Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Prolog

Warum Gardasee, Slowenien liegt kaum weiter weg. Radeln und Klettern, alles möglich. Halt, war da nicht noch etwas? Wie, Wasser fehlt? Nein, es gibt Wasser. Reichlich! Nur etwa 250 Meter tiefer, im slowenischen Untergrund. Dort fließen Flüsse in Richtung Mittelmeer. Jeder Höhlenforscher träumt von einer solchen Entdeckung. Unser Freund Iztok wollte uns genau eine solche Sensation zeigen. 

Kurz entschlossen planten wir einen erneuten Slowenienbesuch, den nun schon dritten im Jahr 2010. Wenigstens vier Höhlen wollten wir in der verfügbaren Zeit besuchen. Jürgen, caveseekers.com, war zur selben Zeit vor Ort. Wir beschlossen, den ersten Tag gemeinsam zu verbringen. Iztoks Überraschung mußte warten.

Jama v Partu pri ogradi

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Mir lief gleich am Morgen des ersten Tages ein schönes Fotomotiv über den Weg. Es war recht schwer das hundertbeinige Geschöpf im Bild einzufangen. Mit den vielen Beinen war es verdammt schnell und wollte als Modell nicht still stehen. Erst der Transport in ein Spülbecken begrenzte die Fluchtmöglichkeiten. Die Jagd nach einem akzeptablen Bild lies mich das geplante Treffen mit Jürgen, Oliver und Florian im Wald bei Sezana fast vergessen. Jürgen hatte per Google einen Lagerplatz ausgekundschaftet. Die Koordinaten kannte ich.

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Der Zufall wollte, dass sich dieser Platz auf Privatgrund befand und der Eigentümer gerade vor Ort seine Wiese mähte. Nach kurzer Verhandlung war das Zelten legalisiert. Endlich Zeit, den gemeinsamen Tag zu besprechen. Nach eindringlicher Diskussion fiel die Auswahl auf die Jama v Partu pri ogradi. Diese hatte ich besonders eindrucksvoll in Erinnerung und auch die Organisation des Schlüssels in Sezana war kein Problem.

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Direkt am Eingang war der 40 Meter Direktschacht zu bewältigen. Auf dem Bild vorbildlich der berührungsfreie Seileinbau, welcher ein bequemes Ein- und Ausfahren ermöglichte. Selbstverständlich ging diesem Einbau ein längerer Streit voraus. Das Seil zu schonen und vor den zum Teil rasiermesserscharfen Kalkstein zu schützen, dies ist der eigentliche Sinn der freien Seilführung. Das Argument der Bequemlichkeit überzeugte dennoch am schnellsten.

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In dieser Höhle unten angekomen ist vor allem die Auffindung des weiterführenden Weges ein Problem. Dieser ist auch nicht ungefährlich. Mehr will ich jedoch nicht verraten, besteht doch ein Reiz der Befahrung in der Entdeckung.

Interessenten an der Höhlenforschung fragen immer wieder, was ist ein Schluf. Diese Frage wird mit diesem kleinen Filmchen beantwortet. Der Reihe nach sieht man mich, Oliver, Jürgen und Florian aus einem Schluf krochen. Zweifellos, das zeigen die begleitenden Geräusche, bereitet die Befahrung eines solchen Schwierigkeiten. Dies gilt insbesondere, wenn der Helm klemmte, wie Oliver so treffend bemerkte, aufgrund der langen, dort befindlichen Schraube.

 

 

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Jürgen fotografierte den folgenden mit lebenden Tropfsteinen versetzten Teil der Höhle ausgiebig. Einige seiner Bilder finden sich in unserer Galerie. Johanna, Iztok und ich machten uns derweil auf den Rückweg.

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Frage: Wie kommt ein Höhlenforscher wieder einen Schacht hinauf?
Antwort: Zu diesem Zweck verwendet er Steigklemmen.

Der Anseilpunkt ist bei einem Höhlengurt sehr tief. Mit Hilfe der Hand, Brust und Fußsteigklemme, im Wechsel geschoben, geht es hinauf. Der Vorgang ist durchaus schweißtreibend und gar nicht so entspannend, wie es aussieht. Da ich höher am Hang startete, sparte ich mir 3 Meter Aufstieg. Logischerweise zog es mich beim Abheben zurück ins Lot. Das daher im Film vorkommende Pendeln ist eigentlich unerwünscht, jedoch in der Praxis höchstens lästig, sofern das Seil frei hängt. 

An diesem Tag störte mich das Pendeln nicht, zumindest solange nicht, bis ich bemerkte, dass das Seil wider Erwarten doch irgendwo scheuerte. Nachdem ich schon einmal an 3, oder waren es sogar noch 4, Litzen hing, sorgte der Gedanke an ein schleifendes Seil für einen erheblichen Adrenalinschub in meinem Körper. Adrenalin tut allerdings selten gut. Dies ist spätestens seit dem filmischen Kleinod Rammbock bekannt. Ein Österreicher in Berlin, das sagt doch schon alles.

 
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Als wir alle heraußen waren, fand Oliver einen Skorpion unter einem Stück Rinde. Als Modell eignete sich dieser vorbildlich, rührte er sich doch keinen Millimeter. Vielleicht korreliert Geschwindigkeit mit der Anzahl der Beine? Zur Nachbesprechung verabredeten wir uns im Zeltlager. Wir wollten an diesem Tag noch eine zweite Höhle besuchen.