Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Forschungswoche am ‘Unsünnigen Winkl’ 19.8.-28.8.2011

SteinernesMeer 8490

Zu acht haben wir im Verein es gewagt, ein neues Forschungsgebiet zu aktivieren. Das war natürlich mit mühsamer Vorbereitung, vor allem Schleppen verbunden. Trotzdem ist es uns gelungen, ein provisorisches Lager an der Kuhscheib zu installieren. Die Idee war, den Unsünnigen Winkl von unten her zu erforschen und später zu einem höheren Lager zu ziehen.

Am Freitag sind Johannes, Toni und ich vom Leiterkopf angekommen (da war viel Material vom Hubschrauberflug deponiert). Am Samstag kam Berti dazu und am Sonntag Markus, Anne und Klaus. Klaus ist am Mittwoch wieder abgestiegen, Christa kam am Donnerstag dazu und Berti ist am Freitag ins Leiterkopf-Lager gewechselt.

SteinernesMeer 3177
SteinernesMeer 2931

Vor allem hat Berti die Positionen von Schächten mit GPS eingemessen. Ein paar Höhlen haben wir genauer angeschaut, so den Depotschacht. Da mussten wir die Spit von Hand setzen, was ein zeitraubende Tätigkeit war. Nach einer schrägen Kluft samt Engstelle kommt eine Abseilstrecke, ca. 25 m, dann ums Eck eine linsenförmige weitere Abseilstelle, ca. 20 m, die auf einem Boden endet. Dort geht ein Schlot nach oben und gegenüber eine Engstelle mit Kammer und danach ein mäandrierender Gang, allerdings nur ca. 10 m, dann war er auch mir zu eng. Insgesamt ist die Höhle ca. 50 m tief.

SteinernesMeer 3043
SteinernesMeer 3222

Die meiste Zeit war das Wetter gut und die Wasserversorgung schlecht. Die Küchenplane haben wir so gespannt, dass Regenwasser in eine Tonne fließen konnte. Leider hat es nur in der ersten Nacht geregnet. So mussten wir Altschnee sammeln und abkochen. Das Wasser war trotzdem lila...

Am Montag haben wir eine Rundtour um die Gamsscheib gemacht, einmal um uns zu orientieren, dann um den Rest unseres Materials (z.B. Schachtzeug) von einem Zwischendepot zu holen, damit wir endlich alle ausgerüstet waren. Diese Tour war recht schön, auch weil wir dabei ein besseres Schneefeld und eine Quelle gefunden haben. Endlich!!! Der Weg dahin war zunächst auf einem winzigen, uralten Almsteiglein, etwas ausgesetzt und an einer Stelle nicht mehr ganz in Ordnung. Und wir haben ein neues Loch entdeckt, allerdings konnten wir ohne Höhlenausrüstung nicht weit hinein schauen. Aber es war viel Wind und die Wände in wunderschönen Pastellfarben.

SteinernesMeer 2982

Später konnten wir das ganze Gebiet überblicken: Da gibt es noch genug zu forschen! Einige Schächte kennt Toni noch aus alten Zeiten und Berti hat viele Objekte eingemessen. Trotz Sonnenhitze war die Tour so ausgetüftelt, dass wir einen großen Teil des Weges im Schatten gehen konnten.

Interessant war auch der Schacht, in dem wir den ersten Schnee gesammelt haben: Unter dem Schneekegel geht es seitwärts eng in den Nachbarschacht, mit einem Schneepfropfen darüber und nebenan einem verschlossenen Schlot. Neben diesem kleinen Schacht zieht eine markante Störung, die wir im Lauf der Woche auch angeschaut haben, allerdings ohne einen größeren Durchbruch. Toni meint, da muss ein Winter drübergehen. Bin neugierig!

SteinernesMeer 3212

Am Mittwoch sind Berti und Anne zur Fischunkel abgestiegen, wo Eisenteile gelagert waren. Am Abend sind sie zu viert (zwei Gäste) aufgetaucht, mit dem Material und mit Wasser von der Wasseralm.

Ich nutzte diesen sonnigen Tag, um ein paar Viecher einzusammeln. Udo (Höhlenforschergruppe Rhein-Main) hat mir dafür kleine Gefäße mitgegeben und mich beauftragt, für Stefan Zaenker (bundesweiter Spezialist für Höhlenfauna) was zu sammeln. Ob diese Aktion erfolgreich war, wird sich rausstellen...

Toni, Johannes und Markus fanden inzwischen Kluftschächte unterhalb von unserem Lager.

Am Donnerstag waren Christa, Johannes, Toni und ich in der Depothöhle, da ist Besuch vom Leiterkopf gekommen! Rainer hat bei uns vorbeigeschaut, weil er neugierig war, wie es uns hier geht. Er war an den Tagen davor in der Höhle vom Leiterkopfsystem mit Zwischenbiwak.

SteinernesMeer 3208
SteinernesMeer 8463

Markus, Anne und Berti waren inzwischen in verschiedenen Schächten (für Anne das erste Mal), unter anderem befuhren sie den Veteranenschacht. Sie haben weitere stark blasende Löcher gefunden.

Am Freitag erkunden wir zu sechst die neue “Höhle am Ziegensteig”. Durch pastellfarbenes Linsenprofil mit Knöpfchensinter geht es zunächst um zwei Ecken, dann einem kleinen (manchmal aktiven?) Rinnsal leicht abwärts, dann steiler und schließlich so steil, dass wir Seil bräuchten. Diese Höhle wollen wir unbedingt nächstes Jahr wieder anschauen. Wir haben uns jetzt schon Gedanken gemacht, wie wir sie dann so befahren, dass die unberührten Sinterknöpfchen nicht zerstört werden.

SteinernesMeer 3235
SteinernesMeer 3228

Zurück im Biwak entdecken wir, dass vom Leiterkopf-Biwak jemand (Noreen) weitere, vergessene Sachen vom Helitransport gebracht hat. Das hat uns gefreut!

Ausgerechnet in dieser Nacht hat es geregnet, so dass wir am Samstag bei Regen und Graupel das Lager abbauen mussten. Das war schwierig. Und bei Schneetreiben sind wir zur Wasseralm abgestiegen. Am Sonntag haben wir beim Abstieg ins Tal dann wieder Sonne gehabt. Und die komplette Leiterkopf-Gruppe getroffen! Zu elft haben wir in der Salet gefeiert...

SteinernesMeer 8575

Kleine Bilanz: Wir hatten eine schöne und spannende Woche, leider mit viel Schleppen verbunden. Am Schluss waren wir uns einig, dass wir nächstes Jahr nochmal zur Kuhscheib gehen, weil es vorerst hier noch viel zu tun gibt, und erst später das Lager weiter nach oben versetzen.