Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Hirlatzhöhle – Besuch der Sahara 

Der Weg hinein

Tag 1

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Die vorbereitende Organisation war für mich zeitraubend. Beruflich häufte ich die eine oder andere Überstunde an, ich hätte mir mehr Zeit gewünscht. Gepäck und Verpflegung für 3 Tage mußte besorgt und gepackt, alle Akkus gepflegt werden. Letzteres dauerte bei mir eine ganze Woche in der die fünf Ladegeräte durchliefen und überall die Freiheit der Bewegung innerhalb der Wohnung von Johanna massiv einschränkten. Als ich endlich alles zusammen, in der Funktion überprüft und verpackt hatte, ging ich noch Vormittags zur Arbeit. Wir wollten uns um 16 Uhr in Hallstatt treffen.

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Schon bald zeigte sich, dass wir kaum 16 Uhr schaffen würden, also trafen wir uns alle am Mc Donalds kurz vor Salzburg, im Warmen. Vierzehn Mann und eine Frau, für die Schlange am Schalter waren wir diesmal selbst verantwortlich. Es war schon dunkel, als wir alle am Parkplatz in Hallstatt eintrafen und nach kurzem Umziehen mit dem Austieg zur Höhle begannen. Es lagen etwa 15cm Schnee, die denkbar ungünstigste Schneelage, weil wir weder Halt auf dem Schnee, noch auf dem rutschigen Boden fanden. Aufgrund der Größe der Gruppe mit den völlig unterschiedlich gepackten Ruck- oder Schleifsäcken, zog sich die Karawane sehr in die Länge. Nach dem windigen Eingangsschluf trafen wir uns in der ersten Halle. 

 

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Wir warteten aufeinander, trugen uns ins Höhlenbuch ein und besprachen das weitere Vorgehen. Schnell waren wir uns einig, daß wir die Gruppe aufteilen wollten. Einige von uns wollten Fotografieren, auch das Gepäck, sowie die Kondition war unterschiedlich. All diese Faktoren beeinflussen maßgeblich die Geschwindigkeit. Wer hätt´s gedacht...

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So ging die schnellere Gruppe, die im Teil bis zum Sprengstellenbiwak keine Fotos machen wollte, voraus: Johanna, Berti, Beni, Michi, Zsolt und ich. Die andere Gruppe Peter, Thomas, Gerhard, Herbert, sowie fünf weitere Namen, an die ich mich mit nun 6 Wochen Abstand spontan nicht mehr erinnern kann, fertigten eindrucksvolle Bilder. Etwa 2 Stunden nach dem Abmarsch am Parkplatz hatten wir den Zubringer hinter uns und wir begannen unseren Weg im Blocktunnel nach Westen.

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Wir kamen schnell voran, die 25 Meter Leiter, der Graue Gang, ein periodischer Siphon, der sich im Frühjahr für Monate verschließt, und die 60 Meter Leiter. Letzteres ein wirklich eindrucksvoller Aufstieg in einem senkrechten Schacht. 

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Vom Kopf der 60 Meter Leiter waren es nur wenige Meter bis zum Pendler. Die heutige Brücke ersetzt ein früher für die Stelle namesgebendes Seil. Sie ermöglicht die einfache Querung einer gut 30 Meter tiefen Schlucht. Nach dem Pendler folgte ein ausgesetzer Aufstieg, an einer Stelle führte der Weg an einem vorstehenden Fels entlang und drängte mich mit dem Körper über so weit in die Kluft, dass unter den Füßen nur noch Schwärze herrschte.

Im Film: Berti und der Pendler.

 

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Die Höhle veränderte oberhalb vom Pendler vorübergehend deutlich ihren Charakter. Plötzlich haben die Wände wilde Fließfacetten und Formen, die nur durch extremste Wasserturbulenzen entstanden sein können, sind fein zerklüftet und sehr hart. Der steile Aufstieg wird kleinräumiger. Besonders erinner ich mich an eine Stelle an der etwa vier Meter sicherungslos auf einem in Richtung Schacht geneigten schmalen Sims zu queren sind. Die Schuhe halten auf dem rauhen Kalk. Es ist reine Kopfsache so nah am Abgrund entlang zu gehen.

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Nach insgesamt vier Stunden kamen wir zur Sprengstelle. Herbert und sein Bruder Ludwig hatten hier seinerzeit als Erste mit ihren Lampe ins Dunkel geleuchtet. Heute gibt es einen kurzen senkrechten Schluf, der mitten in einem großdimensionierten Gang mündet. Das Sprengstellenbiwak liegt etwa 50 Meter weiter.

