Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Ogof Ffynnon Ddu

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Irgendwie war mir klar, die beabsichtigte Abfahrt Freitag um 18 Uhr würde sich verzögern, nur den Grund konnte ich noch nicht erahnen. 45 Minuten vor Abfahrt der erwartete Anruf! Robert hatte den Sieb der Cappuccino Maschine vergessen. Die kurze Diskussion, ob das Sieb gekauft werden könnte, wurde durch Robert verneint. Er wollte es daheim holen und 10 Minuten später kommen. Nach 40 Minuten Verspätung fuhren wir schließlich tatsächlich los.

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Uwe wurde entlang der Strecke zuerst eingeladen, in Karlsruhe dann auch Lothar. Inzwischen waren wir 1 Stunde hinter Plan. Es folgte eine Totalsperre vor Hockenheim, 6 Fahrzeuge verkeilten sich. Eines war platt bis zur den Vordersitzen. Vielleicht ein Schwerverletzter? Mich verwundert, daß Höhlenforschern von manchen Versicherern die Berufsunfähigkeitsversicherung verweigert wird. Die Gefahren liegen objektiv woanders. Wir waren nun Stunden hinter der geplanten Zeit und deutlich zu lang ohne Schlaf!

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Auf der endlosen Fahrt war auf der gesamten Strecke - inzwischen fuhren wir durch Belgien - kein Motel in Sicht. Erst nach mehreren Sekundenschläfen erspähten wir um 4:30 Uhr in einem Industriegebiet bei Lüttich eine Unterkunft. Diese Übernachtungsmöglichkeit fügte sich gut ins Umfeld. Außen Baucontainer, innen Plastik mit automatischer Dusch- und Toilettenreinigung. Das Frühstück gab es an einer Theke mit unseren Gesichtern zur Wand.

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Nach erneut zu vielen Stunden Autobahn, trafen wir uns mit unseren Freunden von der ARGE Grabenstetten Denise, Fritz und Lutz pünktlich in Calais und setzten gemeinsam nach Dover über. Mit Regen, Wind, Kälte und kurzzeitig dichtem Nebel bestätigte die Insel alle Vorurteile. Kurz herrschte Panik vor dem Zoll, weil Robert vorgab seine Dokumente auf dem Schiff vergessen zu haben. Wir fanden diese später zur allgemeinen Erleichterung unter dem von ihm okkupierten Beifahrersitz. Das andere Auto war da schon weit voraus.

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Erst nachts erreichten wir Penwyllt im Herzen des Brecon Beacon National Parks. In der Unterkunft des South Wales Caving Clubs fanden wir uns alle wieder. Mark und sein Hund Rover begrüßten uns herzlich. Später kamen noch Marvin und Stefan an. Wir lernten die Wetterregel für Wales: „Wenn man die Berge nicht sieht regnet es. Sieht man die Berge wird es bald regnen.“ und nützliches für den Abend: „Rover, Du stinkst.“ Schuldig oder nicht, der Hund konnte nicht widersprechen. Vor allem aber lernten wir Witze über Schafe oder über Engländer, bevorzugt in der Kombination Schafe, Engländer und Sex.

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Am Morgen von Tag 3 der Walesreise herrschte fast gutes Wetter, der Regen fiel in etwa senkrecht - kein Wind. Später hörte es sogar ganz auf zu regnen. Wir teilten uns für die Befahrung der Ogof Ffynnon Ddu in zwei Gruppen. Mark führte Lutz, Fritz, Lothar und Marvin. Der am Morgen zufällig anwesende Steve erklärte sich spontan bereit und führte Robert, Uwe, Stefan und mich. Denise fühlte sich nicht wohl, sie zog eine Wanderung vor. Die Höhle ist ca. 55 km lang. Der Name bedeutet übersetzt Höhle der schwarzen Quelle. 5 Stunden lang führte uns der South Wales Caving Club durch ein Labyrinth von Gängen und Wasserläufen. In Liegestütz querte ich einmal über einen 50m tiefen Schacht. Nervensache! Eindrucksvoll präsentierten sich schwarze Gänge und unglaublich viele Excentrics in allen Größen. Auf dem Rückweg meinte Robert, er habe seine irische Kappe am Höhleneingang vergessen. Jaja, das Alter macht auch vor Höfos nicht halt! Abends blieb Zeit um welsh zu lernen: Twll dîn pob Sais! In Wales ein beliebter Trinkspruch, leicht rassistisch. Bei guter Laune hörten wir erneut Schaf- und Engländer-Witze. Diese waren auch in der Wiederholung witzig, denn wir tranken einiges an Bier, Wein und ...  „Say hello to Uli from Mark!“

