Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Höhlenrettungsübung 2010, Scheukofen

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Der Verein für Höhlenkunde in München übte mit der Höhlenrettung Salzburg und der Bergwacht München den Ablauf einer Höhlenrettung. Schade, dass die Höhlenrettung Südbayern gegenwärtig in 5 einzelne Wachen zersplittert ist. Deshalb waren nur 9 Retter aus München zugegen und 6 Kameraden aus Salzburg. Die Salzburger hatten eine größere Übung ein paar Wochen zuvor mit Freilassing. Ich persönlich war skeptisch, ob die geringe Anzahl an Personen fähig sein würde die Rettung durchzuführen und abzuschließen. 

Nach meiner Überzeugung benötigt es pro 10 Höhlenmetern 2 Retter, wobei das Minimum bei 9 Rettern liegen dürfte. Der tatsächliche Personalbedarf kommt selbstverständlich auf die Höhle an, aber mal zur ersten Annäherung ist diese Größenordnung nicht total verkehrt. 4 Mann die Trage, eine medizinische Betreuung und 4 weitere, die den Ausbau vorbereiten. Da fehlt es dann schon an der Einsatzleitung und den Verpflegungstrupps. Servus TV sollte filmen, eine zusätzliche Herausforderung für die Beteiligten. 

Die Salzburger legten sich ins Zeug und fuhren ihre Suppenküche vor. Belegte Semmeln, Marsriegel und Getränke waren dabei. Jeder Retter bekam eine Verpflegungsbox. Die Szenen für Servus TV wurden besprochen und für´s Fernsehen nur bestimmte abgesprochene Situationen gefilmt. Die Rettung verkürzte sich durch diese Vereinfachungen auf eine durch die vorhandene Mannschaft in der Übungszeit machbare Strecke von etwa 70 Meter.

Als Patient meldete ich mich freiwillig und bereute es sogleich. Schließlich wußte ich, was es bedeutete als Paket verschnürrt, den anderen ausgeliefert, durch eine Höhle geschleift zu werden - ich hatte Sorge.

Langatmig wurden am Höhleneingang Interviews gegeben. Die Zwischenzeit nutzten Johanna, Berti, Thomas und ich um den Scheukofen bis zum Siphon zu befahren. Auf dem Rückweg legte ich mich an der vereinbarten Stelle als Opfer auf den Boden. Wir warteten an die 3 Stunden bevor die Trage kam. Servus TV filmte den Transport aus verschiedenen Blickwinkeln. Da nur eine Kamera dabei war, mußten die Strecken zum Teil mehrfach befahren werden. Im Film sieht man die Kamera am Eingang des Scheukofens und den Abmarsch der Retter. 

 

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Meine Ersthelfer Thomas und Johanna hatten mich warm verpackt und froren beim Warten mehr als ich. Die Warterei war schrecklich. Wie hätte sich wohl jemand verhalten, der sich wirklich nicht mehr rühren könnte? Ich wollte mir dies gar nicht vorstellen. Johanna kuschelte sich an mich und hielt mich warm. Toll war es auch, wenn sie meine Hand hielt. So einfache Dinge stüzten die Psyche... und ich war angeschlagen, dabei war ich noch nicht einmal verletzt. Nach etwa 2,5 Stunden war mir meine fiktive Knieverletzung egal, stand auf und ich ging mal kurz ums Eck. Gut, dass ich eine HWS habe, wenn auch wenn die Lagemeldung am Grubentelefon schlimmes vermuten ließ.

 

Jo bat um heißen Tee. Über das Telefon wurde dieser geordert. Und tatsächlich, der Tee wurde gebracht. Heißer Tee für unsere zitternden Körper. Unser Zustand zeigte, dass aus der Übung langsam ernst werden würde, wenn wir noch länger warten müßten. Zittern ist die erste Stufe beginnender Unterkühlung. Richtig gefährlich würde es allerdings erst, wenn wir nicht mehr zittern würden.

Nach nicht enden wollender Zeit war das Filmteam und die Trage endlich da und es wurde um mich herum wuselig. Ich wurde in die Rettungstrage verpackt. Es war überraschend bequem in der harten Schale und sofort richtig warm. Perfekt! Ein Gefühl wie im Kinderwagen. Die Perspektive untersützte diesen Eindruck. Aus der Trage sah ich nur die Decke. Mir fielen viele interesante Strukturen auf, die ich noch nie beachtet hatte. Neben der Decke sah ich viele Gesichter, die sich über mich beugten - ein Dejavu mit meinen Kleinkindtagen.

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Auch den anderen wurde nun warm. Laut und rumpelig ging es vorwärts in Richtung Ausgang. Fürsorgliche Hände schützten mein Gesicht vor Wasserspritzern und zu engem Felskontakt. Selbst hätte ich nichts unternehmen können. Mein ganzer Körper war fest verzurrt. Von dem Geschehen um mich herum bekam ich kaum etwas mit, auch der Kopf war fixiert.

