Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Forschungen im Tennengebirge 2010

Fotos von Thomas Beilner

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Die im Jahr 2009 von Bastian und Gerhard entdeckte Schachthöhle "Kalter Schlund“ befindet sich in der Nähe der beiden bekannten Objekte "Gruber Eishöhle“ und "Doppelkaminhöhle“. Wegen der Notwendigkeit der Beschaffung von Seilmaterial wurde die Erforschung erst im August 2010 begonnen.

Der stark auswärts bewetterte Schacht erweitert sich in 35 m Tiefe zu einer großen Halle mit etwa 30m Durchmesser, deren Boden als steil abfallender Trichter in den Schacht mündet, der gro߬räumig weiter in die Tiefe führt. Die Münchner Forscher wagten sich in diesem Schacht nochmals 40 m tiefer, bis das Seil zu vereisen drohte und die Aktion wegen Eisschlaggefahr abgebrochen wurde. Im September folgte ein Vorstoß der Salzburger, die mit Spit zu einem Seitengang querten und den Schacht ab Halle ebenfalls bis in 40 m Tiefe abstiegen, wo sich der eisüberzogene Schacht auf 5 m Durchmesser verengt. Ab dort wurde es auch ihnen zu gefährlich, da ein 3 m großer Schneebalkon absturzreif an der Wand hing. Der Schacht erweitert sich nach der Verengung wieder auf große Dimensionen, unten wild durchlöcherter Schneeboden mindestens 20 x 8 m, Schachterweiterung nach NW. Insgesamt ist das ein etwa 110 m tiefer Schnee-Eisschacht. Für 2011 ist ein gemeinsamer Vorstoß von Salzburgern und Münchnern geplant.

Im August wurde von den Münchnern eine Neuvermessung der altbekannten Gruber-Eishöhle durchgeführt, da die Höhenverhältnisse in den vorhandenen Plänen nicht berücksichtigt wurden. Auch der bisher noch unbefahrene Eisschacht der Gruber-Eishöhle wurde vermessen und festgestellt, dass er trotz Bewetterung ohne weitere begehbare Fortsetzung endet. Des Weiteren wurde die Außenvermessung zur Verbindung der Objekte vorgenommen, um die gegenseitige Lage zu erkennen.

Beobachtungen in der Gruber-Eishöhle:

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Die Eisfläche in der großen Halle schmilzt pro Jahr um über einen halben Meter ab, sodass die vor zwei Jahren in Augenhöhe gesetzten Spit bereits nicht mehr erreichbar sind.

Die vom Frost abgesprengten Calzit-Bruchstücke, zu finden im Eingangsbereich sowie in den hintersten Gangteilen, die vom Eispanzer freigegeben werden, belegen in eindrucksvoller Weise, dass die Höhlen vor den Eiszeiten Tropfsteinhöhlen waren. Die gefundenen Sinterstücke stammen aus einer 5-6 cm dicken Sinterschicht. In den hinteren Gangteilen befinden sich stellenweise Teile von dicken Sinterresten noch an der Wand. Alle Sinterreste sind stark kristallisiert mit glatten Bruchflächen, wie man es aus den Höhlen Sardiniens kennt. Einige Stücke weisen ein gerade durchgehendes Loch von etwa 1 mm Durchmesser auf, wie dies nur von der Entstehung von Sinterröhrchen her bekannt ist, dem Kern späterer Decken-Tropfsteine.

Bei der Vermessung schaut man bekanntlich die Höhle etwas genauer an. Dies führte zu der Beobachtung am "Ende" des Hauptgangs, dass die Decke des Gangs in die Eisfläche eintaucht und der Gang eigentlich genauso großräumig weitergeht, wenn man sich das Eis wegdenkt. Gestützt wurde die Beobachtung dadurch, dass ein vorher schräg abzweigender "Gang" Lichtverbindung durch die gemeinsame Eisfläche hat. Diese Erkenntnis ist Grundlage für die Planungen 2011, bei entsprechender Motivation und mit Werkzeugeinsatz das Eis tatkräftig "wegzudenken", um in den weiteren Verlauf des Hauptgangs vorzustoßen.