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Drei Höfos befanden sich schon dort, Gerhard und Gabriel, sowie einer, den ich nicht kannte. Sie waren für eine Sondierung am Ende des Geistermandl-Gangs in der Höhle, erklärten uns aber sofort, dass dort Ende sei. Wir suchten uns Schlafpätze, achteten, dass auch die zweite Gruppe noch Isomatten und Schlafpätze hatte.

Trotzdem herrschte ein großes Durcheinander am Boden, die Plätze reichten nicht. Die zweite Gruppe mußte an einigen Stellen im Lehmboden graben, als sie nach weiteren 2 Stunden ankamen. Wir waren da schon mit dem Essen fertig und froh im Schlafsack verschwinden zu können. Außerhalb des Schlafsackes hatte es etwa 4 Grad und einen deutlich spürbarenen Luftzug, eine ungemütliche Kälte.

 

Tag 2 - morgens

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Die Uhrzeit zu der ich aufwachte, kann ich nicht benennen. In völliger Dunkelheit verlor sich mein Zeitgefühl und ich hatte keine Uhr an mir. Mir schien es spät. Die geplante Fahrt zur Sahara erforderte nach unserer Vorbesprechung 12 Stunden Zeit. Somit wollten und sollten wir früh aufbrechen. Als nach einer gefühlten halben Stunde in der ich Tee kochte, sich bei den anderen immer noch nichts rührte, schritt ich zum gewaltsamen Wecken. Ich schaltete die Scurion an und es ward hell wie der Tag.

Die anderen quälten sich aus ihren wärmenden Hüllen.

 

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Nach der Erfahrung vom Vortag bildeten wir erneut zwei Gruppen. Herbert wechselte zu uns. Neben Beni war er der einzige der den Weg zur Sahara kannte. Am Mückensee, der so heißt, weil darin lebende Mücken gefunden wurden, die vermutlich der Wind durch irgendwelche Spalten hineingetragen hat (eine tote Mücke fanden wir auch), bückten wir uns das erste Mal. Etwa knietief wateten wir gebückt durch den Schlamm. Danach liefen wir eine unbestimmte Zeit völlig aufrecht, unterbrochen durch einige Kletterpassagen, weiter. Ich erinnere mich noch an die Regel von Herbert: "links und links". So ging es mit einigen Abzweigungen dahin. Beeindruckend waren die Farbspiele durch unterschiedliches Licht. Johanna filmte seitlich ein Stück Boden.

 

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An einer Stelle mit einer überhängenden Leiter fanden sich unterhalb schöne Lehmtürmchen. Meine Kamera löste zu meinem allergrößten Ärger nicht mehr aus. Ich fand erst mit einiger Verspätung heraus, dass dies an einem Kabelbruch des Firefly Auslösers lag. Behelfsmäßig blitzte ich von dieser erst später einsetzenden Erkenntnis an in eine manuelle Belichtung von zwei Sekunden hinein. 
Das Bild der Leiter ist deshalb erst auf dem Rückweg entstanden.

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Neben den Türmchen stehend fiel mir die Lösung nicht gleich ein, ich versuchte noch länger, den Auslöser zu reparieren. Zsolt half aus. Alle gezeigten Bilder sind von den Fotografen Peter, Thomas, Johanna, Zolt und nur teilweise von mir. So erklären sich die unterschiedlichen Formate. Kameras hatten wir genug dabei. Dennoch schlug ich den Vorschlag aus, meine Kamera an Ort und Stelle zurück zu lassen.

Wir gingen immer weiter in den Berg hinein. Mehrmals betraten wir seitlich scheinbar größere Gänge. Ideale Bedingung um auf dem Rückweg den richtigen Abzweig zu verpaßen. Falls ich erneut zur Sahara gehen müßte, bin ich mir heute nicht sicher, dass ich den Weg fände. Im Film ein solcher Zugang von der Seite.

 

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Irgendwann sah ich eine auffällige Sandformation rechts von mir. Ich erinnerte mich an eine Diskussion über einen Platz, der Sandburg hieß. Die Sandburg solte links liegen gelassen werden. Die von mir gesichtete Formation erschien mir eindeutig. Ich würde es nicht anders benennen. Die Sandburg links liegen lassen, bedeutete in diesem Fall jedoch rechts gehen. Herbert war sich nicht sicher. Beni und Michi setzten sich durch. Wir gingen rechts und bogen sofort links ab. So ließen wir die Sandburg links liegen.

 

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Wir erreichten einen niedrigen Gangteil, der Boden wunderbar sandig und weich. So war das Bücken nicht so schmerzhaft, wie auf hartem steinigen Untergrund. Fast wollte ich liegenbleiben. Rasch verdrängt ich den Gedanken. Wenige Sekunden ohne Bewegung und die allgegenwärtige Kälte würde mir durch den dünnen Schlaz ins Gebein fahren. Also weiter!

