Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Slowenien Februar 2010

8 Tage im Wechsel der Jahreszeiten, 20.02.2010 Mackovica Jama

 

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Tiefster Winter. Unsere Ankunft wurde durch 20 cm Neuschnee begleitet.

Stefan und Jürgen, die schon mittags im Hotel Rokoc Skocian ankamen, drängten trotz der Wetterlage auf ein Unternehmen noch am selben Abend. Johanna, Zsolt, Heinrich und ich waren nicht wirklich motiviert, sagten jedoch unter der Auflage zu, dass wir erst in 2 Stunden aufbrechen. Die Beiden überbrückten ihre Wartezeit mit einem kurzen Tauchgang in einem nahen Quelltopf der durch einen nahen See gespeist wurde.

 

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Nach ihrer Rückkehr fuhren wir alle gemeinsam durch dicke Schneeflocken bei inzwischen völliger Dunkelheit zur Mackovica Jama. Nach kurzer Suche des Eingangs im tiefverschneiten Wald standen wir vor einem kleine Portal, welches reichhaltig mit Eiszapfen verziert war. An toten Tropfsteinen und einer Abzweigung vorbei fanden wir anhand der deutlichen Befahrungsspuren auch ohne Ortskenntnis zügig den Durchstieg in die große Halle.

 

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Stefan begeisterte sich an den Tropfsteinen. Für slowenische Verhältnisse waren eigentlich keine besonders außergewöhnlichen Exemplare sichtbar, jedoch als Erklärung: Stefan war das erste Mal hier. Entsprechend exzessiv Stand Stefan als Model vor oder hinter dem Tropfstein. Das Warten auf die Fotografen strapazierte vor allem die Nerven von Zsolt, der aus Tatendrang jede Ecke bekroch. Mich beschäftigte gedanklich der Rückweg, der laut Plan auch irgendwie anders möglich sein sollte. Derweil lag ich auf einem großen Stein uns beobachtete entspannt die dutzendfache Ablichtung der immer selben Motive.

 

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Johanna, Zsolt und ich statteten noch einer Fortsetzung Besuch ab, die mit einem kleinen See und einem Lehmteufel aufwartete. Aufgrund der glatten Lehmwände kann auf eine Befahrung verzichtet werden, glatt, rutschig und dreckig! Wir fanden nichts, was die Verschmutzung des bislang doch recht sauberen Schlazes gerechtfertigt hätte. Fast schon ärgerte ich mich nicht sauber geblieben zu sein.

Wie unnötig, denn der Rückweg auf Verdacht, der mutmaßliche Weg hatte es in sich. Zunächst kletterten wir, immer der stärksten Befahrungsspur hinterher, durch den Versturz. Dann kam ein wenig Deck und Schlamm. Ich rutschte eine Wand herunter und landete in einem Pfuhl: Schlamm bis übers Knie, der Lehm spritze mir ins Gesicht. Es sollte noch schlimmer kommen: die Diode.

Leider existiert kein Plan und kein Bild hiervon. Auch die Bezeichnung ist erfunden, jedoch gut beschreibend. Die Diode ist nur in einer Richtung passierbar. Und eigentlich hätte hier zur Umkehr geblasen werden müssen, da doch der Weiterweg unbekannt und der Ausgang zweifelhaft war. Ein kräftiger Luftzug jedoch ließ hoffen, dass der Weiterweg so falsch nicht sein konnte.

Also vorwärts durch oder besser über die Diode! Ein 2 Meter Sprung von der fast senkrechten Lehmwand, etwa 1,5 Meter hoch, über einen mindestens ebenso tiefen Teich auf flach ansteigendes tiefer liegendes Gelände. Der glitschige Boden empfing mich und nur knapp konnte ich vermeiden rücklings in den Teich zu stürzen. Umkehr war nun nicht möglich, zumindest nicht, ohne dass jemand im Teich stehend einen anderen Höfo mit Räuberleiter hoch bugiseren würde. Klar, dass beide völlig nass und lehmgebadet wären.

Genauso klar wurde mir, dass nun irgendwer ins Wasser fallen würde. Also machte ich mich mit Johanna und Zsolt aus dem Staub um Heinrich, Jürgen und Stefan ihrem Schicksal zu überlassen. Zwei Schlufe erforderten nochmals die Nase im wässrigen Lehm bevor zu unserer Erleichterung der bereits bekannte Weg in Richtung Ausgang erreicht war.

Nach etwa 20 Minuten kamen die anderen nach. Stefan war völlig durchnässt. Auch die Nerven lagen etwas blank, schließlich würde niemand zurückgelassen werden. Es folgten noch andere Argumente, denen ich entgegensetzte, dass hier doch gewartet wurde.

Am Auto lieh ich ihm zur endgültigen Versöhnung meinen Neoprenanzug. Stefan hatte leichtsinnigerweise unter dem Schlaz die normale Kleidung belassen. Alles nass. Sonntags um 1 Uhr Früh erreichten wir das Hotel, um 2 Uhr lagen wir endlich im Bett.