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Morgens um 6 Uhr wachte ich am vierten Tag auf. Es fror mich auch draußen nicht, im Gegensatz zu den bisherigen Tagen, denn der Regen fehlte, auch war es windstill. Sogar Sterne waren zu sehen. Noch glaubte ich an keinen Sonnentag, Recht sollte ich behalten. Zu Sonnenaufgang war der Himmel wieder zugezogen. Den Vormittag nutzten wir zum Einkaufen. Erst mittags ging es erneut in die Ogof Ffynnon Ddu. Diesmal fuhren wir in den unteren Teil der Höhle ein. In dem dort aktiven Bachlauf war das Wasser zum Teil oberschenkeltief. Ich war ohne Neopren, deshalb versuchte ich die gesamte Strecke auszuspreizen, oft auch in Liegestütz. Insgesamt empfand ich dies sehr anstrengend. Immerhin, ich blieb als einziger trocken!

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Das fast immer schwarze Gestein war durchsetzt mit weißen Calcid Einlagerungen. Ein Siphon nach einem Versturz bedeutete das Ende der Tour. Zurück querten wir in der Kluft 25 Meter hoch über dem Bachbett an einer Traverse. Draußen erwartete uns Nieselregen, was sonst? All meine Mühe in der Höhle war völlig vergebens. Klatschnaß kam ich zurück zur Unterkunft. Mark bereitete am Abend ein Lamm von seiner Farm für uns zu. “Say hello to Fritzi and Jörg!”

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Tag 5 brachte von Begin an Wind und schlechtes Wetter. Sogar die Schafe flüchteten vor der Tür des South Wales Caving Clubs. Meine Gruppe fuhr zum dritten Mal in die Höhle Ogof Ffynnon Ddu ein. Diesmal führte uns Martin. Widerwillig folgte ich ohne Kamera, weil der anstrengende Durchstieg vom mittleren in den oberen Höhlenteil geplant war. Ein Fehler aus meiner Sicht, denn es ging äußerst spannend durch einen engen Schluf 100 Meter zu einer korallenartigen Tropfsteinformation. Keine Kamera, ich ärgerte mich. Es folgte ein Labyrinth zu den Siphonen, die den einfachen Zugang zum unteren Höhlenteil sperren. Wie die anderen Tage auch, zeigte die Höhle völlig schwarzes Gestein im aktiven Teil.

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Martin erzählte mir von einer Rettung, die einen 27stündigen Transport des Patienten, mit über 100 Rettern, erforderte. Auch gab es in den 90igern 2 Tote bei Überflutung des von uns durchschrittenen Höhlenteils. Dieses Jahr kamen 2 Forscher in Not. Sie konnten sich jedoch selbst knapp retten, indem sie 12 Stunden einen günstigeren Wasserstand abgewartet haben. Einstiege zu Fluchtwegen sind mit weißen Reflektoren unübersehbar gekennzeichnet.

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Anstrengend kämpften wir gegen den Wasserstrom und dies obwohl dieser nur 15 Zentimeter Wassertiefe hatte - was nicht hieß, daß es nicht auch richtig tiefe Löcher gab. Unbeabsichtigt versank ich nach einem Fehltritt bis zum Hals aufrecht in einer Gumpe. Trotz Licht ist die Tiefe des Wassers nicht abschätzbar. Das Gestein ist genauso schwarz wie auch die Löcher. Wenigstens trage ich diesmal Neopren, als Einziger! Weswegen die Anderen jammerten, litten, fluchten und litten. Das Jammern wurde hie und da vergessen, wenn die Raumformen vom Leiden ablenkten. Besonders eindrucksvoll war eine Gangerweiterung, die Marble Falls genannt wird. Weißes Calcid zeigt sich wunderschön zwischen dem schwarzen Karbonkalk. Schon nach dem nächsten Meander fluchten die Kameraden wieder. Die nasse Kälte und die Überquerung der, in der Tiefe nicht abschätzbaren, Gumpen setzte ihnen zunehmend zu. Das Gefährlichste sollte jedoch noch kommen.

