Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Urlaubsabstecher 

Die Frage „Wohin im Sommerulaub“ wird in unserer 4-köpfigen Familie immer schwieriger zu beantworten. Meine Frau will zum Wandern und kulturelle Seiten eines Landes kennenlernen, die Tochter will ans Meer, der Sohn zum Klettern und ich wünsche mir zumindest eine Höhlenbefahrung im Programm.

Um diesem Umstand gerecht zu werden, haben wir heuer unseren Sommerurlaub in verschiedenen Alpenregionen verbracht. Zunächst ging es nach Osttirol zum Wandern, Bergsteigen und Klettern und dann über den Plöckenpaß in das oberitalienische Friaul. Von hier war es möglich auch den Wunsch nach „Meer“ und „Kultur“ zu bedienen. Und siehe da, es gibt dort auch noch massenweise Höhlen in den stark verkarsteten Alpenausläufern. Nachdem also alle Familienmitglieder ihre Wünsche erfüllt bekamen, kam endlich der Tag an dem es in die Höhlen gehen sollte. Nach intensiver Suche in unserer Vereinsbibliothek noch vor der Abreise waren meine Funde bzgl. Höhlen in Friaul relativ dürftig. Wahrscheinlich lag das an meinem Unvermögen gezielt zu suchen.

Gott sei Dank gibt es aber noch das Internet. Dort fand ich nach ein wenig „googlen“ tatsächlich das gesamte friulische Höhlenkataster mit Filterabfragen und der Möglichkeit auf englische Menüs umzuschalten. Schnell war ein Höhlensystem ganz in der Nähe unseres Quartiers in Anduins gefunden, welches sich mehrere Kilometer durch den Berg zieht. So packte ich an besagtem Tag meine Höhlenausrüstung auf das Mountainbike und fuhr zusammen mit meinem Sohn Max zur "Fossa del Noglar", deren Eingang wir Dank GPS-Daten aus dem Internet auch schnell fanden.

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Einstiegsschacht zur "Fossa del Noglar"            "Höhlenwandern" im Friaul 

Den interessantesten Teil der Befahrung bildete gleich der Eingangsschacht, welcher sich mitten in dem Urwald ähnlichen Wald befand. Der Anblick erinnerte an Fotos von berühmten Höhlen in Südamerika, nur natürlich etwas kleiner. Ca. 45m teilweise frei hängendes Abseilen führte uns auf den Schachtgrund. Dort fanden sich so allerhand Gegenstände wie z.B. ein Fahrrad, welches wohl im Laufe der Zeit hier hinab gespült wurde. Der Weiterweg führte zwar horizontal allerdings sehr niedrig mit oftmals nur 30 cm lichter Höhe in den Berg hinein. Da die Wetterprognosen nicht ganz sicher waren und deutliche Anzeichen vorhanden waren, dass diese Höhle erst vor kurzem in diesem Bereich geflutet war, entschieden wir uns bald zum Rückzug, zumal im näheren Umkreis ja noch andere interessante Objekte warteten. Der Aufstieg im Eingangsschacht war mühsam, aber landschaftlich sehr beeindruckend.

Wieder am Schachteinstieg machten wir erst einmal bei unserem traditionellen „Höhlenkäse“ Brotzeit.

Per GPS war dann gleich die nächste Höhle gefunden, die "Grotte di la Val". Von dieser Höhle wussten wir von einem Bekannten, dass zwar ein Gitter am Eingang angebracht war, dass dieses aber offen sei. Anscheinend hatte sich das aber herumgesprochen und jemand hatte ein nagelneues Schloss angebracht. Uns blieb also nur ein frei zugänglicher Seitenarm, der ca. 100 Meter in den Berg führte. Zwar ganz nett, aber nicht das was wir uns unter einer Großhöhle vorgestellt hatten.

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Endstation in der Grotte di la Val

Unsere Hoffnung legten wir deshalb auf eine dritte Höhle in der Nähe, der "Inghiottitoio dell’osteria di Gerchia", für die wir noch die Koordinaten und Pläne mitgenommen hatten. Auch diesmal war der Eingang Dank GPS gleich gefunden. Aber auch bei dieser Höhle hatten wir Pech. Der Eingangsschacht war randvoll mit Wasser. Anscheinend hatte das Unwetter, welches ein paar Tage zuvor hier niederging, soviel Material in den engen Schacht gespült, dass das Wasser nicht schnell genug ablaufen konnte, was ein gurgelndes Geräusch aus der Tiefe bestätigte. Da sich der Tag zu Ende neigte und wir schon sehr hungrig waren, schwangen wir uns also wieder auf die Räder und fuhren die 6 km zurück zum Quartier.

Leider war der Urlaub schon fast vorbei, sodass uns eine weitere Tour verwehrt blieb. Sohn Max scherzte noch, wir könnten doch ein Buch schreiben, welches sich „Wanderungen von Höhle zu Höhle“ nennen könnte, da hier die Objektdichte dermaßen hoch war, dass man von einem Eingang zum anderen leicht zu Fuß wandern konnte. Wir kommen auf jeden Fall wieder, zum Höhlenwandern.