Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Her mit dem Messer, wir retten uns!

- Auch ein Appell für soziales Engagement -

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Bislang hatten wir die Rettung aus dem Seil geübt und Techniken verwendet, die es erforderten das Opfer anzuheben. Zumeist endeten diese Versuche in totaler Erschöpfung des Retters und des Opfers, sowie des öfteren auch mit dem Ruf nach einer Leiter. Offensichtlich ist die zur Rettung notwendige Abfolge von Einzelschritten fehlerträchtig, anstrengend, dauert vergleichsweise lang und ist damit auch gefährlich.

Eine bessere Idee mußte her.

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Ich glaubte gelesen zu haben, wo konnte ich mich nicht erinnern, dass die Schweizer Höhlenrettung das Seil durchschneidet. Nachdem wir im Lager des VHM noch etliche alte Stricke hatten, was lag näher als eines dieser Seile für den Versuch zu verwenden. Johanna stellte sich als Unfallopfer zur Verfügung. Kaum glaubte ich es selbst, in wenigen Minuten hatte ich sie am Boden, völlig ohne Anstrengung und das, obwohl ich nach eigener Einschätzung nicht alle Handgriffe optimal gesetzt hatte. Fast idiotensicher einfach ist diese Technik. Am Messer sollte sich möglichst niemand verletzten und der richtige Strick zum Durchtrennen ist auch zu wählen. Diese Entscheidungen gilt es auch unter Stress optimal zu treffen. Mehr beachten muß man eigentlich gar nicht.

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Mit einer Abfolge von Bildern dokumentierte Peter Forster unser beider Versuche, ich rette Johanna, Johanna rettet mich, wir retten uns. Hoffentlich kommen wir nie in eine Situation, welche eine solche Maßnahme erfordert. Hoffentlich ist ein Kamerad fit, wenn es mich treffen sollte.

Im Prinzip gingen wir wie folgt vor: Der Retter steigt am Seil zum Verunfallten ab oder auf. Es ist nun für das Schneiden des Seils wichtig, dass etwa 1,5 Meter Seil verfügbar sind. Dies sollte allein schon durch die Seildehnung zweier Personen bei entsprechender Seilstrecke gegeben sein. - Zu knapp darf jedoch dennoch nicht eingebaut worden sein. Knappe Einbauten sind ansich schon schwierig, zu zweit sicher ein Disaster. - Das Seil wird hochgezogen und in einer Schlaufe zu der Handsteigklemme des zu Rettenden geführt, an der dieses fixiert wird. Mit einem frei hängenden Seilende ist diese Technik noch einfacher, das Seilende wird dann einfach an der Handsteigklemme des zu Rettenden angebracht. In die nach unten führende Seilstrecke wird das Abseilgerät des zu Rettenden eingebaut und mit der Handsteigklemme gespannt. Bitte darauf achten, dass der Retter mit der kurzen Longe am Verunfallten hängt, ein Stück unterhalb. Wichtig beim Umbauen ist es, immer auf die doppelte Sicherung am Seil zu achten. Stimmt alles, kann das Seil gekappt werden. Der zu Rettende fällt dadurch fast unmerklich in das an seiner Handsteigklemme fixierte Seil. Ein Bremskarabiner erscheint zum Abseilen aufgrund des Gewichts zweier Personen hilfreich.

Das war´s, jeder kann helfen, regelmäßig üben muß man halt.

Johanna und ich waren vor wenigen Wochen in Ägypten Tauchen. Im Hotel bekommt man als Gast nicht allzuviel vom Alltag mit. Da ich jedoch nicht das erste Mal Vorort war, fiel mir schon Veränderung auf: Reich wird reicher, arm wird ärmer. Sichtbar am sanierten und privatisierten Steg, den der ansässige Fischer aus Kostengründen nicht mehr nutzen kann. Die Probleme in Ägypten sind sicher vielschichtig.

Mir liegt es am Herzen uns bewußt werden zu lassen, wie fragil Werte sind, wenn niemand für diese eintritt. Werte, die wir als selbstverständlich erachten. Engagement und das Einsetzen für andere, beispielsweise durch Mitarbeit im VHM, muß einen jedem von uns Verpflichtung sein. Jeder ist gefordert seinen Betrag an einer menschenwüdigen Welt zu leisten. Letzteres ist eben nicht selbstverständlich.

 

Nachtrag:

Hier der Link zu einer Anleitung gemäß der im Text erwähnten Methode zur Rettung aus dem Seil:

http://www.hoehlenrettung.ch/de/documents/D03.pdf