. Obwohl es mir nicht leicht fiel, überprüfte ich die Anordnung auf den richtigen Sitz. Alles muß dort sein, wo es hin soll. Bloß keine Schlamperei. Im Ernstfall muß ich blind die Ausrüstung finden können. Dieser Vorgang dauerte deutlich länger als das Durchtauchen des Siphons.

Weil ich mich in den Hallen so richtig mit Lehm eingesaut hatte, war das Wasser nun trüb. Wie schlecht die Sicht jetzt ist! Ich tastete mich an der rechten Seite entlang und vermutete pötzlich links den Weiterweg. Ja richtig, vor mir war die Wand. Wohl bereits unterhalb der zweiten Luftglocke, sah ich nun auch das Seil, welches von hier zum Ausgang führt.

Schon draußen und der Siphon eigentlich auch ohne Geräte machbar?

Davor muß ich warnen. Dies funktioniert, ja vielleicht! Bestimmt nur, wenn die genaue Kenntnis des Gangverlaufs bereits eingeprägt ist. Auch sollte man gut tariert sein. Die Alternative ist wohl mit der Neoprenbekleidung in der Engstelle hängen zu bleiben. Es gibt kein Seil in der Engstelle. Vielleicht wäre es auch nicht so toll, wenn man sich - weil die Ideallinie verpaßt ist - in einen Spalt zieht, der zu eng ist. Wie gesagt, rein mag es noch gehen, raus ist es sicher grenzwertig, schließlich sieht niemand mehr was.