Die Kameraden leisteten Schwerstarbeit. Einmal war es so eng, dass meine Nase den Fels berührte, nur ganz leicht. Keine halbe Minute später hingen meine Schuhe fest. Diese bildeten den höhsten oder besser geschreiben, den dicksten Punkt der Trage. Meine Retter erkannten das Problem und bugsierten die Trage seitlich an dem Hindernis vorbei. Dass meine Füße irgendwann im Wasser lagen, merkte ich nicht. Sorgfältig achteten alle darauf, dass der Kopf immer gegenüber den Füßen erhöht lag. Interessant fand ich, dass mir das Gefühl für die Körperlage abhanden kam. Ob es aufwärts oder eben dahinging, ich konnte es nicht beurteilen.

Johanna filmte einmal mit ihrer Kamera und störte damit das Filmteam bei der Aufnahme: "Ihr sollts das Telefon weg tun." Keiner neben mir verstand was gemeint war. In der kurzen Filmsequenz ist der Wortwechsel jedoch aufgezeichnet und im Nachhinein auch klar, was das Anliegen war. Leider ist deutlich hörbar, dass der Ton nicht synchron ist. Er läuft zu schnell.

 

Die Rettung ging über etwa 20 Meter Schrägschacht und ca. 30 Meter Seilbahn. Die Seilbahn empfand ich als sehr ruhigen Transport. Verglichen mit dem Transport im Schacht war es nun geräumig und für die Retter einfacher zuzupacken. Es schien auch schneller zu gehen. Die Decke rauschte an mir vorbei. Mehrfach wurde ich gehoben und umgehängt.

 

Nach einigen hin und her Bewegungen mit mir an der Seilbahn, hatte ich plötzlich ein Mikro über dem Gesicht hängen. Wie es mit ginge? So spontan fiel mir keine stotterfreie Antwort ein. Meine Hoffnung war, der Filmschnitt wird alles richten.

Nach diesem kurzen Interview, welches ich Servus TV gab, durfte ich aussteigen. Schlagartig war mir kalt. Noch immer waren wir 50 Meter vom Höhleneingang entfernt. Die Aufnahmen waren jedoch abgeschlossen, die für die Übung verfügbare Zeit auch vorbei. Gefilmt wurden über 3 Stunden, Material für einen 5 Minuten Betrag. Das Filmteam war zufrieden.

Alle Beteiligten hatten ihr bestes gegeben. Zurück am Parkplatz verspürte ich Dankbarkeit. So viele Menschen, so viele Freiwillige haben ihre Freizeit geopfert - für mich, um mich zu retten. Ich werde mir keine Sorgen mehr machen.

Schön, dass es diese Menschen gibt.

Ergänzung von Werner Zagler, BW München Trupp Höhlenrettung:

Höhlenrettungsübung der Bergwachtbereitschaft München

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Am Samstag, den 23.10.2010 führte die Höhlenrettungstruppe der Bergwachtbereitschaft München ihre alljährliche Rettungsübung durch. Zusammen mit dem „Österreichischen Höhlenrettungsdienst Landesverband Salzburg“ wurde die Rettung eines verunfallten Höhlengehers geübt.

Das Besondere dieser Übung war, daß die Aktion durch ein Filmteam begleitet wurde, das im Auftrag des Fernsehsenders „Servus-TV“ (ehemals Salzburg-TV) einen Beitrag über Höhlenrettung zusammenstellt. Daher bot es sich auch an, die Übung zusammen mit den Höhlenrettern aus Salzburg durchzuführen um auch die langjährige gute Zusammenarbeit weiter zu pflegen. Die Anreise zur Unterkunft am Paß Lueg erfolgte bereits am Freitag Abend, um den Ablauf der Übung zusammen mit dem Filmteam zu planen.

Am Samstag war es dann soweit: Anfahrt zum Parkplatz, Umziehen, Auspacken des Materials und Anmarsch zur Höhle: Alles wird ausgiebig mit einer beeindruckend großen Kamera dokumentiert. Auch der Tonmann ist immer dabei und dann und wann werden vom Redakteur Spontaninterviews gemacht.

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Dann am Höhleneingang: Der zukünftige Patient mit seinen Betreuern macht sich auf den Weg zum Unfallort. Anschließend wird wie im realen Einsatz vom Kommunikationsteam die Telefonleitung verlegt. Später wird dann auch die Trage in die Höhle transportiert. Anschließend folgen die Teams, die den Einbau von Flaschenzug und Seilbahn durchführen. Der Einbau der Verankerungen, das Bohren von Löchern für Fixpunkte, die Arbeit am Patienten, das Telefonieren mit der Einsatzleitung am Höhleneingang: Alles wird ausgiebig gefilmt und dokumentiert. Durch das teilweise mehrmalige Filmen derselben Szene wird der Übungseffekt noch verstärkt: Dann wird der Knoten nochmals gemacht oder die Aufhängung abgebaut und ein zweites mal installiert. Doch alle sind geduldig und so läuft die Übung professionell und harmonisch ab.

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Gegen 18:00h wird der Patient dann wohlbehalten aus der Höhle getragen und gegen 19:00h ist dann auch alle Rettungsmaterialien im Fahrzeug verpackt und die „Zivilkleidung“ wieder angezogen. Ein Abendessen in gemütlicher warmer Umgebung lässt dann die langen Stunden in feuchter und kühler Umgebung schnell vergessen. Insgesamt waren 16 Höhlenretter im Einsatz.

Besonderer Dank gilt den Salzburger Kameraden, die sich unter anderem um die Verpflegung der Einsatzkräfte verdient gemacht haben.