Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Unternehmung in den alten Teilen 

Hallo Leute, anbei ein kurzer Erfahrungsbericht von unserer vergangenen Hirlatztour. Am Freitag trafen wir uns (das sind: Michael Schütze, Christian Knobloch und Benedikt Hallinger) am späten Nachmittag am Bahnhof Obertraun. Anschließend fuhren wir zum Parkplatz, schlazten uns an und marschierten in fröhlicher Stimmung zum Höhleneingang.

Die Expeditionsziele waren: - Abheben des kleinen Sees am Sandbiwak zwecks weiterer Forschung - Sicherungsmaßnahmen am Riesenschlot als Vorbereitung für weitere Forschungsmaßnahmen (und zum Ausprobieren der neuen modifizierten Uneo-Bohrmaschine der Hallingers). Eigentlich wollten wir diese Ziele in zwei Teams parallel verfolgen.

Freitag

Da wir aber nur zu dritt waren, haben wir beschlossen, Freitag noch den See zu bearbeiten. Michi hat eine kleine Handpumpe besorgt, mit der pro Hub etwa ein halber Liter transportiert werden kann. Am Sandbiwak angekommen, legten wir das Gepäck ab und krochen zum See. Dort angekommen, stellten wir mit Freude fest, dass der Seespiegel nicht gestiegen war. Es wurde dann sogleich mit Erfolg die Pumpe ausprobiert. Allerdings lässt der großzügig enge Gangquerschnitt kein optimales Pumpen zu, was aber durch Durchtauschen der Rollen kompensiert werden konnte: Einer pumpt, der andere hält die Pumpe und der dritte macht Pause und singt dabei mehr oder weniger jugendfreie Lieder, um das Pumpteam zu motivieren.

Nach zwei Stunden hatten wir dann den Seespiegel etwa 4cm abgehoben. Um halbwegs trocken durchzukommen, werden noch etwa weitere 10cm benötigt, wobei aufgrund der Uferform davon auszugehen ist, dass es später schneller vorangeht. Die Pumpe liegt für eine weitere Aktion trocken vor Ort.

Es ging nicht mehr ganz so motiviert und schon sehr stark auf Mitternacht zusteuernd zum Brückenhallenbiwak weiter, wo wir den Abend relativ rasch ausklingen ließen und gegen 01:00 die letzten Lichter löschten.

Samstag

Gegen 9:00 Ortszeit haben wir uns dann hochmotiviert nocheinmal im Schlafsack umgedreht, sodass wir erst gegen frühen Nachmittag ausgeschlafen, satt und bereit Richtung Riesenschlot aufbrachen. Nach dem schon vor einigen Jahren gesicherten Seilstrecken bis zum ersten Schachtaufstieg (bei dem Michi und Beni dann ein paar Fragezeichen in die Quere kamen, die erst noch vermessen werden wollten) folgte dann der Anstieg bis zur Zwischenetage.

Die erste Schachtstufe war von unten einsehbar und wurde als sicher eingestuft, wobei die Handspit schon deutliche Korrosionsspuren hatten. Bei dem folgenden 36-Meter-Aufstieg zur Zwischenetage, die von den Plänen her schon bekannt war, überlegte das Team, ob die Wand erneut erschlossert werden sollte, oder ob das Risiko, nicht zu wissen, wie die Laschen am oberen Ende aussehen, getragen werden konnte.

Von Erzählungen war bekannt, dass das Seil an einer frei hängenden Y-Aufhängung angebracht war, wobei ein Seil an einer Naturöse befestigt sein sollte. Nach einigem Hin- und Her wurde beschlossen, den "alten" zu vertrauen und das Seil zu testen - es hing ja seit gut 20 Jahren niemand mehr daran. Beni klinkte sich ins Seil und überwand die Seildehnung. Michi klinkte sich dazu und so testeten wir, ob das Seil halten würde. Nachdem alles auch nach heftigerem Schaukeln noch hielt, wagte Beni todesmutig den Aufstieg, der sich als sehr schön herausstellte: Links und rechts, sowie hinter einem sind die Schachtwände etliche Meter entfernt und die Wand vor einem hat teils sehr schöne Muscheleinschlüsse. Das Wetter war eine große Hilfe, denn mittendrin nieselt der Schlot etwas - jetzt nur ein leichter Nießelregen, kann das im Sommer ganz schön unangenehm werden. Oben angekommen musste Beni feststellen, dass beide Stränge der Y-Verankerung an rostigen Handspit hingen - immerhin ohne Wandkontakt des Seils und trotz des Rosts in solidem Zustand.

Michi und dann Christian rückten nach, während Beni die Ersetzung für den rechten Spit durch einen 8er Schwerlastanker vorbereitete, der dann anschließend eingebaut wurde, ebenfalls wieder ohne Kontakt des Seils mit der Wand. Das restliche Seilende dieses Stranges wurde in die alte Lasche eingeknotet, zur Sicherheit. Der andere Anker, der die Hauptlast trägt, war bereits an einer optimalen Stelle, die nur wesentlich verschlechtert werden konnte, weswegen wir darauf verzichtet haben, ihn zu tauschen.

Die Uneo war ein voller Erfolg: ein kurzer Anker bohrt sich in ca 40 Sekunden. Die Kraft des Schlagwerks reicht trotz ausgebauter Akkus aus, obwohl die Maschine durch das fehlende Gewicht etwas instabiler läuft und man etwas mehr Druck an der Hand aufbauen muss, was aber durch die Gewichts- und Größenreduktion während des Transportes mehr als wettgemacht wird.

Anschließend wurde die Sachlage im Schlot untersucht. Es gibt zwei potentielle Fortsetzungen: In der rechten hing bereits ein etwa 10 Meter langes Seil, welches Christian bestieg, um oben weiterzuschauen. Es zweigt weiter oben ein kleiner Mäander ab, der erbohrt werden müsste. Es findet sich auch ein Band, das aber in der Wand endet; möglicherweise (aber unwahrscheinlich) gibt es dort einen kleinen Gang. Die Verankerung des Seils wurde von Christian nach dem Abstieg als sicher eingestuft, sah aber ähnlich aus, wie die anderen Anker auch. Die linke Seite ist stärker wasserführend als die rechte, es ist erkennbar, dass das Wasser aus einer Art Canyonsystem fließt. Links von dem Canyon bietet sich eine ca. 17 Meter hohe glatte Wand direkt zum Bohren an. Da diese Seite vielversprechender aussah, werden wir diese Seite vermutlich priorisieren.

Vor dem Rückzug deponierten wir noch Seile und Anker sowie Laschen auf der Zwischenetage und schossen auf jeder Seite einen provisorischen Peilmesszug. Das Abfahren an dem leicht feuchten 36-Meter-Seil ging sehr gut und schnell vonstatten. Auf dem weiteren Rückweg wurden noch die rostigen Anker erneuert, wobei wir die alten Anker als Rücksicherungen weiterverwendet haben, wo es sich angeboten hat. Der Rückweg zum Biwak erfolgte ereignislos und frohgelaunt machten wir uns ab ca. 20:00 einen schönen Biwakabend.

Sonntag

Am folgenden Tag kamen wir daher recht früh aus den Federn und waren pünktlich zum Schnitzel wieder in Obertraun. Messungen am Akku nach der Tour ergab, dass ein Lithium-Akku (14,6V / 3 Ah) nach rechnerisch 8 kurzen Löchern (4 kurze + 2 lange, wobei die langen 80Sekunden Bohrzeit beanspruchten) etwa zu einem Drittel leer war - also etwa 24 Löcher damit machbar wären.