Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Freitag, Ankunft am Gite in Amathay-Vésigneux

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Am frühen Nachmittag fuhren wir in München los und konnten den Sonnenuntergang kurz nach der Schweizer Grenze erleben. Sehr schnell flog der Peugeot Bipper über die Schweizer Autobahnen in enger Formation zu vorausfahrenden Fahrzeugen. Johanna, Robert und ich reisten schnell, jedoch nicht entspannt. Meine Synapsen feuerten und meine Beine stemmten Beulen ins Bodenblech von Roberts Neufahrzeug.

Kurzweilig unterbrach erst die Durchfahrt von Zürich die Hatz. Wie auch letztes Mal nutzten wir zur Orientierung die Methode der Zen-Navigation. Die Fahrtrichtung wird hierbei in äußerlich scheinbar ruhigen Momenten entscheiden, die höchste Konzentration auf innere Eingebung vor jeder Kreuzung erfordert. Interessanterweise führt diese Form von Richtungsfindung immer zum richtigen Ziel, auch wenn man letzteres vorher noch gar nicht kannte. Wir fuhren also beständig in die Richtung, die uns am besten gefiel. Diesmal gelangten wir erstaunlich geradlinig durch Zürich, so glaubten wir zumindest. Daher fanden wir erst in Biel zu einem Café. Nach erfrischender Kaffeepause fuhren wir über die Französische Grenze und wir erreichten das Gite in Amathay-Vésigneux gerade zeitig zum Abendessen mit unseren Freunden aus Karlsruhe.

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Auch wenn Johanna die Autobahnfahrt in weiten Teilen filmte - es hätten sich mit einiger Wahrscheinlichkeit wirklich spannende Szenen ereignen können - zeigen wir diese Aufnahmen auf unserer Heimatseite nicht. Womöglich stellt die Schweiz noch im Nachgang Strafzettel aus.

Das Gite übrigens, das empfehle ich gern weiter.

Samstag, Gouffre des Biefs Boussets

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Vor dem Abstieg zum Höhleneingang weisen Warnschilder auf die Gefahren bei Hochwasser hin. Wir hatten trockenes Wetter und Temperaturen nahe dem Nullpunkt. Schön und kalt, also waren wir sicher.

Bedacht hatten wir jedoch nicht eine andere Schwierigkeit, den Besucherverkehr an einem Samstag Nachmittag. Speläologie ist in Frankreich Breitensport. In der Höhle ging zu wie auf der A8 kurz vor München, wir standen beständig im Stau. Da so viel Menschen unterwegs waren hatten wir Zeit und entwickelten Freude am Filmen.

Hier als erstes der Abstieg zum Höhleneingang.

 

Und nun ein paar Eindrücke aus dem nachfolgenden Mäander im eingangsnahen Bereich. Wenigstens 6 Franzosen befanden sich vor unserer Gruppe von 7 Personen. Weiter vorn waren nochmals 3 Mann von uns. Der Geruch von verbranntem Karbit lag, ähnlich Alkoholgestank, unangenehm in der Höhlenluft.

 

Langsam ging es über die Eingangsstufen (P12, R2, R4, R4, P10, R2, R2) den Mäander entlang. Die Höhle ist weitgehend sauber und schmucklos. Einige Gumpen und kurze Wasserbecken müßen gequert werden. Alles unkompliziert für in SRT Geübte. Nachstehend Filme über einen Abstieg, vermutlich einer der R2 und den weiteren näheren Weiterweg.

 

 

Nach einer Halle mit einigen Sinterbecken krochen wir im oberen Teil eines Canyons eng und nicht unschwierig über bis zu 20 Meter Luft. Im "Salle Machin" folgten Robert und Stefan einem Schluf bis zu einer weiteren Kette von Schachtstufen (R3, R3, R3, P17, P7, P6), die zum "Collecteur" führen. Diese Schachtstufen waren bereits mit Seil ausgebaut. Der nächsten Filme zeigen Johanna auf dem Rückweg durch einen Schluf und mich vor einem eingeschwemmten Pflänzchen, welches in absoluter Dunkelheit nach Licht strebt. Ein eindrucksollver Beweis für unbedingten Lebenswillen, wenn vermutlich auch nur unbewußt. Doch, so glaube ich, kann anhand des Bildes über Verantwortung im Leben nachgedacht werden.

 

 

Im begangenen Teil des Lochs war der Fels zumeist freigewaschen von Ablagerungen und extrem sauber. Hier versuche ich mich ein glattes Stück Schacht, einen R2 hochzustemmen. Allein es hat mir an der Kraft im Oberschenkel, sowie an der Technik gefehlt. Es ist, ganz ehrlich, somit nicht die hörbare Rüge von Johanna, dass ich ins Seil greife.

 

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Auf dem Rückweg baute Robert die Seile aus. Ein Seil, welches direkt in einen Bohrhaken gebunden war, konnte er nicht lösen. Messer hatte er keines, aber als Nichtraucher, aus unbekanntem Grund, ein Feuerzeug. 

Die helfende spontane Idee den Knoten mit einem Feuerzeug durchzubrennen führte zum Erfolg und zu einer schlimmen Brandwunde am Finger, die am Abend durch Ausbrennen mit 40%igen Rum behandelt wurde.

Sonntag, Gouffre de Rappant

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Roberts Finger sollte geschont werden. Wir einigten uns auf eine einfache Halbtagestour, möglichst ohne Dreck.

Das sehr kurze Loch befuhren wir durch einen 30 Meter Schacht. Der Seileinbau erzwang den Weg mit einem Spagat über den Schacht. Johanna hatte damit keine Schwierigkeiten, meine Muskulatur verweigerte jedoch ihren Dienst. Derart gezwungen ergänzte ich den Einbau um eine Umsteigstelle. Damit gelang mir die Befahrung problemlos.

Die Höhle war stark versintert und leider noch stärker verdreckt. Sie muß einstmals wunderschön gewesen sein. Fehlende Markierungsbänder führten zu Befahrungsspuren überall. Ein Sinterbecken befand sich nach dem anderen. Nach einem Schluf fand sich ein Becken, welches nicht überstiegen werden muß. Uns gefielen die tollen Lichtspiele, die das Licht unserer Lampen über die vorhandenen Wasserbecken zauberte.

 

 

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 Auf der Rückfahrt zum Gite besuchten wir die Source de la Loue. Eine kurze Wanderung führte vom Parkplatz zum Fluß. Hat ein Besucher noch etwas Zeit lohnt die Fahrt zu einer Kapelle, etwa einen Kilometer entfernt und sehr exponiert auf einen Hügel oberhalb der Quelle. Deren Eingang ist augenscheinlich auf den Punkt der Wintersonnenwende ausgerichtet.

Der Standort schaut aus, als ob er schon in der Antike für ein Heiligtum genutzt wurde. Sehr interessant jedenfalls - nicht nur der Bauplatz, sondern auch die räumliche Nähe zur Quellhöhle.