Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Eine Höhlenrettungsübung besonderer Art:
Die Hubschrauberübung für die Höhlenrettung auf die Reiteralm
 
(Werner Zagler) Schon seit etlichen Jahren haben wir uns seitens der Höhlenrettung bemüht, eine Übung mit einem Großraumhubschrauber zu organisieren. Hintergrund ist der realistische Fall eines Einsatzes im  Hochgebirge mit der dafür erforderlichen Logistik und Rettungsmannschaft ohne die Möglichkeit mit dem gesamten Rettungsmaterial direkt zum Eingang zu fahren. Leider blieben unsere Anfragen bis vor kurzem unerhört. Ende August war es aber dann soweit. Über die Kollegen aus Freilassing kam eine Einladung zu einer solchen Übung und nach mehreren e-mails wurde der 8.September als Termin bestätigt.  Wermutstropfen dabei war nur, daß je Höhlenrettungswache nur 4 Personen an der Übung teilnehmen konnten. Von uns Münchnern waren das außer mir: Markus Auer, Daniel D’Auria und Thomas Ziller.   

Hub1So fuhren wir also am Samstag Morgen nach Bad Reichenhall zur Kaserne, von deren Hubschrauberlandeplatz aus die Übung beginnen sollte. Besonders interessant  wurde der Tag während der Anfahrt, als wir eine SMS des Salzburger Höhlenrettungsdienstes erhielten mit der Nachfrage zur Unterstützung bei einem Sucheinsatz: Unsere Höhlentaucher samt Unterstützung wurden zu einer Vermisstensuche angefordert. Also ein echter Einsatz zeitgleich zu einer Übung! Idealerweise übernahm aber  Jochen Gürtler die Koordination dieses Sucheinsatzes und fuhr wenig später mit 4 Höhlentauchern und Heinrich Breuer von der BW München nach Werfenweng im Salzburger Land..  

Angekommen in der Kaserne fand erst einmal eine Kurzeinweisung in den „Umgang“ mit dem Hubschrauber statt und eine Vorstellung des geplanten Ablaufes. Dann wurde das Material zusammengestellt und alle schlazten sich bei wolkenlosem Himmel an diesem schönen sonnigen Tag komplett höhlenfertig an (…in der Meinung, daß wir vom Landeplatz nur kurz zur Höhle gehen müssen). Wenig später kam dann der Hubschrauber herangeflogen und landete nach einer eleganten Kurve sanft auf der Wiese:

Hub2Eine sogenannte „Super-Puma“ der Bundespolizei mit einer Nutzlast von ca. 4t. Ein richtig großes Ding mit ca. 2200kW Leistung! Vor dem Beladen und der Einteilung der Transportgruppen dann nochmals eine Einweisung in den Hubschrauber von der Besatzung selbst und dann konnte es endlich losgehen! Die erste Gruppe wurde mit Material auf die Reiteralm-Hochfläche geflogen. Am Rande der Hochfläche wurde eine Funk-Relaisstation abgesetzt, damit die Funkverbindung ins Tal möglich war. Am Landeplatz dann wurde der erste Teil von Gepäck und Mannschaft ausgeladen. Dann Rückflug ins Tal und Transport des zweiten Teiles der Mannschaft. Währenddessen wurde am Landeplatz das Gepäcknetz vorbereitet und dann sämtliches Material dort hinein verstaut. Per Transport am langen Tau war geplant, das Netz direkt zum Höhleneingang zu befördern. Da ja bereits ein paar Tage zuvor die Örtlichkeit besichtigt worden war und auch mit GPS eingemessen worden war eine scheinbar leichte Aufgabe! Der Hubschrauber samt Netz flog also los und schwebte dann über den offensichtlich richtigen Koordinaten, um das Netz von dem zuvor abgesetzen Retter entgegennehmen zu lassen. In der Meinung, daß der Hubschrauber das Netz am Höhleneingang platziert hat, haben wir restliche Rettungstruppe uns dann auch auf den Weg zu dieser Stelle gemacht.
 
Wie anfangs erwähnt natürlich voll angeschlazt! Anfangs noch auf der Forststraße, dann aber durch lockeren Bergwald mit Latschenbewuchs und gut unter diversem Grünzeug versteckten Karren und Rinnen. Erfahrene Höhlengeher haben spätestens hier begonnen, den Helm abzunehmen und das Schlazoberteil bis auf Bauchhöhe aufzurollen. Zwar meinte jemand, daß nach der Wegbeschreibung die Höhle doch wo anders sein müsste als das Gepäcknetz platziert wurde aber auch ich verließ mich auf den Hubschrauber. Und somit begannen 17 fast vollständig angeschlazte Höhlenretter mit ca. 35 gepackten Schleifsäcken und einem Gepäcknetz das Gelände nach einem Höhleneingang abzusuchen…was im Endeffekt etwa schweißtreibende 40 min gedauert hat und zur Folge hatte, daß die mitgenommenen Getränkevorräte schnell weniger wurden.  