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Kurz nach dem niedrigen Gang folgte eine kurze Kletterrei steil durch einem Versturz die Halle des Staunens. Naja, die Halle ist schon unerwartet weitläufig, selbst für Verhältnisse in der Hirlatz.

Durch Slowenien bin ich etwas verwöhnt. In der Halle des Staunens konnte ich klar erkennen, wo ich herkam und wo es weiterging.

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Trotzdem, die Halle des Staunes war groß. Wir rasteten das erste Mal seit unserm Aufbruch im Biwak und nahmen uns die Zeit für ein paar wenige Bilder. Deutlich zeichnete sich schon der Weiterweg ab. Mannhohe Gesteinsblöcke lagen in einem riesigen Spalt, der tiefer in den Berg führte. Die Decke war kaum auszuleuchten. Wir sprangen von Block zu Block, kletterten steil bergan und bald wieder bergab. Zwei Verstürze lagen auf dem Weg, die auf unterschiedlichen Wegen durchschluft wurden.

Als Zwerge waren wir zwischen Riesensteinen in einem gigantischen Höhlensystem unterwegs.

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Der Jalot bildete den Auftakt der Echokluft. Ausgesetzt oberhalb eines kleinen Überhangs offenbarten sich einge Blicke in den Abgrund. Spannend war dabei die Frage, in welcher Qualität die Trittstifte und das Handseil erhalten ist. Alles schien in guter Ordnung. 

Herbert meinte bei der nächsten Pause an einem kleinen See, wir lägen gut in der Zeit. Da waren wir knapp drei Stunden vom Biwak her unterwegs. Er erzählte, wir wären bald an unserem Ziel, da wir schon weit mehr als die Hälfte der Strecke bis zu dem gewaltigen Hohlraum der Sahara zurückgelegt hätten. In 1 1/2 Stunden seien wir dort. Gern schenkten wir ihm Glauben. Nur 9 Stunden, statt 12 Stunden Geh-, Kriech- oder Kletterzeit, das wär schon angenehm. Johanna filmte in der Pause riesige Kuhtrittmuscheln.

 

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Wir verließen die Echokluft und weiter ging es bis zum Grünkogelsee. Den See überwanden wir hüpfend von Stein zu Stein. Das bald folgende, von den Engländern genutzte, Grünkogelbiwak passierten wir unterhalb.

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Sehr großräumig ging es einen dunklen Gang etwa 60 Höhenmeter bergab. Felsen, immer wieder sanddurchsetzt. Spuren von Menschen waren kaum mehr zu sehen. Es folgte ein 30 Meter hoher Anstieg. Wir zogen Spuren im Sand bis zu dem riesigen Abstieg des Grünkogelsiphons. Der Gang hatte die Dimensionen einer Halle. Auch hier gab es nur wenige Spuren auf dem Boden. Entweder waren bislang tatsächlich nur so wenige Menschen hier oder es kommt in diesen gigantischen Querschnitten zu regelmäßigen Hochwasserereignissen. Unvorstellbar, aber vermutlich stimmt Letzteres.

Die Gegend ist im Sommer hochaktiv und nur bei sehr guter, trockener Wetterlage sicher befahrbar. Die Gänge sprechen teils schon bei etwas heftigerem Gewitterregen an.

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Wir wußten, der Grünkogelsiphon wird oberhalb überstiegen. Nur kurz suchten wir den mit Steigbügeln gesicherten Aufstieg. Er lag direkt vor unserer Nase rechts am Scheitelpunkt des sandigen Ganges. Die etwa 40 Höhenmeter Aufstieg waren - wir hatten keine Sicherung - psychisch fordernd. Insbesondere, da aus meiner Sicht an einem Punkt auf etwa 1/3 der Strecke ein Bügel fehlte. So mußte ich quasi an einem Arm und einem fragwürdigen Spit seitlich ins Leere schwingen. Das gelang mir erst im vierten Anlauf.

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Oben folgten wir dem engen Gang und wanden uns nach oben durch einen Versturz. Es folgte ein 6 Meter Abstieg am Seil, das Seil einmal um den Oberarm geschlungen. Dies erzeugte ordentlich Reibung, auch wenn sich das Gefühl einstellte, der Arm könnte an der Schulter ausreißen.

Wahrhaftig, ab dieser Stelle, fränkische Verhältnisse und die engste Stelle der Befahrung! Hochkant horizontal auf der Schulter schlufte ich durch die anstehende Engstelle. Nach einigen weiteren engen Stellen gelangten wir von seitlich oberhalb in den Gang des Grünkogelsiphons zurück.

Wir waren hinter ihm, die Sahara voraus!