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Um eine Folge von Siphonen zu umgehen mußten wir an einfach zu meisternder Stelle das Bachbett verlassen. Die Rückkehr in das Bachbett war allerdings schwierig. Über einem reißenden und laut tosendem Wasserfall, der einen Menschen ohne jeden Zweifel in die Tiefe gerissen hätte, kletterten wir vorsichtig ab. Kein Seil nirgends, die Nerven schwanden! Es kam am Ausstieg aus dem Bach jedoch noch riskanter. In einer engen Klamm, die Wände total rutschig, kletterten wir etwa 15 Meter in die Höhe, steil und ausgesetzt aus dem Bachlauf hinaus. Kurzfristig waren bei einigen Kameraden keine Nerven mehr vorhanden, welche - wenn der Wille exisitert hätte - hätten beruhigt werden können. Dennoch: Alle erreichten die fossile Etage. Mir fiel auf, dass der Kalk überall sehr glatt ist. Er ist nicht durch Befahrungen abgeschliffen, sondern einfach natürlich glatt. Völlig anders als das rasierklingenscharfe zerfressene Gestein in Süddeutschland oder Österreich.

Überraschender Weise regnete es nicht, als wir an das Tageslicht zurückkehrten. Ein Zeichen! Der Ärger über die nicht mitgeführte Kamera nagte in mir. Ich beschloss das Zeichen als mir wohlwollend zu deuten und nach einer Stärkung, durch eine Tasse Tee, nochmals einzufahren. Uwe ließ mich nicht allein und kam ebenfalls zu einer zweiten Befahrung mit. Am Abend - wer hätte es gedacht - tranken wir wieder Bier, Wein und ...

Twll dîn pob Sais!

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Den sechsten Tag des Walesaufenthalts wollten Mark und ich für eine Offroad Tour nutzen. Uwe fuhr mit Mark, Lothar mit mir. Mark reduzierte den Reifendruck und los ging es. An diesem Tag riss der Himmel auf und es schien hie und da die Sonne. Ich wurde nicht enttäuscht, angemessen anspruchsvolles Gelände erfüllte alle Wünsche. Im Laufe des herrlichen Tages querten wir auch zahlreiche Wasserläufe. Die vordere Differenzialsperre griff gut, so gut, dass sich diese auf der Straße kaum mehr lösen lies und in engen Kurven mehrfach unerwartet schaltete.

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Der Rest unserer Gruppe besuchten den Ort Hay-on-Wye, bekannt für die zahlreichen Buchläden im Ort. Malerisch auch die Gebäude. Robert hat sich im rechts dargestellten Bild einen Scherz erlaubt. Bilder lügen eben manchmal und hier besonders. Abendessen gab es diesmal im Pub von Abercraf. Fast vermißte ich die bisher täglich am Abend dargebotenen Witze.  Es traute sich wohl keiner.

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Am letzten Tag besuchten wir die sehenswerten Schauhöhlen von Dan Yr Ogof. Zu viel erwarten darf der Besucher nicht, jedoch ist die Gestaltung des Parks vielseitig: Ein Sammelsurium aus Erdgeschichte, Höhlenbildung, der Erforschungsgeschichte der Höhlen, menschlicher Frühgeschichte und riesigen Dinosauriermodellen. Mark verabschiedete sich, er wollte zu einem Windenwettbewerb in Schottland. Mit seinem Partner hat er diesen im letzten Jahr gewonnen. Offroad Fahrzeuge werden dabei mit Hilfe der Winden bewegt. Marks Wettbewerbsfahrzeug hat derer 3 Stück: vorne, hinten und in der Mitte für Steilwandfahrten. Schade, Mark mit seinen Witzen und der stets schuldige Rover fehlten mir am Abend.

Unsere Heimfahrt dauerte, wie die Anreise, wiederrum zwei Tage. Auch wegen der defekten Sperre fuhr ich den Wagen direkt in die Werkstatt. Robert, Uwe und ich fuhren ab Frankfurt im Mietwagen nach Hause, Lothar im Zug. Wir alle waren stolz auf unsere neu erworbene Sprachkenntnis in Welsh.