Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Die Überraschung

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Die Befahrung verdanke ich Ingo, Leitung des Servicemanagements eines Rechenzentrums, welcher eigentlich mit Höhlen nichts am Hut hat. Als ich beiläufig die Existenz eines alten Entwässerungsstollens in der Nähe seines Wohnorts erwähnte, schien ihn dies zu beschäftigen. Er schickte mir folgenden Link: http://www.uok.bayern.de/portal/view/uok-1152279164362-62310.htm

Einfach zu blöd, dass die Qualität des dort veröffentlichten Bildes meinen Ehrgeiz und die Koordianten, mitten im Acker, meine Neugier weckten. Der Stollen begann mich zu beschäftigten.

Zitat aus dem Buch "Münchner Höhlengeschichte II": "Der Stollen bei Eisendorf südlich von Grafing dient zur Entwässerung und Urbarmachung von landwirtschaftlichen Flächen. Der ehemalige See mit einer Fläche von über 80 Tagwerk wurde im Juli 1829 nach nur viermonatiger Bauzeit durch den 288 m langen Wasserlösungstollenabgelassen. Der teilweise mit Natursteinplatten und Ziegelmauern gesicherte Stollen ist immer noch in Betrieb."

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Am nachfolgenden Samstag, es regnete in Strömen, stieg die Suchmannschaft ins Auto. Kinder eignen sich hierfür hervorragend. Aus Gründen, von mir schon lang vergessen, haben diese eine starke Affinität zu Dreck und Nässe. Der rasche Erfolg stellte sich daher auch ein. Der Zufluß zum Entwässerungsstollen konnte zielgerichtet angesteuert werden, das erste Bein versank im Bach bis zur Hüfte. Eigentlich unglaublich, da der von mir festgestellte Wasserpegel die 15 Zentimeter nicht überschritt. Der Stollen wurde nicht befahren, obwohl er im Vergleich deutlich trockener als die Umgebung draußen war. Der Querschnitt von 40 Zentimeter Breite und grob 1 Meter Höhe erschien nicht sehr einladend, auch wurde kein Licht mitgeführt.

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Äußerlich patschnaß, nach weniger als 5 Minuten zurück im Auto, fiel die Entscheidung nun den Abfluß des Stollens zu suchen. Schließlich waren wir gar zu schnell fündig geworden. Ein paar Kurven gefahren und schon war das Tunnelende scheinbar lokalisiert. Der Querschnitt war jedoch viel größer und sogleich stelle die Suchmannschft fest, Licht ist zu sehen. Das Auto stand offen, jedoch wurde diesmal eine Lampe mitgeführt. Der Sieg der Neugier: Über mehrere kleine Wasserfälle ging es durch den Tunnel bergan. Es handelte sich um eine Unterführung, der Stollen endet weiter oben am Berg.

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Neben Spinnen - sehr zahlreich - und deren Netzen - in meinem Gesicht - fand sich zur allergrößten Freude auch Sinter. Und was für welcher, gleich mehr als in vielen oberbayerischen Höhlen. Eigentlich sollte jede Röhre unter einer Straße, einer Bahnline oder sonstwo auf ablichtbaren Sinter untersucht werden. Es scheint auch in künstlichen Hohlräumen wachsen mit der Zeit sehr schöne Naturformen. Gleich dahinter das Tageslicht und grüne Farne, ein wirklich toller Eindruck. Leider stürzte Wasser durch den engen Spalt, auch ergoß es sich über die Öffnung, wie ein Vorhang.

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Nun war alles egal, Jeans in den Wasserfall, durch und raus, weiter bergan, immer dem herrlichen Bachlauf entlang. Der Endpunkt des Stollens fand sich in einer natürlichen Höhle, die Begeisterung der Kinder war kaum zu bremsen, nur das unversperrte Auto, die inzwischen bis zur Haut durchnäßte Kleidung und der Dauerregen drängten zum Rückzug. Dieser gelang schnell, denn die Spinnweben behinderten nicht mehr und auch Bilder wurden keine mehr eingefordert.

Zwei Links zum Stollen, die Matthias Mansfeld (VHM) zusammengetragen hat:

Auf Franz Lindenmayrs Webseite ist ein Bericht dazu im Rahmen eines HöPho-Treffens von 2004, http://www.lochstein.de/ver/hp/2004/2004hp.htm und runterradeln.... ein paar Bilder.

Der Eisendorfer Stollen ist auch im Rahmen der Erdstallausstallung am 1. August 2009 zu besichtigen - die Ankündigung steht ja auch auf der VHM-Seite, oder hier: http://www.museum-grafing.de/sonderausstellungen/erdstaelle_begleit.htm