Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Werner Zagler

Das diesjährige Treffen der „ECRA“, der „European Cave Rescue Association“ wurde von der italienischen Berg- und Höhlenrettung, dem „Corpo Nazionale Soccorso Alpino e Speleologico“ (CNSAS), Sektion Friaul, ausgerichtet. Nicht weit von Triest entfernt bei Padriciano befindet sich deren Hauptquartier mit Versammlungsraum, Lager, Küche etc. Und wie es sich für eine ordentliche Höhlenrettungs- organisation gehört, befindet sich auf dem weitläufigen Gelände natürlich ein Eingang zu einer Schachthöhle. Doch zur Befahrung war leider keine Zeit.

Am Donnerstag Abend war Anreise und Öffnung des Tagungsbüros, später dann Abendessen und Belegung eines Schlafplatzes. Noch später dann klang der Abend aus bei Gesprächen mit alten Riesending-Bekannten und diversen Bechern Wein.
Der Freitag stand für die bereits eingetroffenen Interessierten ganz im Zeichen des Erfahrungsaustausches: Entweder konnte man sich mit Höhlenmedizin beschäftigen oder aber mit Technik. Am Thema Höhlenmedizin nahmen naturgemäß Ärzte und „Paramedics“ teil. Die Leitung übernahmen Corrado Camerini (I), Lana Djonlagic (HR) und Ulrich Naegeli (CH).
Ich selbst war bei der Technik mit dabei. Die Leitung hierbei hatten Christiano Zoppello (I) und Darko Baksic (HR). Das Thema in diesem Jahr hätte nicht passender sein können: Die Höhlenrettungstrage und deren verschiedene Aufhängemöglichkeiten für vertikale und horizontale Lage. Hierzu fuhren wir alle zu einem riesigen Höhleneingang mit allerdings einer umso kürzeren Gesamtganglänge, der „Grotta Caterina“.

Jedes der vorführenden Länder präsentierte hier seine aktuell in Benutzung befindliche Trage und demonstrierte das Einpacken des Patienten, das Gurtsystem, den Schutz des Patienten vor äußeren Einflüssen etc. Anschließend wurde die Trage hochgezogen und gezeigt, wie die Aufhängung in vertikaler bzw. horizontaler Position bewerkstelligt wird und wie beim Transport die Lage gewechselt werden kann.

So lernten wir die Feinheiten der Trage der Schweiz kennen, das unglaublich kleine Packmaß der Trage der Slowenen, die Zerlegemöglichkeiten der italienischen Trage, eine Neuentwicklung aus Österreich ganz aus Karbonfasern, zwei unterschiedliche Baustände der Petzl „Nest“ und deren Eigenheiten und diskutierten über die Frage, ob eine Trage überhaupt zerlegbar sein muß oder nicht.

Als besonderes Highlight dann am späten Nachmittag noch ein Angebot der Italiener, die Festigkeit von Spits und Spitlaschen zu testen. Hierzu hatten sie extra eine Vorrichtung dabei, um achsengerechte Zugkräfte aufzubringen und zu messen. Hierzu wurde ein schon älterer Spit am Höhleneingang als Testobjekt ausgewählt und dann der Zugversuch durchgeführt.

Es darf geraten werden, bei welcher Zugkraft das Ergebnis links im Bild entstanden ist!
Am Abend dann gemeinsames Essen und gemütliches Beisammensein.
Der Samstag Vormittag stand dann programmgemäß ganz unter dem Motto „Riesending“. Ulrich Meyer, Thomas Matthalm und Johann Westhauser waren anwesend und referierten über die Erforschung dieser faszinierenden Höhle und zeigten einen speziell allen Rettern gewidmeten Film.

Anschließend überbrachte eine Delegation der Bergwacht Bayern als einsatzführende Organisation den Dank an die beteiligten Rettungsorganisationen und kündigte für den Abend Freibier an. Im Folgenden dann wurden diverse Themen der Riesending-Rettung angesprochen und maßgeblich von den beteiligten Rettungsorganisationen aus Italien, Schweiz, Österreich und Kroatien kommentiert. Einige der angesprochenen und für die Gruppen besonders bewegenden Themen hier in Kurzform: Art und Zeitpunkt der Alarmierung; Zeitpunkt des ersten eigenen Einsatzes; Verlegung und Ausfälle der Telefonleitung; Einsatz des Cave-Link-Systems; Medizinische Versorgung des Patienten; Biwakplätze in der Höhle; zeitliche Verzögerungen beim Transport; Lebensmittelversorgung und insbesondere die Problematik der späteren (menschlichen) Entsorgung; unterschiedliche Rettungsmaterialien, Verankerungen, Rettungstechniken; vorbildliche Logistik und Versorgung; unterschiedliche länderspezifische Charaktereigenschaften.

Nach dem Mittagessen folgte ein kurzer Vortrag über ein Höhlendatensystem der österreichischen Höhlenrettung. Anschließend kam ein Bericht über den Einsatz in der „Jack-Daniels-Höhle“ im Tennengebirge. Besonders interessant war hier der Vergleich mit der Rettung aus der Riesendinghöhle bezüglich der unterschiedlichen Rahmenbedingungen: Wetterlage, Lage der Höhle, Unfalltiefe, Verletzung des Patienten, Dimension der Höhle, Retterzahl etc.

Von der spanischen Höhlenrettung wurden Grüße übermittelt in Form eines kommentierten Fotovortrages über die Höhlenrettungsaktion in Peru. Hier war ein spanischer Höhlenforscher verletzt. Interessant hierbei die Tatsache, daß der peruanische Staat helfen wollte, aber keine Höhlenretter hat. Die spanische Höhlenrettung wollte helfen, wurde aber nicht unbedingt von der spanischen Regierung unterstützt…

Das war der perfekte Einstieg in das nächste Thema, eine Diskussion über internationale Zusammenarbeit bei Höhlenunfällen.

Ein besonderes Schmankerl dann zum Abschluss des Tages: Ein erster Film der Rettungsaktion Riesending zusammengestellt von der italienischen Höhlenrettung. Bewegende Bilder von Patientenversorgung, Transport, Biwakleben etc. Der für mich bewegendste Satz hieraus, der all das aussagt, was zumindest meine Motivation für Höhlenrettung ist:

Keiner wird zurückgelassen!

Nach dem Abendessen dann gemütliches Beisammensein und ausgiebiges Ausklingen lassen eines sehr interessanten Tages.

Sonntag Vormittag fand dann die Generalversammlung der ECRA statt. Themen waren hierbei unter anderem:

  • Der Antrag von Rumänien zur Aufnahme
  • Die externe Kommunikation und die Homepage
  • Die Beziehung zwischen ECRA und FSEU
  • Das internationale Höhlenrettungstreffen 2015 in der Schweiz

Nach dem Mittagessen dann Abreise der restlichen verbliebenen Teilnehmer.

Ein rundum gelungenes Treffen mit interessanten Themen, mittlerweile gut bekannten Höhlenrettern und der bewegenden Anwesenheit von dem inzwischen wieder gesunden Johann Westhauser.