Hub3Schließlich jedoch war der Höhleneingang erreicht und die eigentliche Rettung konnte beginnen. Das „Opfer“ war ein blauer Schlaz, der im ersten Schacht positioniert war. Da der Schwerpunkt der Übung auf der Logistik und dem Transport von Mannschaft und Material lag und weniger im Üben der Rettung eines Patienten, war das Szenario in der Höhle von vornherein auf ein Minimum beschränkt. So wurde also nur ein Flaschenzug am Schachtkopf im Freien aufgebaut um zumindest den „Patientenbetreuer“ samt Patienten (= blauer Schlaz) heraufzuziehen. Da außerdem mit dem Hubschrauber eine feste Abholzeit vereinbart war, war auch die für die Rettungsaktion zur Verfügung stehende Zeit begrenzt. Durch die unvorhergesehene Höhlensuche wurde diese nochmals verringert.   
So schafften wir es also gerade rechtzeitig zum vereinbarten Zeitpunkt um 14:30h das gesamte Material wieder flugfertig im Gepäcknetz zu verstauen und selbst ebenfalls abflugbereit zu sein. Der Haupttrupp der Mannschaft machte sich dann auch auf den Weg zum Abflugplatz nur Hubert Glässner und ich blieben beim Gepäcknetz um den Hubschrauber einzuweisen und das Gepäcknetz einzuhaken. Durch die Einsatzleitung erfuhren wir aber dann, daß sich der Hubschrauber etwas verzögern würde, weil er noch bei einer anderen Übung beschäftigt sei. Und so warteten wir also gemütlich im Gras liegend. 

Einige Zeit später dann die Information, daß der Hubschrauber nun kommen würde und richtig, in der Ferne war schon das Motorengeräusch zu hören. Kurz darauf war er auch schon zu sehen und Hubert machte sich besonders groß, um im lichten Wald gesehen zu werden. Doch statt zu uns zu fliegen drehte er wieder ab und wir erfuhren, daß es irgendetwas am Hubschrauber zu überprüfen gäbe und er wieder ins Tal fliege. Also wieder warten. Und so warteten wir etwa eine gute Stunde bis die Information kam, daß der Hubschrauber erst repariert werden müsse und er also nicht käme. Aber auch für diesen Fall war im Vorfeld vorgesorgt worden: Das Material wird in diesem Fall durch die auf der Reiteralm in diesem Bereich ansässige  Bundeswehr abgeholt und zu deren Seilbahn gefahren. Dort wird es dann am Montag morgen wieder von den Freilassinger Kollegen übernommen. Wir selbst gehen dann zu Fuß zurück ins Tal, ein etwa 2 stündiger Fußmarsch. Doch zuerst musste das Material vom Höhleneingang wieder zum Abflugplatz. Also kam die gesamte Mannschaft wieder zurückgelaufen, um unseren Gepäckberg zur Forststrasse zu tragen, damit das Material zur Seilbahn transportiert werden kann.

Kurze Zeit später war es dann auch vollbracht und die Mannschaft machte sich nun zum zweiten Mal auf den Weg zum Abflugplatz, weil ein Ersatzhubschrauber angekündigt war, der uns abholen sollte. Allerdings war er deutlich kleiner als unser ursprüngliches Modell und daher blieb es beim Transport des Materials mit der Seilbahn. Zusammen mit Hubert lud ich daher das Material auf den angekommenen LKW und brachte es zur Seilbahn. Zurück am Abflugplatz war der Hubschrauber auch schon fleißig am transportieren. Statt allerdings nur zweimal musste er mindestens viermal fliegen, da die Transportkapazität deutlich geringer war. Schließlich waren alle wieder in Bad Reichenhall angekommen, das persönliche Material verstaut und es folgte eine kurze Abschlussbesprechung, da die „Super-Puma“ mittlerweile  repariert war und zu einem neuen Einsatz gerufen wurde.

Auch wir Münchener mussten auf die ausführliche Nachbearbeitung der Übung bei einer Brotzeit verzichten, da wir sofort zum Sucheinsatz nach Werfenweng weiterfuhren. Dort jedoch hatten wir nichts mehr zu tun, da die Suche aufgrund der einbrechenden Dämmerung abgebrochen wurde.